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Martin Gardt 02.09.2010 07:42 Uhr
Red. Beeskow, beeskow-red@moz.de

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Auftritt in der Manege statt im Heim

Beeskow (moz) Das Zirkuszelt besteht bisher nur aus einem Dach. Mit schweren Hammerschlägen befestigen drei junge Männer die letzten riesigen Metallbolzen im Boden. Alles muss sicher sein, wenn heute die ersten Besucher erwartet werden, um Akrobatik, Jongleure und Messerwerfer zu bestaunen.

  Angepackt: Walter Triller baut mit Unterstützung der Zirkusmitarbeiter Benjamin Pfeiffer und Kevin Liske (v. l.) den Eingangsbogen auf dem Bertholdplatz auf. Der Zirkus unterstützt schwer erziehbare Jugendliche auf dem Weg in die Normalität. © Jörn Tornow

Bei den Aufbauarbeiten hilft auch Walter Triller. Der nicht besonders große junge Mann mit kräftigen Oberarmen versucht sich einhändig mit dem Vorschlaghammer. Er zielt kurz daneben und kommt schmerzhaft mit der Hand zwischen Hammer und Bolzen. Auf die Frage, ob es weh getan habe, winkt er nur ab und arbeitet weiter. So sieht Alltag beim Aufbau eines Zirkuszeltes aus.

Der heute 15-Jährige kam im Alter von drei Jahren mit seiner Familie aus Russland nach Hamburg. Dort rutschte er im Großstadtleben ab. Drogen, Alkohol und Flucht von zu Hause bestimmten sein Leben. Die Schule gehörte nicht zu seiner Hauptbeschäftigung, und so griff das Jugendamt ein.

Jetzt sieht man diesen Jungen mit Werkzeug hantieren. Er trägt die schweren Teile für den Aufbau des Zeltes ohne Murren. Christine Zinnecker ist für die Zeit, in der Walter beim Zirkus Alamos ist, Ersatzmutter und Lehrerin in einem. Es sei wichtig, dass er feste Regeln vorgesetzt bekomme. „Walter muss sehr früh aufstehen und bei der Arbeit, wie alle anderen auch, mithelfen.“ Daneben habe er jeden Tag mindestens zwei Stunden Schulunterricht und zeige in Beeskow das erste Mal seine eigene Nummer.

Es sei nicht immer so einfach gewesen. Zur Anfangszeit bricht Walter die Regeln, hockt still im Wohnwagen und schaut den anderen bei der Arbeit zu. „Er konnte und wollte sich anfangs nicht anpassen. Als ihm klar wurde, dass er sich neben der Arbeit ebenso vom gemeinsamen Spaß ausgrenzt, integrierte er sich besser“, schildert Walters Mutter auf Zeit seinen Werdegang.

Der junge Mann sieht sich selbst auf dem richtigen Weg. Er arbeite gerne mit den Tieren und kümmere sich täglich um sie. Die Ziegen, Ponys und Rinder führe er in die Manege.Die Zirkusfamilie sei schon wie seine eigene, und er wolle so lange wie möglich bei ihr bleiben. Sein Auftritt solle ein Clown der Emotionen werden, der die Stimmung ständig und unvermittelt wechselt. Walter selbst ist vor der Premiere in diesen Tagen ziemlich aufgeregt.

Anscheinend erfreut sich das Modell, Kinder mit Problemen im Alltag nicht in Heime zu stecken, größerer Beliebtheit. Christine Zinnecker kenne mehre ähnliche Projekte und habe bereits im letzten Jahr einen Jungen aufgenommen. Aus diesem Grund ist ein Fernsehsender auf den Zirkus aufmerksam geworden und begleitet die Familie in den nächsten drei Tagen während ihres Aufenthalts in Beeskow. Man wolle zeigen, wie sich das Zirkusleben positiv auf Problemkinder auswirken kann und dass sie so ins Leben zurückgeholt werden könnten.

Vor allem erhofft sich Christine Zinnecker aber viele Besucher bei den Vorstellungen in der Kreisstadt. Im Sommer haben ihnen die große Hitze und die Fußball-Weltmeisterschaft zu schaffen gemacht, und so sei richtig gutes Zirkuswetter in nächster Zeit gefragt. Die 16-jährige Tochter Vanessa werde die Besucher mit ihrer Trapeznummer am Dach des Zeltes überzeugen, und ein Jongleur aus der Artistenschule in Berlin zeige mit computergesteuerten Leuchtbällen etwas ganz Neues.

Vorstellungen des Zirkus Alamos: Donnerstag und Freitag, jeweils 17 Uhr, Sonnabend 16 Uhr und Sonntag 14 Uhr, Bertholdplatz, Beeskow

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