Bernau (moz) Pressesprecherin Cornelia Fülling hat sie selbst schon gesehen, als sie durch den Stadtpark lief. „Die Ratten scheinen sich sich dort ausgesprochen wohlzufühlen und lassen sich auch von Spaziergängern nicht stören“, stellt sie fest. Und munter vermehrt hätten sie sich. So munter, dass die Stadtverwaltung Köder auslegen müsse, um sie zu bekämpfen. Denn die Tiere sind nicht nur eine Gefahr, weil sie Krankheiten übertragen. Sie haben mittlerweile auch Teiche, Wallgräben und Bäume unterhöhlt.
Mehr als 100 Köderstationen sollen deshalb Ende kommender Woche mit dem Gift Frunax®, Wirkstoff Flocoumafen bestückt werden. „Die Stationen werden von einer Fachfirma für Schädlingsbekämpfung in Nähe der Teiche und Wallgräben sowie an den Durchlässen und Kanalisationseingängen bis zum Frühjahr 2011 ausgelegt und regelmäßig kontrolliert“, kündigt Dunja Marx von der Stadtverwaltung an. Die Bekämpfung der Rattenplage jetzt mache Sinn, weil die Ratten im Winter auf Nahrungssuche sind und deshalb die Chancen größer seien, dass sie die vergifteten Köder fressen.
Selbstverständlich werde an den Eingängen der Parkanlagen auf Schildern darauf aufmerksam gemacht. Dennoch haben die Maßnahmen gegen die Nager auch Konsequenzen für die Menschen. „Kinder sind unbedingt von den Köderstationen fernzuhalten, Haustiere an der Leine zu führen“, warnt Dunja Marx.
Sie appelliert an die Besucher der Parkanlagen, die Enten dort nicht zu füttern. Zum einen, weil es zur Verfettung und damit zum vorzeitigen Tod der Enten führt. Zum anderen, weil sich auch die Ratten auf das zusätzliche Futter stürzen.
Bernau ist nicht die einzige Stadt, die ein Problem mit Ratten hat. Die Nachbarstadt Berlin klagt bereits seit Jahren über eine Plage. Vor knapp einem Jahr entzweiten sich die Liberalen der Hauptstadt beinahe bei der Frage, wie die zähen, unerwünschten Nager am wirkungsvollsten zu bekämpfen seien. Der FDP-Chef von Mitte, Henner Schmidt, hatte vorgeschlagen, dass „Leute, die sonst Flaschen sammeln, für jede tote Ratte einen Euro bekommen könnten“.
Auch in Brandenburg erwischt es regelmäßig die eine oder andere Kommune. Erst im Januar waren an einem Bollwerk in Schwedt vermehrt Ratten gesichtet worden. Im Sommer des vergangenen Jahres litt Frankfurt (Oder) unter den unliebsamen Nagern. Dort war mit Hansa-Nord gleich ein ganzes Wohnviertel betroffen. Ein paar Monate zuvor, im November 2008, herrschte in Storkow (Oder-Spree) Alarm. Der Bestand an Ratten hatte so dramatisch zugenommen, dass die Tiere am hellichten Tag über die Straßen in der Innenstadt flitzen. „Ratten sind eigentlich nur nachts und in der Dämmerung aktiv“, sagte Schädlingsbekämpferin Katrin Kranich damals. „Wenn die Tiere auch tagsüber gesichtet werden, ist das immer ein Beweis für ein großes Aufkommen.“
Ratten sind Meister der Fortpflanzung. Ein Rattenpärchen bekommt pro Jahr an die 800 Kinder und Enkel.
Die Park- und Wallanlagen von Bernau sind offenbar bevorzugtes Domizil von Ratten geworden. Sie unterhöhlen Teiche, Wallgräben und Bäume. Mittlerweile ist die Plage so massiv, dass die Stadtverwaltung Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung ergreifen muss. In der kommenden Woche sollen mehr als 100 Köderstationen mit Gift bestückt werden, kündigte das Rathaus am Freitag in einer Pressemitteilung an.
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