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Albert Jaritz 29.07.2010 19:21 Uhr

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Von herrlicher Arbeitswut

Berlin (moz) Das Brücke Museum in Berlin-Dahlem liegt abseits des Großstadtgetriebes am Grunewald. In den mehr als vier Jahrzehnten seiner Existenz hat es sich zu einer Stätte entwickelt, die wie keine andere den Aufbruch des deutschen Expressionismus in die Moderne dokumentiert. Und mit der jetzigen Präsentation „Die Sammlung“ lenkt das Brücke Museum die Aufmerksamkeit noch einmal neu auf einen Bestand, der international große Beachtung findet.

  Karl Schmitt-Rottluffs „Kongo“: Objekte seiner Maskensammlung inspirierten den Maler 1938 zu diesem Bild, das mit Aquarellfarben und Tusche gefertigt wurde. Seit 1964 gehört es dem Brücke Museum Berlin. © Brücke Museum

Den Grundstein bildete 1964 eine Schenkung von zunächst 
74 Gemälde Karl Schmidt-Rottluffs (1884-1976) anlässlich seines
80. Geburtstages. Zugleich stellte er seinen gesamten künstlerischen Nachlass in Aussicht und regte einen angemessenen Museumsbau an. In ihm sollten auch die Werke seiner Brücke-Kollegen Aufnahme finden. Aus dem Wunsch wurde 1967 Wirklichkeit. Heute verfügt der im Stil der Bauhaus-Architektur errichtete Flachbau unter Kiefern und Birken über rund 400 Gemälde, Tausende von Handzeichnungen, Aquarellen, Grafiken und Plastiken.

Soweit der historische Hintergrund der neuen Hängung. Der Besucher wird von einer Auswahl überrascht, die allein schon durch die Qualität der Sammlungsstücke besticht. Sie umfasst alle Techniken. Das sind Malerei und Zeichnung, Aquarell, Druckgrafik und Plastik. Der Rundgang beginnt mit frühen Arbeiten der vier Architekturstudenten Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Beyl, die im Juni 1905 unter dem programmatischen „Brücke“- Emblem in Dresden „von einem Ufer zum anderen“ strebten und auf Flugblättern verkündeten, dass „ …jeder zu uns gehört, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt“.

Die Schau wird mit einer Auswahl von Arbeiten auf Papier ergänzt. Zeichnungen und Aquarelle aus allen Schaffensperioden lassen ahnen, wie sie „von geradezu herrlicher Arbeitswut besessen“, so Fritz Bleyl, unter dem unmittelbaren Eindruck des Gesehenen Kunst aufs Zeichenblatt zauberten. Berühmtheit erlangten die legendären „Viertelstundenakte“ (1905/1906). Bald vergrößerte sich die Zahl der Mitglieder mit Emil Nolde, dem Schweizer Maler Cuno Amiet und Max Pechstein. Im Herbst 1911 zogen die Künstler nacheinander von Dresden nach Berlin. Während Emil Nolde wieder ausschied, kam Otto Müller als neues Mitglied hinzu.

Die Ausstellung zeigt nicht nur Werke, die in der Zeit des Bestehens der Gemeinschaft von 1905 bis 1913 entstanden, sondern ermöglicht auch Einblicke in ihren weiteren künstlerischen Werdegang nach dem Auseinanderbrechen 1913. Aus dem Kollektivstil werden Individualstile. Nach 1918 geht jeder eigene Wege. Die Berliner „Straßenszenen“ (1913/14), die die Doppelbödigkeit des Großstadtlebens widerspiegeln, sind Höhepunkte in Kirchners Schaffen. Die Brücke-Kunst hat ihre Unschuld verloren. „Sie entstanden in der einsamsten Zeit meines Lebens, in der mich eine qualvolle Unruhe Tag und Nacht immer wieder hinaustrieb …“, vertraut Kirchner seinem Notizbuch an. Die gezeigten Pastelle, besonders die „Straßenszene mit grüner Kokotte“ (1914), sprechen für sich. Die mit nervösen Strichen wie in Trance entstandene Zeichnung gilt als eine der gelungensten Arbeiten dieser Werkreihe.

Eine besondere Rolle spielt die künstlerische Auseinandersetzung mit der außereuropäischen Kunst Afrikas und der Südsee. Eckige Formen und starke Vereinfachungen sind Zeugnisse eigenständiger Bildlösungen.

Die Gegenüberstellung mit Masken aus der Afrika- und Ozeaniensammlung Karl Schmidt-Rottluffs, die wohl in diesem Umfang noch nie öffentlich zu sehen war, gehört zu den Highlights der Schau. Ein Beispiel ist Rottluffs Ölbild 
„Afrikanisches“ (1954) mit einer Büffelmaske im Vordergrund. Das hölzerne Original stammt aus dem Kameruner Bergland. Der Einfluss dieser Arbeiten auf die figurative Plastik war enorm.

Bis 5. September, Brücke-Museum Berlin Dahlem, Bussardsteig 9, „Die Sammlung“, Mo sowie Mi–So, 11 bis 17 Uhr, Telefon: 030 8312029

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