(moz) Slubice Eine dreitägige Konferenz zum deutsch-polnischen Kulturerbe fand in der vergangenen Woche am Collegium Polonicum in Slubice statt. Sie widmete sich erstmals dem denkmalpflegerischen Engagement von Bürgerinitiativen in Westpolen.
Der Masterstudiengang „Schutz europäischer Kulturgüter“ an der Viadrina lud in der vergangenen Woche Akteure des Denkmalschutzes und interessierte Bürger ein, um sich über ihre Erfahrungen sowie aktuelle Trends und Chancen zum deutsch-polnischen Kulturerbe in Polen auszutauschen.
In den heutigen polnischen Gebieten gibt es vielerorts noch immer Baudenkmäler, die aus Zeiten deutscher Besiedlung stammen. Sie sind stumme Zeugen der deutschen Ortsgeschichte und gehören zum gemeinsamen Kulturerbe. Nicht nur deutsche Denkmalschützer wollen dieses Erbe unbedingt erhalten. Es zeigt sich, dass auch die polnische Bevölkerung die Denkmäler deutschen Ursprungs zu schätzen wissen. Im Laufe der Zeit haben sich denkmalpflegerisch engagierte Bürgerinitiativen in Polen gebildet. Diese nichtstaatlichen Organisationen kämpfen für den Erhalt dieser Baudenkmäler in Westpolen und betrachten sie als gemeinsames kulturelles Erbe. In vielen Orten Westpolens entdecken, hieß es auf der Konferenz, polnische Bürger deutsche Ortsgeschichte. Während jedoch der sprachliche Zugang zum deutschen Kulturerbe ein Problem sei, spielten die visuell leicht erkennbaren Baudenkmale eine immens wichtige Rolle als „Vermittler“.
Doch ungeklärte Eigentumsverhältnisse sowie profitorientierte Immobilienspekulationen erschweren nicht nur die Arbeitsbedingungen der Bürgerinitiativen. Auch auf staatlicher Ebene ist das Handeln dadurch eingeschränkt. Mit dieser Problematik setzten sich die 130 Konferenzteilnehmer aus Kultur, Wissenschaft, Politik sowie Vertreter der Bürgerinitiativen auseinander und tauschten Erfahrungen aus. Felix Ackermann vom Institut für angewandte Geschichte an der Europa-Universität Viadrina verdeutlichte die Schwierigkeit, deutsche Kulturgüter in Polen zu erhalten anhand der Rettungsaktion des Kinos Piast in Słubice. Das Institut, das sich der Förderung des grenzüberschreitenden europäischen Dialogs verschrieben hat, verhinderte 2009 den Abriss des geschichtsträchtigen Hauses. Der 1925 als Filmpalast erbaute und zwischenzeitlich als Restaurant genutzte Bau gehört zum „einmaligen Slubicer und Frankfurter Kulturerbe und bewahrt die Erinnerungen von Frankfurtern und Słubicern gleichermaßen“, sagt Ackermann. Als 2008 der Abriss aufgrund des starken Schimmelbefalls drohte, protestierte das Institut und initiierte eine öffentliche Debatte auf deutscher und polnischer Seite. Durch diesen Einsatz erreichten die Akteure, dass die Fassade des alten Kinos ins Denkmalregister aufgenommen wurde und verhinderten zunächst den Abriss. Doch da das Haus in privater Hand liegt und das Institut weder Investoren noch ein Neunutzungskonzept derzeit vorlegen kann, sind weitere Rettungsmaßnahmen sehr schwierig.
„Es ist keine Erfolgsgeschichte des deutsch-polnischen Denkmalschutzes, denn was aus dem Kino wird, ist weiterhin offen“, sagt Ackermann. Aber es zeigt, dass sich Menschen beiderseits der Oder für ihr gemeinsames kulturelles Erbe engagieren und es wertschätzt. Somit konnte der gemeinsame Denkmalschutz dennoch in jedem Fall aber einen wesentlichen Beitrag zur deutsch-polnischen Völkerverständigung leisten.
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