Eberswalde/Berlin (moz) Der Datenklau an Geldautomaten hat bundesweit drastisch zugenommen. Allein bei EC-Karten verursachten Betrüger im vorigen Jahr einen Schaden von 60 Millionen Euro. Das waren 20 Millionen Euro mehr als noch 2009, wie das Bundeskriminalamt (BKA) gestern in Berlin mitteilte.
Ein Mitarbeiter der Sparkasse Koblenz demonstriert am 27.02.2008 an einem Geldautomaten die "Skimming"- Technik mit der Kriminelle EC-Kartenbesitzer betrügen.
Auch in Brandenburg wurden im vergangenen Jahr mehr Fälle von manipulierten Geldautomaten registriert. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) in Eberswalde wurden bis Ende September 43 Fälle bekannt – eine Gesamtzahl für 2010 liegt allerdings noch nicht vor. Der Schaden beläuft sich auf über 600 000 Euro. „Auch in diesem Jahr zeichnet sich ein weiterer Anstieg ab“, sagte ein LKA-Sprecher.
Die Täter kommen nach Erkenntnissen der Polizei zumeist aus Rumänien und Bulgarien. Sie rücken den Geldautomaten mit Minikameras, Mikrofonen und Tastaturattrappen zuleibe, die für den normalen Bankkunden so gut wie nicht zu erkennen sind. Bei dieser Masche sprechen Ermittler von „Skimming“. Die ausspionierten Kartendaten und Geheimzahlen übertragen die Betrüger auf Kartenrohlinge mit Magnetstreifen. Mit diesen „White Plastics“ wird dann im Ausland Geld abgehoben, laut Bundeskriminalamt zunehmend in Südafrika, Kenia, den USA, Kanada und der Dominikanischen Republik.
Die Zahl der registrierten Angriffe auf Geldautomaten stieg bundesweit derweil um mehr als die Hälfte auf 3183 Fälle. Nach Angaben von BKA-Präsident Jörg Ziercke wurden etwa 190 000 Kunden Opfer von Skimming-Delikten. Im März seien erstmals in Deutschland auch Fälle bekanntgeworden, bei denen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn manipuliert und Kartendaten samt Geheimzahl gestohlen wurden.
Ziercke sagte weiter, auch der Diebstahl von Kreditkartendaten im Internet habe zugenommen. So sei in Spanien ein Rechner gehackt worden, der Daten zwischen Restaurants und den Banken verwaltet habe. Davon seien auch 300 000 Kunden in Deutschland bei Mastercard und Visa potenziell betroffen gewesen. Es sei aber kein Schaden entstanden, weil die Behörden schnell reagiert hätten. Eine weitere Betrugsmasche ist das sogenannte „Cash Trapping“. Bei dieser Methode bringen Täter eine baugleiche Attrappe über der Geldausgabe an und verhindern auf diese Weise den Zugriff auf die Geldscheine. Diese bleiben an einem Klebestreifen an der Rückseite der Vorrichtung hängen.
Wegen der Umstellung auf Chiptechnik erwarten Behörden und Kreditwirtschaft künftig aber einen Rückgang der Kartenkriminalität. Bereits in den ersten vier Monaten 2011 sei die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent gesunken, sagte der Geschäftsführer von Euro Kartensysteme, Hans-Werner Niklasch.
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