Berlin (moz) Vor 20 Jahren empfahl eine Gruppe von Wissenschaftlern, Politikern und Wirtschaftsexperten, aus Adlershof einen Technologiepark zu machen. Heute gilt der Standort als Musterbeispiel für ganz Berlin.
Strahlender Sonnenschein lag gestern über den energetisch sanierten Gebäuden von Adlershof. Das schöne Wetter passte perfekt zu den positiven Zahlen, die das Management des Wissenschafts- und Technologieparks zu verkünden hatte. „Wir haben die Folgen der Wirtschaftskrise überwunden, und das eindrucksvoller, als dies noch vor kurzem zu erwarten war“, freute sich Hardy Rudolf Schmitz, Geschäftsführer der Wista-Management GmbH, über den „fantastischen Umsatzzuwachs“.
So konnte das Jahr 2010 mit einem Wirtschaftsvolumen von über zwei Milliarden Euro abgeschlossen werden, 15,6 Prozent mehr als 2009. Laut Schmitz waren Ende 2010 auf dem Areal 883 Unternehmen angesiedelt. In diesen arbeiteten 14 110 Beschäftigte. Zusätzlich waren in Adlershof rund 7 900 Studenten an den Fakultäten der Humboldt-Universität (HU) eingeschrieben, die ebenfalls mit sechs naturwissenschaftlichen Instituten im Berliner Südosten vertreten ist. Allein im Wissenschafts- und Technologiebereich wurde gegenüber 2009 ein Umsatzzuwachs von 16,9 Prozent auf rund 580 Millionen Euro registriert, sagte Schmitz. Auch die Medienstadt habe ihre Umsätze leicht gesteigert, wenngleich in diesem Bereich die Zahl der Mitarbeiter und Auszubildenden gesunken sei. Dort habe sich vor allem der Weggang von Sat.1 aus Berlin bemerkbar gemacht.
Besonders boomen Sparten wie Optik, Lasertechnik, Photonik und Material- und Microsystemtechnologie. Von den neuen Gründern, von denen viele HU-Absolventen sind, kommen besonders viele aus dem Informatikbereich.
Die fruchtbare Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft lobte gestern auch die Staatssekretärin für Wirtschaft, Almuth Hartwig-Tiedt. „Adlershof ist einzigartig und will Vorbild sein für die Entwicklung des Tempelhofer Feldes und des Flughafens Tegel nach seiner Schließung.“ Auch bei dem Ausbau des Wissenschafts-Campus in Charlottenburg lerne man aus den Erfahrungen von Adlershof, so Hartwig-Tiedt.
Seit 1991 wächst in Adlershof eines der größten Projekte des Aufbaus Ost. Dort, wo in den 30er Jahren die Luftfahrtforschung begann und zu DDR-Zeiten der größte naturwissenschaftliche Standort der Akademie der Wissenschaften war, wurden nach der Wende moderne Fachzentren errichtet. Diese lockten wiederum innovative Firmen an. Das Gros der Bauvorhaben wurde damals noch durch die EU finanziert.
Heute werden in Adlershof nicht nur der Verkehr, sondern auch Planeten erforscht, Nanotechnologie und Röntgenoptiken für die Astrophysik entwickelt. Der Wissenschaftspark mit seinen elf außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie 400 kleinen und mittleren Unternehmen gilt mittlerweile als größter Forschungsstandort in Deutschland. Die staatlich geförderte Wissenschaft sei auch heute noch eine wichtige Basis, sagte Schmitz. „Doch zwei Drittel der Wirtschaftskraft kommen inzwischen aus Unternehmen, zwei Drittel aller Investitionen aus privaten Quellen“, erklärte der Wista-Chef.
Einziger Wehrmutstropfen: die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Zwar soll ab September endlich die Straßenbahn durch Adlershof fahren. Doch ein großes Problem sei das anhaltende S-Bahn-Chaos. „Seit die Takte ausgedünnt wurden, fahren die S85 und die S44 nicht mehr nach Adlershof. Das ist ein unhaltbarer Zustand, den wir uns so nicht mehr lange bieten lassen können“, ärgerte sich Schmitz. Schließlich kämen 44,5 Prozent der Arbeitnehmer mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Adlershof. Und die HU-Studenten seien darauf angewiesen, auch ihre Vorlesungen in Mitte pünktlich zu erreichen. „Ich will das S-Bahn-Problem nicht irgendwann als Standortnachteil kommunizieren müssen“, meinte Schmitz.
Doch vielleicht hat der eine oder andere Arbeitnehmer bald keine lange Anreise mehr zu bewältigen. Auf einem 14 Hektar großen Gelände am Großberliner Damm sollen in den kommenden Jahren etwa 900 Wohnungen entstehen, kündigte Walter Leibl von der Adlershofer Projekt GmbH an. Außerdem laufen Gespräche mit der Bahn, die Brachfläche des Betriebsbahnhofs Oberschöneweide zu vermarkten. „Alleine dort könnten 3000 neue Arbeitsplätze entstehen“, glaubt Leibl. Überhaupt gebe es in Adlershof und Johannisthal noch rund 100 Hektar Fläche, die in den nächsten Jahren erschlossen werden könnte. Genug Potenzial für weiteres Wachstum.
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22.05.2012 15:25:55 Rainer Trostmann
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Anmerkung
22.05.2012 15:04:46 Frank
Verteufelung der Person Sarrazins