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Frank Groneberg 02.09.2010 07:53 Uhr
Red. Eisenhüttenstadt, eisenhuettenstadt-red@moz.de

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Gurrender Besuch aus Polen

Eisenhüttenstadt (moz) Eine Brieftaube aus Polen, die sich offenbar auf dem Heimweg verirrt hatte, landete bei einer Familie in Fürstenberg und nistete sich dort ein. Alle Versuche, den handzahmen Vogel zum Heimflug zu bewegen, scheiterten – er kehrte immer zurück.

  Zahmer Gast: Eva-Maria Müller verabschiedet sich von der Brieftaube. © MOZ/Frank Groneberg

Der Schreck ist groß, als Eva-Maria Müller am Morgen ungewöhnliche Geräusche in ihrem Haus wahrnimmt. Gemeinsam mit ihrem Mann Georg will sie in der Wohnung, die das Paar im Obergeschoss seines Hauses bewohnt, den neuen Tag beginnen. Doch dann kommen diese Laute aus dem Erdgeschoss, werden stärker, brechen ab, beginnen wieder von vorn. Als „Poltern“ beschreibt Eva-Maria Müller später das, was da zu hören ist, „ja, es polterte – gerade so, als wenn jemand durch unsere Gästewohnung stolpert.“ Wirklich erklären kann sie sich die Geräusche nicht. Die Zimmer unten im Haus sind zurzeit nicht bewohnt, ihr Mann und sie waren auch schon zwei, drei Tage nicht mehr in den Räumen. Daran, dass sich vielleicht ein Einbrecher in ihrem Haus rumtreibt, mag sie nicht denken.

Gemeinsam geht das Ehepaar nach unten, öffnet vorsichtig die Eingangstür – da kommt ihnen plötzlich etwas entgegengeflattert. Eine Taube ist es, schlank und wohlgewachsen, mit glänzendem, überwiegend grau gefärbtem Gefieder. Sie fliegt ihnen entgegen, dreht ab, zieht weiter ihre Runden durch das Wohnzimmer. „Wir haben sofort gesehen, dass das keine von diesen wilden Tauben ist“, sagt Eva-Maria Müller. Wie der Vogel in die Gästewohnung gelangte, kann sie nur raten: „Durch das angekippte Fenster eher nicht, vielleicht durch die Tür, die mal kurz offen stand.“

Die Müllers greifen zum Besen, scheuchen die Taube fort. Diese fliegt auf den Hof, steuert die Werkstatt an, verkriecht sich dort. Sie wird aufgescheucht, erneut verjagt – diesmal mit Unterstützung eines sanften Wasserstrahls aus dem Gartenschlauch. „Flieg nach Hause“, ruft Eva-Maria Müller – die Taube ignoriert die Aufforderung. Sie flattert hoch aufs Dach, bleibt dort sitzen, ist am Nachmittag wieder in der Werkstatt, wo sie sich eine Ecke zum neuen Heim erwählt.

Irgendwann traut sich Eva-Maria Müller ran an den Vogel – er fliegt nicht weg. „Ein schönes Tier“, sagt sie, „und es scheint handzahm zu sein.“ Vorsichtig streichelt sie die Taube, die sofort zu gurren anfängt: Sie fühlt sich offensichtlich wohl.

Als Eva-Maria Müller beide Hände nach der Taube ausstreckt, lässt diese sich widerstandslos hochnehmen. Ein Blick auf die Ringe an ihrem linken Fuß verrät: Ihr heimatlicher Schlag befindet sich in Polen. Auf dem Ring steht neben der Staatenkennzeichnung „PL“ eine Registriernummer, mit der Familie Müller aber zunächst wenig anzufangen weiß.

„Man gewöhnt sich ja an so ein Tier, aber behalten wollten wir die Taube nicht, sie macht ja auch viel Dreck“, sagt Eva-Maria Müller. Ihr Mann startet einen neuen Versuch, den Vogel auf den rechten Heimweg zu bringen. Am Sonnabend packt er ihn in eine Tüte, fährt vor die Stadt, lässt ihn fliegen. Als das Ehepaar am Abend vom Besuch des Stadtfestes zurückkehrt, ist auch die Taube wieder da.

„Unser Sohn hat im Internet recherchiert und bekam raus, dass es sich um eine polnische Brieftaube handeln muss“, erzählt Eva-Maria Müller. „Über einen Bekannten in Berlin, der selbst Tauben hat, stellte er Kontakt her zu einem Taubenzüchter in Frankfurt (Oder).“ Dieser nimmt den Vogel schließlich in seine Obhut. Er pflegt enge Beziehungen zu Züchtern in Polen und hofft nun, der Taube zur Rückkehr in ihr wahres Zuhause verhelfen zu können.

Notdienst international für verirrte Brieftauben im Internet: www.internet-taubenschlag.de

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