Neulewin (moz) Ein Zufall rettete bei der Abdeckung des Kirchendaches in Neulietzegöricke drei seltene Dachziegel vor der Vernichtung. Die reichlich verzierten sogenannten Sonnensteine sind Ausdruck alter Handwerkstechnik – und altmodische Glücksbringer.
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Es waren nur 3000. So viele Dachziegel konnten die fleißigen Freiwilligen bei ihrer Spontanaktion vor gut zwei Wochen noch vom Dach der Neulietzegöricker Kirche herunterholen. „Zu wenig, wenn man bedenkt, wie viele der handgemachten Biberschwänze auf dem Kirchendach lagen“, sagt Peter Herbert von der Hofgesellschaft Neulewin. „Aber ich habe natürlich Verständnis für die Bauarbeiter. Die wollen schnell vorankommen.“ Und der Bedarf nach über 100 Jahre alten Dachziegeln sei zugegebenermaßen nicht sonderlich groß. Aber: „Wenn die Leute wüssten, von welcher Qualität die Ziegel sind, würden sie wohl anders denken. Die halten nochmal 100 Jahre“, so der Experte, der sich seit vielen Jahren intensiv mit alter Bautechnik beschäftigt. Er sei vor allem dem Ortsbürgermeister, Horst Wilke und seinem Stellvertreter, Eckhard Borkenhagen, dankbar „dafür, dass die für die Qualität der Steine einen Blick haben“.
Einen eindrucksvollen Beweis für die Handwerkskunst, mit der die Ziegeleien damals die Biberschwänze herstellten, fand ein Dachdecker bei den Arbeiten ganz zufällig: Zwei so genannte Sonnensteine, in deren Oberfläche mehrere, im Halbkreis angeordnete Sonnenstrahlen abgebildet sind. Ein weiterer verzierter Stein war bereits vorher auf dem Dachboden der Kirche gefunden worden. „Solche Steine haben die Hersteller in den Ziegeleien damals zu besonderen Anlässen, aus Dankbarkeit dem Bauherren gegenüber, als Schlussstein oder als Glücksbringer gefertigt“, erzählt Peter Herbert. Für das Verzieren nutzten die Ziegelbrenner damals kleine Kämme, mit denen sie auch die Abflussrinnen auf die Steine aufbrachten.
Er selbst hat in seinem Haus in Neulewin eine ganze Sammlung von ähnlichen Ziegeln. Darauf sind unter anderem Namen, Geburtsdaten oder Symbole abgebildet. „Manchmal haben die Arbeiter auch etwas, das sie sich unbedingt gewünscht haben, eingeritzt“, so der Chef der Hofgesellschaft. „Wenn man so will, eine Art alt- modische Sternschnuppe.“
Welchem dieser Zwecke die Steine auf der Kirche in Neulietzegöricke genau dienten, wird wohl ein Rätsel bleiben. Ebenso ist nicht klar, aus welcher Ziegelei sie stammen. Zu der Zeit, als die Kirche eingedeckt wurde, etwa im Jahr 1860, seien Millionen Steine auch von weit her nach Brandenburg gebracht worden. Herbert vermutet aber, dass die Kirche im zweiten Weltkrieg auch etwas abbekommen hat und deshalb auch andere Steine aufgedeckt wurden. „Von der Farbe her könnten es aber Rathenower sein“, sagt Peter Herbert. Rathenower Dachziegel waren in der Region sehr verbreitet und wegen ihrer hohen Qualität geschätzt.
Die drei Sonnensteine sind momentan im Besitz von Gisela Sommer, der Vorsitzenden der Kirchengemeinde. „Wir überlegen, ob sich eine kleine Ausstellung mit den Sonnensteinen und anderer gefundenen und gesammelten Dingen aus der Kirche lohnt“, sagt sie. Sicher sei dies aber nicht.
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