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Ulrike Kirsten 26.07.2010 14:49 Uhr - Aktualisiert 26.07.2010 14:49 Uhr

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In der London über die Oder

Frankfurt (moz) Der Tag hat 24 Stunden. Und auch in Frankfurt ist in jeder dieser Stunden irgendwo irgend etwas los. Der Stadtbote war dabei und stellt die Erlebnisse eines Tages in einer Serie vor. Heute: von 17 bis 18 Uhr mit dem Ruderverein von 1882 unterwegs auf der Oder.

„Wollt ihr euch heute noch einmal im Doppel- oder lieber im Riemenbereich probieren?“, ruft Dirk Schacher der fünfköpfigen Gruppe hochgeschossener, schlanker Jugendliche zu. Kurz nach 17 Uhr beginnt für die Nachwuchsruderer das Training. Bis zu sechsmal wöchentlich treffen sich die 13- bis 16-Jährigen auf dem Gelände des Frankfurter Rudervereins von 1882.

Zu sechst tragen die Sportler die London, ein Viererboot des Vereins, von der Befestigung in der Bootshalle zum Oderufer. „Felix am Schlag, dann Arne, Maik an Drei und hinten Jessi. Laura, du machst die Steuerfrau“, gibt Vereinstrainer Dirk Schacher den Ton an. Er selbst nimmt in einem kleinen Motorboot Platz. Unter den Stuhl stellt er einen großen Werkzeugkoffer. „Wenn mal was kaputt geht“, erklärt der 40-Jährige, der früher selbst DDR-Meister im Rudern war. „Mannschaft, steigt ein“, fordert Felix seine Bootskollegen auf.

Als erste Mann im Vierer gibt er die Schlagfrequenz an, mit der gerudert wird. „18 Schläge pro Minute werden wir heute machen. Zum Vergleich, der Deutschlandachter macht am Start bis zu 48 Schläge“, sagt Dirk Schacher, während er Kommandos durch ein Megaphon gibt. „Jessi, ohne Blattdrehung“, ruft der Trainer der 16-Jährigen zu, die heute erst zum zweiten Mal Riemen fährt. „Riemen erfordert eine andere Abstimmung auf die anderen Ruderer als beim Doppel, weil man nur mit einem Ruder agiert.“

Deswegen stehen zuerst Balance- und Einfahrübungen auf dem Programm der Trainingseinheit. Nach einer halben Stunde setzt sich das Boot erst richtig in Bewegung. Mit kräftigen Zügen gleitet es an der Oderpromenade entlang, vorbei an den monströsen Betonfundamenten der Stadtbrücke. Immer wieder bleiben neugierige Passanten stehen, beobachten die jungen Sportler. „Na Jessi, schon Blasen?“, scherzt Dirk Schacher. „Ruderer sind zwar durchtrainierte Sportler, aber wir haben keine schönen Hände“, sagt er und zeigt auf die Schwielen an seinen Händen.

Nach den Deutschen Meisterschaften im Juni lässt es Trainer Dirk Schacher ruhig angehen. Heute rudern die fünf Jugendlichen nur eine Acht-Kilometer-Strecke. „Es sind ja Schulferien. Die Kinder sollen nicht den Spaß am Rudern verlieren. Vor großen Regatten fahren wir aber auch Touren bis 20 Kilometer“.

Konditions- und auch Kraftübungen gehören zum Training. „Die richtigen Meister werden im Winter gemacht“, sagt Schacher. „Alle fünf sind gut, haben schon ordentliche Platzierungen erreicht. Sie können noch mehr erreichen.“ Entspannt steuern seine Schützlinge den heimischen Hafen an.

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