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Hubertus Rößler 29.07.2010 12:27 Uhr - Aktualisiert 29.07.2010 13:00 Uhr

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Tanzen, lieben, feiern – Duisburg kein Thema

Küstrin (moz) Die Duisburger Loveparade und ihre schrecklichen Ereignisse sind kaum vorbei, da folgt das nächste musikalische Großereignis. Im polnischen Küstrin findet am Wochenende das Rockfestival „Haltestelle Woodstock“ statt. Die Organisatoren schließen vergleichbare Szenarien wie in Duisburg aus.

  © Johann Mueller

Wer in diesen Tagen durch die polnische Grenzstadt Kostrzyn (Küstrin) fährt, der kann ihn vielleicht spüren, den Geist von Woodstock. Bereits seit Anfang der Woche pilgern täglich immer mehr Jugendliche und Junggebliebene in die 18 000 Einwohner kleine Stadt an der Oder. Ausgerüstet mit Backpacker-Rucksäcken, Zelt und Schlafsack liegt ihr Ziel ganz am Rande der Stadt. Hier, auf einem riesigen ehemaligen Militärgelände mitten im Wald, wird von Freitag bis Sonntag getanzt, geliebt, gefeiert. Zum Rockfestival „Haltestelle Woodstock“, nach Angaben der Veranstalter das größte nichtkommerzielle Open-Air-Rockfestival in Europa, werden bis zu 400 000 Teilnehmer erwartet. Unter dem Motto „Liebe, Freundschaft und Musik“ lädt eine Warschauer Stiftung bereits zum 
16. Mal zu der Veranstaltung, bei traditionell freiem Eintritt und freiem Campen.

Natürlich wird bei einem solchen Großereignis wenige Tage nach den Ereignissen auf der Loveparade, wo nach einer Massenpanik 21 Menschen starben und über 500 verletzt wurden, die Frage nach der Sicherheit der Menschen gestellt. „Ereignisse wie in Duisburg sind in Küstrin nicht denkbar, da das Festivalgelände viele Hektar groß und in alle Richtungen offen ist“, sagt Uwe Hädicke, Vorsitzender des deutschen Kooperationspartners Kindervereinigung Seelow (Märkisch Oderland). Das jetzt noch einmal überprüfte Veranstaltungskonzept habe sich seit Jahren bewährt. Die Kindervereinigung hatte als Medienpartner eine für Dienstag geplante Pressekonferenz in Potsdam abgesagt. „Angesichts der grauenvollen Ereignisse in Duisburg wäre Werbung in Deutschland für ein fröhliches Fest unangebracht gewesen“, sagt Hädicke.

Ihren Spaß am Feiern möchten sich Krysztof Kosakowski und seine Freunde nicht nehmen lassen. Bereits am Sonntag sind die Rockfans aus Warschau angereist und wollen nun hier „eine tolle Zeit verbringen“, wie der 30-Jährige sagt. Die Bilder von der Loveparade hätten sie gesehen, aber hier sei alles viel 
weitläufiger und die Leute alle friedlich. „Wir freuen uns auf die Menschen aus ganz Europa“, sagt er.

Auf dem Festivalgelände riecht es nach vertrocknetem Gras, der Boden staubt. „Ohne Staubmaske würde ich hier am Wochenende nicht herumlaufen“, sagt Jens Lawrenz von der Kindervereinigung Seelow. Er macht deutsche Teilnehmer mit den Festivalregeln vertraut. „Dazu gehören kein offenes Feuer und strenge Alkoholregelungen“, berichtet er. Zur weiteren Sicherheit gibt es mehr als 1000 freiwillige Helfer. Dazu kommen Hunderte Sicherheitsleute sowie Polizei, Feuerwehr, Sanitäter und Armee. „Bei den vergangenen Festivals hat es hier keine größeren Zwischenfälle gegeben. Das läuft alles sehr professionell ab“, erzählt der Sozialarbeiter.

Vor der Hauptbühne taucht ein Mann auf, der von zwei Kamerateams begleitet wird. Er ist kräftig, in seinem T-Shirt und den kurzen Hosen könnte man ihn für einen Aufbauhelfer halten. Doch Jerzy Owsiak gehört zu den bekanntesten Personen Polens. Er leitet die Stiftung und organisiert das Festival als Dank für die ehrenamtlichen Helfer. „Duisburg, immer nur Duisburg“, sagt er und spielt auf die Fragen der Journalisten an. „Man kann Haltestelle Woodstock nicht mit der Loveparade vergleichen. Wir können auf jahrelange Erfahrung zurückblicken und haben hier die sicherste Massenveranstaltung in ganz Polen.“

Aus einem Auto dröhnt laute Musik. Jugendliche aus Posen sitzen auf dem Autodach, jeder eine Bierdose in der Hand. „Wir freuen uns auf die unglaubliche Atmosphäre“, erzählen sie und wollen auch den Geist von Woodstock erleben: „Tanzen, Lieben, Feiern.“ Die Ereignisse vom vergangenen Wochenende sind für sie kein Thema. „Wir genießen die Zeit und haben keine Angst!“

 

Programm der Haltestelle Woodstock 2010

HAUPTBÜHNE

Freitag, 30. Juli

15.15 Uhr    Ewelina Flinta    (Polen)
16.35 Uhr    Laki Lan    (Polen)
17.50 Uhr    Peyoti For President    (Großbrittanien)
19.05 Uhr    Orphan Hate    (Deutschland)
20.20 Uhr    Papa Roach    (USA)
21.45 Uhr    Justyna Steczkowska    (Polen)
22.55 Uhr    Nigel Kennedy    (Großbrittanien)
00.30 Uhr    Lao Che     (Polen)

Samstag, 31. Juli

16.00 Uhr    Sen Zu    (Polen)
16.55 Uhr    Enej    (Polen)
18.00 Uhr    Pampeluna    (Polen)
19.05 Uhr    Panic Cell    (Großbrittanien)
20.15 Uhr    Maleo Reggae Rockers    (Polen, Jamaika)
21.40 Uhr    Projekt Chopin    (Polen)
22.55 Uhr    Girl In a Coma    (USA)
00.15 Uhr    Life Of Agony    (USA)
01.40 Uhr    Lessdress    (Polen)

Sonntag, 01. August

16.00 Uhr    Kochankowie Gwiezdnych Przestrzeni    (Polen)
16.55 Uhr    Ziggie Piggie & Robert Brylewski     (Polen)
17.55 Uhr    Titus Tommy Gunn     (Polen)
19.15 Uhr    Armia    (Polen)
20.35 uhr    Morgan Heritage    (Jamaika)
22.00 Uhr    Tonic    (USA)
23.20 Uhr    Jelonek    (Polen)
00.45 Uhr    Finale

Alle Bühnen mit komplettem Pogramm unter www.haltestelle-woodstock.de

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