Eisenhüttenstadt . Für eine Fortführung des Stadtumbaus haben am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der SPD-Landtagsfraktion auf der Kleinen Bühne sowohl Vertreter der Stadt als auch Infrastrukturminister Reinhold Dellmann plädiert. Dellmann betonte, dass der Abriss von Wohnungen längst kein spezifisches Problem des Ostens mehr sei.
Minister Reinhold Dellmann (links) ³bereicht F÷rdermitelbescheid f³r den Innenausbau /Innensanierung des Friedrich-Wolf-Theaters in der Lindenallee in Eisenh³ttenstadt. Mita dabei BM rainer Werner, Friwo-Leiterin Isabel Dobisch-D÷hmer und Wolfgang Perske.
Gäbe es das Programm Stadtumbau Ost nicht, würde der Wohnungsleerstand allein bei der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft (GeWi) nach Berechnungen ihrer Geschäftsführerin Simone Irmer etwa 43 Prozent betragen - schon 15 Prozent Leerstand werden allgemein als existenzgefährdend für eine Wohnungsgesellschaft angesehen. Demnach schlittert die GeWi auch jetzt auf der Grenze zwischen wirtschaftlichem Leben und Tod, denn allein durch den Stadtumbau gelang es, die Quote auf jetzt rund 24 Prozent Leerstand zu senken.
Bei all dem werden die Köpfe der Arbeitsgruppe Stadtumbau immer wieder von der Realität eingeholt: Schneller als prognostiziert sinkt die Einwohnerzahl, die Ende vergangenen Jahres 33 116 betrug und bis zum Jahr 2015 auf maximal 27 500 abrutschen könnte. "Dabei sind mögliche Ansiedlungen nicht berücksichtigt", sagt Wolfgang Perske, Geschäftsbereichsleiter Stadtmanagement und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Stadtumbau.
Perske versucht, das zögernde Zurückgehen der Leerstandsquote in Eisenhüttenstadt, die in beiden großen Wohnungsunternehmen - GeWi und EWG - bei derzeit 18,88 Prozent liegt, auch mit demographischen Argumenten zu entschuldigen: Im Jahr 1990 sei in Eisenhüttenstadt die Zahl der Geburten letztmalig höher als die der Verstorbenen gewesen. Die Menschen würden der Arbeit wegen in andere Regionen oder zum Bauen ins Umland ziehen bzw. ihren Kindern folgen und Eisenhüttenstadt in Zeitlupentempo entvölkern. Obwohl sich "der Industriestandort zu einem Innovationszentrum" entwickelt und die Kommune weitere Potenziale in sich entdeckt wie das Wohnen im Grünen.
Nichts täuscht darüber hinweg, dass 20 000 Menschen in den zurückliegenden Jahrzehnten die Stadt verlassen haben und Eisenhüttenstadt rein statistisch mit Wohnungen überversorgt war. Bis zum Jahr 2010 werden 5050 Wohnungen von der Bildfläche verschwunden sein. Bis 2015 sollen es sogar 6250 sein, wenn auch die Finanzierung für den Abriss gesichert ist. Die GeWi-Geschäftsführerin fordert deshalb die Fortsetzung der Förderung sowie die Kappung der Altschulden, die die Wohnungsunternehmen belasten. "Wenn der Stadtumbau nicht weitergeht, würde der Leerstand wieder ansteigen - mit allen Konsequenzen für Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften", stellte Brandenburgs Minister für Infrastruktur und Raumordnung, Reinhold Dellmann fest. Die EWG kostet jede leerstehende Wohnung pro Monat einen Euro je Quadratmeter. "Deshalb müssen wir den Abriss auf hohem Niveau fortführen", fordert Dellmann, der den Einwohnerrückgang als ein Problem in ganz Europa bezeichnet.
Doch der Abriss wird, je näher die Bagger zum Stadtzentrum vorrücken, immer teurer. "Der einfache Abriss ist vorbei", sagt Verena Rühr-Bach. Der Rückbau, so die Vorstandsvorsitzende der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft, führe inzwischen sogar dazu, dass "wir bestimmte Wunschwohnungen gar nicht mehr bereitstellen können."
"Erst sanieren, dann umziehen und danach abreißen", so beschreibt GeWi-Geschäftsführerin Simone Irmer das Vorgehen ihrer Gesellschaft. Neben dem Abriss läuft bei der GeWi im nunmehr dritten Bauabschnitt ein Investitionsprogramm von mehr als 70 Millionen Euro, in dem bis Mitte des kommenden Jahrzehnts 1535 Wohnungen im denkmalgeschützten Bereich saniert werden - das sind 85 Prozent. Durch Kompromisse mit den Denkmalschützern ist es zudem möglich, bis Ende der Komplexsanierung bis zu 400 Wohnungen zusätzlich mit Balkonen auszustatten.
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