Groß Schönebeck (moz) So vielseitig wie der Barnim sind auch seine Menschen. In unserer Serie wollen wir Gesichter des Barnim vorstellen. Bekannte und unbekannte – aber alle haben sie interessante Geschichten zu erzählen. Heute: Imke Heyter.
Fast wie in freier Natur: Im Wildpark Schorfheide haben auch die Koniks, eine alte osteuropäische Pferderasse, viel Platz. Ob Luchse, Elche oder Wölfe – Park-Chefin Imke Heyter ist es wichtig, die ursprünglichen Lebensräume der Tiere zu erhalten.
„Wolfsmutter“ wird sie gerne mal genannt oder „die mit dem Wolf tanzt“. Doch Imke Heyter hat viele Lieblingstiere. Und im Wildpark packt die Geschäftsführerin selbst jeden Tag mit an. „Entweder Du lebst es oder Du lässt es“, sagt die 38-jährige Groß Schönebeckerin.
„Kommt alle meine Wölfe“ – der Lockruf ist mittlerweile legendär. Imke Heyter benutzt ihn, wenn sie frisches Fleisch für die zwei Wolfsrudel im Eimer hat. Die Bilder der „Wolfsmutter“, die, wenn es nottut, nachts alle vier Stunden hungrige Wolfswelpen mit Hundemilch füttert, haben die Runde durch ziemlich alle Medien gemacht. Und wenn irgendwo in Brandenburg ein Wolf auftaucht, ist nicht selten Imke Heyter als Expertin gefragt.
So dicke wie mit den graufelligen Raubtieren ist die 38-Jährige aber auch mit den anderen 24 Wild- und Haustierarten, die in Groß Schönebeck wieder heimisch geworden sind. Überhaupt – sich in der Natur aufgehoben fühlen, glaubt die Wildparkchefin, entspricht dem tiefsten Sehnen eines jeden Menschen. „Der eine weiß es schon, der andere noch nicht“, sagt sie.
Bei Imke Heyter hat es mit Pferden angefangen, „seit ich laufen konnte“. Aufgehört nie. Wenn sie frühmorgens in den Wildpark komme, erklärt sie wortstark, „haut der mich regelmäßig um“. Dabei zog es die gebürtige Eberswalderin, die in Niederfinow aufgewachsen ist, nach dem Abi 1990 erst einmal in den Westen des Landes. Dort studierte sie nicht nur Tourismus, sondern merkte auch, „wie schön Brandenburg ist“.
Eine Lehre als Reiseverkehrskauffrau noch zu Ende. Danach stieg sie in den Betrieb des Vaters ein. Denn der, sagt sie heute bewundernd, „war eigentlich der Visionär“. Im Auftrag der Biosphäre hatte Frank Heyter ein Konzept für Gut Sarnow entwickelt. Womöglich wäre seine Idee in der Schublade geblieben, hätte er sie nicht selbst umgesetzt. Mit vollem Risiko ging er in Groß Schönebeck an das Projekt, erinnert sich Imke Heyter. Das private Gründungskapital von vier Gesellschaftern reichte für die ersten Tiere und Zäune. „Wir wissen heute nicht mehr, wie wir’s gemacht haben, ohne Geld.“ Viel zu große Gehege für viel zu wenig Tiere, hieß es damals oft. „Da waren wir ja die Verrückten“, sagt sie augenzwinkernd.
Ganz unlieb scheint ihr der Ruf indes nicht zu sein. Auch ihr Haus in Groß Schönebeck, wo sie seit fast 15 Jahren lebt, fällt auf. Die frühere Schmiede gegenüber dem Jugendklub hat sie knallrot angestrichen. Im Garten steht ein Tipi, in dem Feuer gemacht werden kann. Da, wo selbst Linda, die dicke Linde, einen Namen hat, darf gern alles ein bisschen anders als anderswo sein. Dort findet die 38-Jährige auch ihren Gegenpol zur Arbeit – beim Malen, Kräutersammeln und Salbekochen.
Ohne Tiere ginge es freilich auch daheim nicht. Zur Familie – Imke Heyter ist „glücklich liiert“, seit 17 Jahren, und hat eine neunjährige Tochter – gehören auch ein Kater und der französische Hütehund Wusel, der im Wildpark oft an ihrer Seite zu sehen ist. Die Anfänge dort erlebte Heyter als Betriebsassistentin mit. Als ihr Vater vor sieben Jahren in den Ruhestand ging, übernahm sie den Chef-Posten. Auch die schlaflosen Nächte und Zeiten, in denen sie sich selbst keinen Lohn zahlen kann, hat Imke Heyter seither kennengelernt. „Wir sind eben sehr wetterabhängig. Den Hänger gibt es jedes Jahr im Winter“, sagt sie. Dass mittlerweile zehn feste Angestellte, zwei Azubis und zwei Freiwillige im Ökojahr mitarbeiten, macht die Geschäftsführerin daher ähnlich stolz wie die stabilen Besucherzahlen – jährlich kommen 90 000 bis 100 000 in den Wildpark. „So etwas geht wirklich nur im Team, wenn jeder sein Klavier spielt.“
Man müsse sich schon klar machen, dass man mit dem Beruf verheiratet ist, meint die 38-Jährige, die diese Liaison selbst um keinen Preis tauschen würde. Zumal sie noch längst nicht ausgereizt ist. „Ich träume seit längerem von einem Gehege für zwei Braunbären“, sagt Imke Heyter. Die Suche nach potentiellen Förderungen hat schon begonnen.
Seinen 15. Geburtstag feiert der Wildpark über Ostern; Informationen zum Programm: www.wildpark-schorfheide.de
Die kleinen Wollschweine haben den Anfang gemacht. Dann kamen im Wildpark Schorfheide auch schon die kleinen Skudden. " Die Osterlämmer sind schon ... mehr
Paarlauf im Luchsgehege Luna lebt seit zwei Wochen an Lughs Seite / Polnischer Nationalpark hofft auf Nachwuchs aus Schorfheider Wildpark Sein Bruder ... mehr
Kletterwald vorm Wildpark Schorfheide eröffnet / Lange Wolfsnacht am Freitag Am Wildpark in Groß Schönebeck ist am Mittwoch der Kletterwald Schorfheide... mehr

Neueste Kommentare
22.05.2012 15:32:57 maja
@ vera
22.05.2012 15:28:35 T.Loens
In einer Stadt, die sich ausschließlich über ein Stadtfest definiert, läuf...
22.05.2012 15:25:55 Rainer Trostmann
Finsterster Urwald
22.05.2012 15:24:11 saufkopp
Freibier für alle!
22.05.2012 15:11:18 Maximilian
Anmerkung