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JSANDNER 03.08.2010 20:16 Uhr - Aktualisiert 04.08.2010 13:19 Uhr

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Streit um billige Stettin-Tickets

Frankfurt (Oder) (moz) Ein preiswertes Stettin-Berlin-Ticket, das der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg seit kurzem für zehn Euro anbietet, sorgt bei Fahrgästen aus Brandenburg für Ärger. Diese müssten für kürzere Verbindungen auf der gleichen Strecke höhere Preise zahlen, kritisiert Andreas Schwarze vom Fahrgastverband „Pro Bahn“. Um die Attraktivität der Strecke zu erhöhen, sei es wichtiger, ein noch nicht elektrifiziertes und eingleisiges Teilstück auszubauen, meint Schwarze.

Seit dem 1. August bietet der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) auf der Strecke Berlin-Stettin ein Ticket für zehn Euro statt bisher 16,70 Euro an. Der „Kampfpreis“ hat nicht nur Befürworter.

Andreas Schwarze lebt in Tantow, einer Uckermark-Gemeinde vor den Toren der polnischen Großstadt Stettin. Wie zahlreiche Brandenburger pendelt der stellvertretende Bürgermeister des Ortes häufig nach Berlin, wo er in einem Verlag arbeitet. Doch seit vergangenem Sonntag ist die Bahnfahrt von Berlin in seinen Heimatort drei Euro teurer als die 20 Kilometer längere Strecke bis Stettin. Selbst wer in Angermünde lebt, zahlt mit 9,80 Euro noch fast genauso viel wie für das Ticket über die Grenze.

„Das neue Angebot ist zwar für Berliner und Stettiner nicht schlecht, schließt aber die Pendler entlang der Strecke aus“, kritisiert Schwarze, der sich im Fahrgastverband „Pro Bahn“ engagiert. Auch alle anderen Brandenburger haben praktisch nichts von der Offerte.

Nach Hintergründen befragt, macht man beim VBB keinen Hehl daraus, dass es sich bei dem Berlin-Stettin-Ticket um 
einen „Kampfpreis“ handelt. Dieser richte sich vorwiegend an die Stettiner, die derzeit noch mit polnischen Kleinbussen in die deutsche Hauptstadt fahren. Laut Schätzungen beläuft sich deren Zahl auf täglich 3000 bis 5000 Reisende, während an Wochentagen nur etwa 300, an Wochenenden auch mal 600 Fahrgäste die Bahn nutzen.

Bei der Stettiner Firma „Atlas-Transfer“ ist zu erfahren, dass die Geschäfte gut laufen. Die „Berlinia-Busse“ von Atlas fahren täglich bis zu fünfmal in die deutsche Hauptstadt und zurück. „Wir befördern vor allem polnische Touristen zu den Berliner Flughäfen, aber auch zahlreiche Personen zu ihren Arbeitsplätzen“, berichtet Mitarbeiterin Sandra Rogasinska. Die einfache Tour sei mit 50 Zloty (rund 12,50 Euro) zwar etwas teurer als der neue VBB-Preis. Aber mit einem Zehn-Fahrten-Schein zu 320 Zloty (rund 80 Euro), den viele Polen kauften, käme man günstiger weg.

„Letztendlich liegt das Übel auf der Strecke Berlin-Stettin ganz woanders“, sagt Andreas Schwarze und ist sich damit mit vielen Kommunalpolitikern und selbst mit dem VBB einig. Denn weil ein etwa 40 Kilometer langer Abschnitt zwischen Passow und Stettin noch immer nur einspurig und nicht elektrifiziert ist, wird bei den wenigen durchgehenden Zügen ein Lokwechsel erforderlich.

Die meisten Reisenden müssen derzeit aber noch in Angermünde umsteigen. Deswegen kommt für die nur 138 Kilometer lange Strecke zwischen den Berliner und Stettiner Hauptbahnhöfen eine Fahrzeit von fast zwei Stunden zustande. „Wirklich attraktiv wird die Linie wohl erst dann sein, wenn ein durchgehender Regionalexpress vielleicht 90 Minuten braucht“, meint Schwarze.

Der Ausbau des Nadelöhrs ist zwar im Bundesverkehrswegeplan bereits seit 2003 vorgesehen, bisher aber nicht im vordringlichen Bedarf. Auf das Drängen mehrerer Brandenburger Kommunen, wann damit zu rechnen sei, gab es vom Bundesverkehrsministerium kürzlich eine ernüchternde Antwort: „Frühestens 2025“ ließ Minister Peter Ramsauer (CSU) verlauten.

 

Kommentar zum Thema: Kampfpreis ist keine Lösung

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