Schwedt (moz) Für tausende Abc-Schützen in Brandenburg läuft die erste Schulwoche. Doch die Brecht-Grundschule ist eine Ausnahme: Erstklässler werden hier erst am kommenden Sonnabend offiziell eingeschult. Vorab werden sie in einer Schnupperwoche langsam an den Schulalltag herangeführt. Statt Buchstaben und Zahlen lernen die Kinder, wie sie zu einem richtigen Schulkind werden. Das Kennenlernen von Schule, Lehrern und Mitschülern steht ebenso auf dem Lehrplan wie die Busschule und das Gestalten der Klassenräume. Geübt wird zusätzlich für das Programm zu ihrer Einschulung.
Busschule: Polizist Mario Baumgardt erklärt den Kindern mit Hilfe der Puppe Lisa, welche Gefahren an Bushaltestellen lauern.
Die Schultüte ist das Symbol eines ersten entscheidenden Lebensabschnitts für kleine Menschen: Der Start ins Schulleben. Für die 69 Kinder der Brecht-Grundschule werden die von Eltern und Großeltern liebevoll gepackten Tüten noch mehr verkörpern. Eine Anerkennung dafür, dass sie ein Schulkind sind und dank der Kennenlernwoche genau wissen, was von ihnen erwartet wird. „Die Spannung bei den Kindern steigt. Dadurch, dass sie auch selbst mit einem kleinen Programm zu ihrer Einschulungsfeier beitragen, kribbelt es bei ihnen noch mehr“, berichtet Monika Plieske, Schulleiterin der Brecht-Schule.
Die verspätete Einschulung ihrer Abc-Schützen haben die Schulleitung und der Förderverein von langer Hand geplant. Gemeinsam mit den Eltern will man neue Wege bei der Eingewöhnung der Kinder gehen, ihnen einen sanften Übergang in den Schulalltag ermöglichen. Nach der Einschulungsrallye am Anfang des Jahres, wo sich Lehrer und zukünftige Schüler bereits beschnuppern konnten, soll den Kindern nun die Aufregung und bei manchen auch die Angst vor den neuen Herausforderungen genommen werden. „Die Kinder sollen Zeit haben, ihr Umfeld kennenzulernen, statt von den vielen neuen Eindrücken erschlagen zu werden. Unser Ziel ist es, Freude aufs Lernen zu wecken, die dann auch über eine Klippe im Alltag helfen kann“, erklärt Lehrerin Annett Salis.Ihre Kollegin Jeanette Scherel ergänzt: „Wir wollen sie einbeziehen in die Gestaltung ihrer Klassenräume und der Einschulungsfeier, damit sie Verantwortung für ihr Reich übernehmen und mit einem Erfolgserlebnis in ihre Schullaufbahn starten.“
Statt Schulstoff von verschiedenen Lehrern vermittelt zu bekommen, verbringen die Erstklässler die erste Woche gemeinsam mit ihren Klassenlehrern. Basteln und Singen gehört ebenso dazu wie ein Ausflug in den Schulgarten und spielerische Übungen, die zeigen, zu welchem Lerntyp die Kinder gehören.
Auch die Sicherheit auf dem Schulweg ist ein Thema in der Schnupperwoche. Die von UVG und Polizei durchgeführte Busschule machte bei den Abc-Schützen Station. Dank Puppe Lisa, Bär Brummi und dem Löwen Kifasi lernten die Kinder, Abstand zum einfahrenden Bus zu halten, an der Haltestelle nicht zu drängeln und auch, dass sich der Busfahrer über ein freundliches „Guten Morgen“ freut. „Für die Kinder gibt es so viele Eindrücke zu verarbeiten, dass es besonders wichtig ist, sie auf Gefahrenquellen aufmerksam zu machen“, erklärt Jacqueline Nowak von der UVG. Dass der Anteil der Schulbusunfälle so gering ist, dass er kaum noch auszuweisen ist, sei auch auf die Präventionsarbeit des Busunternehmens und der Polizei zurückzuführen.
Das Experiment der Schnupperwoche in der Brecht-Schule scheint aufzugehen: „Von Eltern, Kindern und den Kollegen haben wir bisher nur positives Feedback. Von allen Seiten wird deutlich, wie viel harmonischer der Schulstart verläuft“, fasst Schulleiterin Monika Plieske zusammen.
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