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Ines Rath 02.11.2010 18:25 Uhr - Aktualisiert 02.11.2010 18:36 Uhr
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Kreis untersagt 
Bunkerareal-Nutzung

(moz) 5000 Gäste habe er in diesem Jahr auf seinem Gelände gehabt, sagt Heiko Gersdorf. Der Frankfurter hat das Falkenhagener Bunkergelände gepachtet, will hier einen Event-Familienpark aufbauen. Doch daraus dürfte nichts werden, so lange die Rechtslage nicht geklärt ist. Der Kreis will jetzt die weitere Nutzung des Areals untersagen. Die Fronten sind verhärtet, die Nerven liegen blank. Anders lässt sich kaum beschreiben, was sich in der jüngsten Beratung der Falkenhagener Gemeindevertreter abspielte, als es ums Thema „Änderung des Flächennutzungsplanes“ und damit um die Bunkeranlage im Wald ging. Bürgermeister Bernhard Fandrich fragte den anwesenden Pächter des Areals, den Frankfurter Heiko Gersdorf, gerade heraus: „Welche Legitimation haben Sie, für den nicht auffindbaren Eigentümer zu agieren?“ Bei dem Eigentümer handelt es sich um die Gesellschaft für deutsch-russische Freundschaft. Und bei deren Geschäftsführer um den insolventen Voreigentümer des Geländes, der bei der Gemeinde nicht unerheblich in der Kreide steht. Heiko Gersdorfs Versicherung, er habe „volle Handlungsvollmacht“, aber nicht gewusst, dass er diese mitbringen sollte, verlangte den Abgeordneten nur ein müdes Lächeln ab. Schon vor anderthalb Jahren, als der Pächter den Abgeordneten sein Konzept für einen Event-Familienpark vorstellte, hatten Gemeinde und die Amtsverwaltung Seelow-Land darauf aufmerksam gemacht: Nur der Eigentümer oder ein von ihm Bevollmächtigter kann das nötige baurechtliche Verfahren beantragen. Denn das Bunkergelände ist im Flächennutzungsplan der Gemeinde ein weißer Fleck. Es war faktisch keine militärische Liegenschaft mehr, baurechtlich aber auch noch nichts anderes. Erst vor ein paar Tagen ist nun bekannt geworden, dass die Entlassung aus der militärischen Nutzung vereinbart worden ist – in dem 1993 unterschriebenen Übergabeprotokoll zwischen der Sowjetarmee und dem Bundesvermögensamt. Damit wäre eine Voraussetzung erfüllt, den Flächennutzungsplan zu ändern. Nur müssten das der Eigentümer oder sein Bevollmächtigter beantragen. Ein solcher Antrag liegt der Gemeinde bislang nicht vor. „Dabei geht es doch letztlich darum, wer die Kosten für das Verfahren übernimmt“, sagte Bernhard Fandrich in der Debatte im Gemeinderat. Die Änderung eines Flächennutzungsplanes und das Aufstellen eines Bebauungsplanes, wie er für den Eventpark nötig wäre, würde „mehrere Tausend Euro“ kosten, bestätigte der Bauamtsleiter von Seelow-Land, Peter Steinicke, auf Nachfrage. Den Vorwurf von Pächter Heiko Gersdorf, die Gemeindevertreter würden „uns doch gar nicht unterstützen“ und damit eine „Millionen-Investition verhindern“, sahen Abgeordnete und Gäste des Abends als das, was es wohl war: ein Scheingefecht. „Für so ein Projekt braucht die Gemeinde verlässliche Partner. Und alles, was wir bislang mit Herrn Gersdorf erlebt haben, war nicht vertrauensfördernd“, sagt Peter Steinicke dazu. Fakt ist: Bereits im Sommer vorigen Jahres hatte das Bauordnungsamt des Landkreises den Eigentümer des Bunkergeländes aufgefordert, „prüffähige Unterlagen“ für einen nachträglichen Bauantrag einzureichen. Und zwar bis Ende 2009. Passiert ist nichts dergleichen. Nicht nur die Falkenhagener wundern sich angesichts dessen über die Erlaubnis des Ordnungsamtes von Seelow-Land für Veranstaltungen auf dem Gelände. Er habe zu seinen Veranstaltungen in diesem Jahr mehr als 5000 Besucher gehabt, freute sich Heiko Gersdorf vor den Gemeindevertretern. Auf dem Bunkergelände wird Paintball gespielt und dort finden Open-Air-Konzerte statt. Im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens kämen übrigens wohl heikle Fragen zur Sprache: Die nach Altlasten auf dem Bunkergelände zum Beispiel, wo die Nazis Sarin produzieren wollten und die Sowjetarmee einen großen Fuhrpark samt Tanklager betrieb. Und die Frage nach der Sicherheit der maroden Gebäude. Die Gemeindevertreter machten deutlich: Sie glauben niemandem mehr, der nur Luftschlösser baut. Seit 1993 haben die Falkenhagener zu viele schlechte Erfahrungen mit Eigentümern des Bunkergeländes gemacht. Jetzt will der Landkreis dem Spiel ein Ende machen: „Weitere Veranstaltungen wird es nicht geben, bis umweltrechtliche und sicherheitsrelevante Fragen auf dem ehemaligen Militärobjekt geklärt sind“, erklärte der Pressesprecher des Landkreises, Tobias Seyfahrt, auf Nachfrage dazu. Das für die baulichen Anlagen auf dem Gelände zuständige Bauordnungsamt gehe nach der bisherigen Beurteilung von einer „hohen Gefährdung für die Öffentlichkeit“ aus. Daher solle „eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen werden, wenn das Amt diesen Weg mitgeht“, so Seyfahrt. Die Amtsverwaltung Seelow-Land ist dazu jetzt befragt worden. Heiko Gersdorf und seine Begleiter haben die Beratung der Gemeindevertreter übrigens vorzeitig und unter wüstem Schimpfen verlassen.

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