Seelow . 842 Mitarbeiter sind den einzelnen Ämtern der Kreisverwaltung beschäftigt. Zum größten Teil erledigen sie vom Gesetz vorgeschriebene Aufgaben. MOZ blickt in loser Folge hinter die Kulissen. Heute: Adoptionsvermittlungsstelle im Fachdienst Sozialpädagogische Dienst im Jugendamt.
Das Ganze scheint nur eine Formsache zu sein. Seit das kleine Mädchen sechs Monate alt war, lebt der neue Papa in der Familie. Er sieht Mira, mittlerweile acht Jahre alt, ganz normal als seine Tochter. Um das jetzt auch rechtlich ganz klar zu machen, entschließen sich die Eltern, dass der neue Papa die Kleine adoptiert. Was so einfach allerdings keinesfalls möglich ist.
Zwei Mitarbeiterinnen arbeiten im Fachdienst unter Leitung von Marita Frömming in der Adoptionsvermittlungsstelle. Für ein Adoptionsverfahren gibt es gesetzlich vorgeschriebene Regelungen. Grundlage bilden dabei das Adoptionsvermittlungsgesetz und das Bürgerliche Gesetzbuch. Es gibt eine einheitliche Verfahrensweise, egal, ob es sich um eine Fremdadoption oder wie im geschilderten Fall um die Adoption eines Stiefkindes handelt. Grundsatz ist immer, dass die Freigabe eines Kindes zur Adoption freiwillig erfolgen muss. Sowohl bei einer Fremdadoption als auch bei Stiefkindadoptionen müssen also der leibliche Vater und/oder die leibliche Mutter vor einem Notar die Freigabe des Kindes unterzeichnen. Auf zehn Bewerber kommt derzeit nach statistischen Erhebungen in der Bundesrepublik ein zur Adoption frei gegebenes Kind. In der Regel geht es um Säuglinge. Ältere Kinder werden selten vermittelt, obwohl es auch dafür Bewerber gibt.
Eine Adoption ist ein langwieriges und aufwändiges Verfahren und so manche Bewerber melden sich nach dem ersten Informationsgespräch nicht wieder. "Adoption ist etwas ganz Besonderes, sowohl für das betreffende Kind als auch die Eltern. Und sie ist unumkehrbar", macht Marita Frömming deutlich. Beim ersten Beratungstermin im Jugendamt werden Bewerber über alle rechtlichen Details, Folgen und zu erwartende Überprüfungen aufgeklärt.
Offenheit im Verfahren ist das A und O. Bewerber erfahren zum Beispiel, dass es verschiedene Formen der Adoption gibt. Da wäre die Inkognitoadoption. Das heißt, die abgebende Mutter erfährt nicht, wer ihr Kind aufnimmt. Sehr wohl aber kann sie Entwicklungsberichte und sogar Fotos über die Vermittlungsstelle erhalten, wenn sie es wünscht. Hier verschmelzen mitunter die Grenzen zur halboffenen Adoption, wo dies üblich ist und sogar bis zum Briefwechsel reichen kann. Bei einer offenen Adoption kennen sich die Beteiligten. Das kann sein, wenn ein Kind in einer Pflegefamilie lebt und irgendwann die Entscheidung reift, es adoptieren zu wollen. Oder in Todesfällen, wenn Verwandte Kinder annehmen möchten.
"Jeder Fall ist eine Einzelentscheidung", stellt Marita Frömming klar. Es gebe kein Muster, weil jedes Kind seine eigene Biografie habe. Die Behörde suche nicht für Eltern ein Kind, sondern vielmehr für ein Kind die passenden Eltern. Es gehe dabei nicht nur um die soziale und finanzielle Situation der Adoptiveltern, sondern um deren gesamte Persönlichkeit, ihre Fähigkeit, den künftigen möglichen Belastungen stand zu halten.
Im Unterschied zu früheren Adoptionen werden heute so viele Fakten und Unterlagen zusammen getragen wie möglich. Vor allem für das heranwachsende Kind. Es hat das Recht, später zu erfahren, woher es kommt, warum eine Mutter in Krisensituationen einst ihr Kind weggab.
"Wurzelsuche" nennen die Mitarbeiter das Verlangen Adoptierter, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Damit haben die Mitarbeiter im Jugendamt sehr häufig zu tun. Mindestens 60 Jahre werden Vermittlungsakten im Kreisarchiv aufbewahrt. Wer sich heute für die Adoption eines Kindes entschließt, geht damit auch die Verpflichtung ein, mit dem Kind darüber zu sprechen, dass es eine besondere Geschichte mit zwei Eltern hat. Die beiden Mitarbeiterinnen müssen viel Feingefühl, Geduld und Menschenkenntnis an den Tag legen, um die ganze Tragweite deutlich zu machen. Vor allem durch vielfältige Gespräche werde den Bewerbern deutlich, welche Verantwortung sie übernehmen, so die Jugendamtsmitarbeiterin.
Wer das Prozedere durchsteht und dennoch an seinem Adoptionswunsch festhält, der braucht im weiteren Verlauf eine gehörige Portion Geduld. Keine Behörde weiß, wann wo ein Kind da sein wird, das als zur Familie passend gesehen wird. Selbst, wenn Mütter nach der Entbindung in Krankenhäusern ihren Willen bekunden, ihr Kind freigeben zu wollen und dann sehr schnell eine Bewerberfamilie gefunden ist, bleibt die Adoption ein weiter Weg. Der Gesetzgeber hat Eltern eine Widerrufsfrist von acht Wochen nach der Geburt eingeräumt. Erst mit dem Zugang der notariellen Einwilligungserklärung der leiblichen Eltern beim Vormundschaftsgericht ist die rechtliche Grundlage für die Adoption frei.
Mindestens ein Jahr beträgt dann die Adoptionspflegezeit bei Säuglingen. Bei älteren Kindern ist sie sogar noch länger. Erst, wenn das Gericht auf der Grundlage einer gutachtlichen Stellungnahme der Adoptionsvermittlungsstelle die Adoption bestätigt, ist sie letztlich auch vollzogen.
l Adoption (vom lateinischen Wort adoptio) oder Annahme an Kindes statt (in Deutschland nunmehr Annahme als Kind genannt) ist die rechtliche Begründung eines Eltern-Kind-Verhältnisses zwischen dem Annehmenden und dem Kind ohne Rücksicht auf die biologische Abstammung.
l Mit adoptierten Kindern dürfen Pflegekinder nicht verwechselt werden.
l Der Adoption eines Kindes müssen die Eltern zustimmen. Sie kann von den Eltern frühestens acht Wochen nach der Geburt des Kindes erteilt werden. Nur bei grober Verletzung der elterlichen Pflichten kann das Vormundschaftsgericht die fehlende Einwilligung durch Beschluss ersetzen.
l Die Zustimmungserklärungen sowie der Adoptionsantrag selbst müssen bei einem Notar beurkundet werden.
Infos und Nachfragen beim Jugendamt des Landkreises Märkisch-Oderland, Tel. 03341 354944 oder 03344 46712, Sprechzeiten Dienstag, 9 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr und Freitags von 9 bis 12 Uhr.
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22.05.2012 15:11:18 Maximilian
Anmerkung
22.05.2012 15:04:46 Frank
Verteufelung der Person Sarrazins
22.05.2012 14:50:00 Max Drews
Wenn man sich's leisten kann
22.05.2012 14:19:22 Silvio R.
Und wo liegt das Problem?
22.05.2012 14:10:20 zombie1969
Schon...