Potsdam (DDP) Trotz Kritik aus Berlin setzt Brandenburg sein Präventionsprogramm „Lieber schlau als blau“ gegen Alkoholmissbrauch fort. Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) sagte in Potsdam auf eine parlamentarische Anfrage, die Landesregierung stütze sich bei ihrer Einschätzung des Programms auf einen Beschluss der Landessuchtkonferenz. Dieser basiere auf einer fachlichen Empfehlung unter anderem von Vertretern mehrerer Ministerien, von Krankenkassen, des Landeskriminalamts sowie der Zentralstelle für Suchtprävention.
Ziel sei, Jugendlichen den Glauben zu nehmen, der Genuss von Alkohol hänge mit positiven Wirkungen zusammen, und die seien steigerbar. Je mehr positive Wirkung Jugendliche von Alkohol erwarten, desto mehr würden sie trinken. „In einer Übung des Programms werden die Jugendlichen dazu angehalten zu prüfen, ob diese Erwartungen sich tatsächlich bereits bei kleinen Alkoholmengen - also noch im risikoarmen Bereich - einstellen“, sagte die Ministerin.
Die Landtagsabgeordnete Marie-Luise von Halem (Grüne) hatte in ihrer Anfrage betont, dass in „zahlreichen Jugendklubs und etwa 25 Schulen“ unter Aufsicht „Trinkworkshops“ durchgeführt worden seien. Dabei seien den Schülern bis zu vier „Trinkeinheiten“ verabreicht worden, die insgesamt einer Menge von 0,8 Litern Wein oder 1,33 Litern Bier entsprachen. Die Abgeordnete verwies auf den Berliner Senat, der das Verfahren von Suchtexperten begutachten ließ. Diese hätten „mit Nachdruck“ von einer Übernahme abgeraten.
Tack dagegen verteidigte das 2007 eingeführte Programm. Die jugendlichen Teilnehmer würden vor allem erfahren, dass Alkohol negative Effekte beim Verhalten hervorrufe und sich positive Effekte durch weiteres Trinken nicht steigern ließen. Laut Tack werden die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes streng beachtet.
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