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Opernintendant Joachim Herz gestorben

Leipzig (moz) Einen sehnlichen Wunsch hatte Regisseur Joachim Herz kurz vor seinem 85. Geburtstag im Juni 2009 formuliert. Dass sich das Musiktheater endlich wieder auf seine beste Traditionen besinnen möge. Einige Regisseure hätten offenbar den Ehrgeiz, möglichst weit abseits der Vorlage zu inszenieren, monierte der Professor: „Manche fühlen sich an nichts gebunden und niemandem verpflichtet. Dabei hat ein Regisseur eine doppelte Verpflichtung – dem Autor und seinem Werk gegenüber, aber auch dem Publikum gegenüber.“

Gestern ist Joachim Herz in Leipzig gestorben. 126 Inszenierungen und Neueinstudierungen von über 60 Opern hat er auf die Bühne gebracht, manche wurden Klassiker. Seine „Butterfly“ an der Welsh National Opera von 1978 wird noch immer alle paar Jahre neu aufgelegt. Der Leipziger „Ring“ aus den 70er-Jahren ließ nicht nur in der Messestadt aufhorchen. Beim Rückblick sprach Herz aber meist über jene Werke, die er nicht in Szene setzte, zum Beispiel Wagners „Rienzi“ oder die „Trojaner“ von Berlioz. Die Liste sei lang. Aber schließlich habe er selbst als Chef den Spielplan nicht nach eigenem Gusto gemacht. „Da ging es um das Ensemble, die Möglichkeiten des Hauses und das Publikum.“

In den letzten Jahren saß Herz nicht mehr am Regiepult – dafür als stets streitbarer Gast in Diskussionsrunden. Da war er noch einmal ganz der „alte Haudegen“. Dass er sich schon früher mit deutlichen Worten einmischte, hat ihm auch Gegenwind beschert. Dennoch galt er bei allen kritischen Tönen nie als Kulturpessimist. „In Zeiten des Kalten Krieges und des politischen wie wirtschaftlichen Auseinanderdriftens der Systeme ist er mit seinen Inszenierungen ein Botschafter kultureller Verständigung gewesen“, würdigte der Dresdner Hochschulprofessor Andreas Baumann Herz zum 85. Geburtstag.

Dresden, Berlin und Leipzig – so heißen die wichtigsten Stationen seines Künstlerlebens. In allen drei Städten hat er studiert und Ämter als Intendant, Operndirektor oder Chefregisseur bekleidet. An der Komischen Oper Berlin wurde er 1976 Nachfolger Walter Felsensteins. Aber auch im Ausland war Herz von Vancouver über Moskau bis Buenos Aires ein gefragter Mann. Als Gastdozent arbeitete er zum Beispiel in Cincinnati, Santa Barbara, Salzburg, München, Göttingen und Lissabon. Das Bolschoi Theater in Moskau und die Komische Oper in Berlin ernannten ihn zum Ehrenmitglied. Zahlreiche Publikationen machten ihn zu einem wichtigen Theoretiker des Musiktheaters.

Inszenierte Opernskandale brachten ihn bis zuletzt in Rage. „Ich empfinde es als Frechheit zu behaupten, die Alternative zum Regietheater wäre ein „Opa“-Theater, bei dem die Sänger nur an der Rampe stehen. Damit wird geleugnet, dass Generationen von Regisseuren packendes Musiktheater geschaffen haben. Da sind die Leute wie in einen Kultfilm mehrmals in die Inszenierungen gegangen. Ich hoffe nur, dass es eine Rückbesinnung gibt“, sagte Herz vor mehr als einem Jahr. Das „Abenteuer Oper“ hat er bis zuletzt erkundet. Nun dreht sich die Opernwelt ohne ihn weiter.

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