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Dietrich Stulpe 21.08.2010 08:00 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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„Es gibt nur diesen Weg“

Frankfurt (moz) Für Frankfurts derzeit größte Ruder-Hoffnung, Bodo Schacher, beginnt am Montag ein neuer Lebensabschnitt. Der 17-Jährige wechselt an die Potsdamer Sportschule, will dort sein Abitur ablegen, am Olympiastützpunkt trainieren und neue sportliche Ziele in Angriff nehmen. Ausgangspunkt für diesen Schritt war sein Vize-Weltmeistertitel bei den Junioren.

  Will weiter nach oben: Junioren-Vizeweltmeister Bodo Schacher vom FRC von 1882 © MOZ/Dietmar Horn

Bodo Schacher wird schon früh mit dem Rudern konfrontiert, sitzt bereits als Dreijähriger beim Wanderrudern mit den Eltern im Boot. Sowohl Mutter Patricia als auch Vater Dirk betreiben diesen Sport seit ihrer Jugend mit Erfolg. Schnell springt der Funke auch auf Bodo über, und sein Bruder Arne (14) landet nach einer kurzen Zwischenstation als Fußballer ebenfalls bei den Ruderern vom FRC von 1882.

Mit den ersten Erfolgen steigt bei Bodo der Ehrgeiz. Im Jahre 2006 eröffnet sich für ihn die große Chance. Er ist eigentlich Ersatzmann für den Landesauswahl-Vierer. Doch bei der Regatta auf dem Brandenburger Beetzsee muss er plötzlich ran, weil vom Stamm-Quartett jemand erkrankt ist. Ein Glücksumstand, den Bodo sofort beim Schopfe packt. Auch Auswahltrainer Andreas Herdlitschke überzeugt der Frankfurter sofort. Wenig später sitzt er mit Tobias Oppermann vom RC Havel Brandenburg im Zweier ohne Steuermann. Von da an geht‘s bergauf, erkämpft das Duo bei den deutschen Meisterschaften der
B-Junioren gleich Bronze.

Diese Medaille stachelt beide noch mehr an. Doch sie haben ein Problem: die Entfernung von Frankfurt nach Brandenburg/Havel. Trainer Herdlitschke findet eine Lösung. Er erstellt ein auf Bodo zugeschnittenes Heimtrainingprogramm, das der Frankfurter in seinem Verein selbständig durchzieht. Ein hartes Regime.
5 Uhr Aufstehen, 6.10 Uhr mit dem Zug von Mixdorf zum Karl-Liebknecht-Gymnasium nach Frankfurt, anschließend zum Training und dann mit dem Zug wieder nach Hause. Zeit für Hobbys? Fehlanzeige. „Bodo hat sich nie bei uns beschwert, nahm sogar am Wochenende noch die regelmäßigen Lehrgänge auf dem Beetzsee in Kauf. Freitags bis sonntags absolvierte er dort mit seinem Zweier-Partner bis zu fünf Trainingseinheiten“, erklärt Dirk Schacher und ergänzt: „Wenn Bodo uns signalisiert hätte, dass er das nicht mehr will, hätten wir ihn da sofort rausgeholt.“

Pech für den 17-Jährigen, dass er sich im Vorjahr kurz vor der Junioren-WM eine Arm-Fraktur zuzieht, er von zu Hause mit ansehen muss, wie Partner Oppermann mit dem DRV-Achter die Goldmedaille erkämpft. Doch in diesem Jahr klappt alles wie am Schnürchen, erkämpft sich das Duo vor zwei Wochen in
Tschechien WM-Silber.

Es ist zugleich ein Knackpunkt im Leben von Bodo: „Ich bin an meine Grenzen gestoßen. Nicht sportlich, sondern vom Zeitaufwand her.“ Da für Oppermann längst feststand, dass er nach Potsdam wechselt, inzwischen auch ihr Trainer am dortigen Olympiastützpunkt ein Angebot erhielt, die U 23 zu betreuen, fiel auch dem FRC-Athlet der Entschluss leicht. „Da ich unbedingt weiterrudern will, gibt es nur diesen Weg für mich“, weiß Bodo, der sich ab 2011 bereits im Männerbereich
(U 23) beweisen muss.

Ab Montag wechselt er an die Sportschule in die Landeshauptstadt. Damit bleibt das Erfolgstrio weiterhin zusammen. „Ich freue mich auf die neue sportliche Herausforderung in Potsdam. Dort läuft alles viel professioneller ab, sind Schule und Training optimal aufeinander abgestimmt. Davon konnten sich meine Familie und ich vor Ort überzeugen.Und mein Zeitaufwand wird sich verringern, weil alles an einem Ort stattfindet.“

Doch auch etwas Wehmut schwingt mit, wenn er sein gewohntes Umfeld verlässt: „Meine Freunde und die Familie werde ich schon vermissen. Doch dafür werde ich an den Wochenenden wohl öfter zu Hause sein als bisher, weil ich nicht mehr in Brandenburg zum Training muss.“

Überhaupt will er weiterhin für seinen Frankfurter Heimatverein starten. Ein ehrbares Unterfangen, zumal auf die Eltern und den FRC zusätzliche Kosten (u. a. Startgelder, Trainingslager-, Übernachtungskosten) zukommen werden. Da wäre, ähnlich wie seinerzeit beim bislang erfolgreichsten Frankfurter Ruderer, Weltmeister Stephan Koltzk, ein Sponsor sehr hilfreich, zumal es eine Investition in die Zukunft wäre.

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