Woltersdorf (moz) Sie hatten sich auf einen Sommerurlaub in den Tiroler Bergen gefreut. Der Ausflug auf den zweithöchsten Berg Österreichs endete für eine Reisegruppe aus Woltersdorf (Oder-Spree) dramatisch. Vom Wintereinbruch überrascht überlebte eine 51-Jährige den Aufstieg nicht.
Gastwirtin Gabi Scheiber von der „Breslauer Hütte“ erinnert sich noch an die Gäste aus Ostbrandenburg. Am Montagmorgen gegen 10 Uhr kehren sie auf 2844 Metern bei ihr ein und stärken sich vor dem Aufstieg auf Tirols höchsten Berg, die Wildspitze. Von der Hütte können zahlreiche Dreitausender und Gletscher erreicht werden, und davon hat das Ötztal rund 250. 60 Berge, darunter die Wildspitze, sind sogar über 3400 Meter hoch. „Die Bergsteiger waren ganz gut ausgerüstet, sogar mit GPS“, erzählt die Österreicherin.
Gut 24 Stunden stehen fünf der ursprünglich sechs Urlauber aus Woltersdorf wieder vor ihrer Tür, begleitet von einem Team der Söldener Bergrettung und sichtlich mitgenommen. Nach einem plötzlichen Wintereinbruch hatte sich in über 3500 Meter Höhe ein Drama abgespielt, das eine 51-jährige Frau nicht überlebt. Sie stirbt an Erschöpfung, Unterkühlung und Kreislaufversagen, berichtet die Polizei.
Was sich genau beim Abstieg vom 3774 Meter hohen Gipfel abgespielt hat, versucht die Polizei derzeit in Erfahrung zu bringen. Die Bergsteiger im Alter von 25 bis 55 Jahren müssen vom Wetter überrascht und bei dichtem Schneetreiben beim Abstieg die Orientierung verloren haben. Sie müssen im Freien übernachten. „Die Gruppe war sehr gut ausgerüstet. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen“, sagt Josef Fiegl, Leiter der Söldener Bergrettung. Vermutlich hätten sie sich bei der Planung verkalkuliert und das Wetter unterschätzt, äußert er vorsichtig.
Am frühen Dienstagmorgen um 3.30 Uhr setzen die Bergsteiger einen Notruf an die Leitstelle ab, Fiegl stellt eine Mannschaft aus fünf Rettern zusammen und macht sich um 4.15 Uhr auf Grund des Schneetreibens zu Fuß auf den Weg, weitere 15 bleiben in Bereitschaft. „Ich war ausgesprochen überrascht, dass da überhaupt noch jemand oben war. Schließlich hatte der Wetterbericht Schnee vorausgesagt“, erzählt er. In der Nacht ist 70 Zentimeter Neuschnee gefallen.
Gegen 7.30 Uhr stoßen die Einsatzkräfte in der Nähe der Hütte auf die ersten Mitglieder der Gruppe. Zwei Stunden später können auch die übrigen Bergsteiger gefunden werden. Die 51-Jährige ist da schon tot, die anderen überleben das Drama nahezu unverletzt und werden zurück in die „Breslauer Hütte“ gebracht. „Sie standen unter Schock“, erinnert sich Gabi Scheiber an die Wiederbegegnung.
Die Leiche der Frau müssen die Bergretter zunächst zurücklassen. Sie wird später mit einem Hubschrauber von der Unglücksstelle ins Bergsteigerdorf Vent im Ötztal geflogen, wo im Laufe des Tages auch die Angehörigen erwartet werden. Die fünf Überlebenden werden am Dienstagvormittag nach dem Zwischenstopp in der „Breslauer Hütte“ ins Tal zurückgebracht, von einem Arzt untersucht und dann von der Polizei vernommen.
Die Tour zur Wildspitze gilt als anspruchsvoll. Von der „Breslauer Hütte“ oberhalb von Vent dauern Auf- und Abstieg zum etwa 1000 Meter höher gelegenen Gipfel zwischen fünf und sechs Stunden. „Der Berg wird aber oft bestiegen, und die Bergführerstelle bietet geführte Wanderungen an“, sagt Nicol Klotz von Ötztal Tourismus Sölden. Kenner sind begeistert: „Ein jeder Bergsteiger sollte einmal auf dem höchsten Punkt Tirols stehen, herrliche Aussicht auf die Ötztaler Bergwelt und noch dazu relativ leicht erreichbar, aber auch sehr gut besucht“, heißt es im Internet. Selbst dort wird eine Gletscherausrüstung empfohlen und man warnt vor vereistem Altschnee auf dem Weg zum Gipfel. Dass es im August in den Bergen schneit, ist für Gabi Scheiber von der „Breslauer Hütte“ ungewöhnlich. „Diese Saison ist vom Wetter her einfach unglaublich. Selbst heute haben wir noch 60 Zentimeter Schnee – aber die Sonne scheint“, sagt sie.
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