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Doris Steinkraus 02.09.2010 07:20 Uhr
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Bibliothek „Ulrich Plenzdorf“

Seelow (moz) Er war Zeit seines Lebens ein unbequemer Mensch. Ulrich Plenzdorf mischte sich ein, wagte sich zu DDR-Zeiten an Themen, die man lieber tot schwieg. Mit seinem Buch über den jungen Aussteiger Edgar Wibeau, der so gar nicht in das Bild einer sozialistischen Jugend passte, erlangte der 1944 in Berlin-Kreuzberg geborene Plenzdorf Weltruhm. Seine „Leiden des jungen W.“ wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von über vier Millionen Exemplaren.

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Als Plenzdorf das Buch schreibt, lebt er bereits mit seiner Frau Ursula und den drei Kindern im Alt Rosenthaler Vorwerk. Von hier aus pendelt er zwischen Berlin und seinem ganz persönliche Rückzugsgebiet. Er findet sich nicht ab mit Gegebenen, arbeitet mit künstlerischen Mitteln Widerstände auf, gerät in Konflikt mit dem Staatsapparat und bleibt doch immer seinen Überzeugungen treu. Vor allem die jungen Menschen lieben seine Texte.

Der Film „Die Legende von Paul und Paula“, die nach seinem Buch „Legende vom Glück ohne Ende“ entsteht, wird ein Kassenschlager. Plenzdorf bleibt ein Kritiker. Er unterschreibt den Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung, wird aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Es folgen Filme, die zum Teil verboten werden und in Staatsarchiven landeten und erst nach dem Mauerfall zu sehen sind. 1998 verfilmt er Manfred Krugs Autobiografie „Abgehauen“, wirkt an der Verfilmung von Erwin Strittmatters Roman „Der Laden“ mit, schreibt für Fernsehserien wie „Liebling Kreuzberg“, schreibt auch Hörspiele, Szenarien und Prosa.

„Er hat viel für die Sprache und Literatur getan“, so Marion Hahn im Bildungsausschuss der Stadt. Schon immer habe sie sich gewünscht, dass die Bibliothek einen Namen erhält. Mit Ulrich Plenzdorf würde man nicht nur einen international renommierten Autor ehren, sondern auch einen Menschen, der in der Region Spuren hinterließ. In Gesprächen habe Plenzdorfs Frau das Vorhaben begrüßt und Unterstützung zugesagt. Sie übergab bereits Bücher an die Seelower Einrichtung, will weitere zur Verfügung stellen.

Als Termin für die würdige Namensgebung ist der Welttag des Buches am 23. April 2011 vorgesehen. Der Schriftsteller Martin Stade, der ebenfalls in Alt Rosenthal lebte und nach der Wende Kulturdezernent der Seelower Kreisverwaltung war, wird aus Plenzdorfs Werken lesen. Der Percussionkünstler Hermann Nehring begleitet ihn.

Im Ausschuss war man sich einig, dass diese Namensvergabe nicht nur Ehre, sondern auch Verpflichtung sein wird. Die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung gilt als sicher.

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