Potsdam (DPA) . Immer mehr Brandenburger haben Lust zum Wandern. Dazu wird ihnen auch allerhand geboten. Touristisch vermarktet werden meist Natur und Kultur. Sogar der Jacobsweg erlebt in der Mark eine Renaissance.
Wandern wird in Brandenburg immer populärer. Etwa 70 Prozent der Gäste zwischen Uckermark, Ruppiner Land, Seenland Oder-Spree, Fläming und Niederlausitz verleben einen naturnahen Urlaub, wie die TMB Tourismus Marketing Brandenburg GmbH in einer dpa-Umfrage einschätzte. Wandern kommt bisher bei den Gästezahlen hinter Radfahren und Baden auf Platz 3, Tendenz steigend.
„Das Thema Wandern liegt in der neuen Landestourismuskonzeption 2011-2015 auf Platz 1“, sagte die TMB-Sprecherin Birgit Kunkel. Eine Vielzahl von Wanderungen wird zum Naturschutz angeboten. Dabei erfahren die Teilnehmer zum Beispiel, wie das Ökosystem Wald funktioniert oder welche Heilpflanzen in der Region wachsen. Auf Wanderstrecken im ehemaligen Braunkohletagebau Welzow-Süd (Spree-Neiße) können die Besucher sehen, wie sich die rekultivierte Landschaft von den Wunden der Kohlebagger erholt.
Wegen der steigenden Nachfrage von Wanderlustigen soll das Angebot in Brandenburg ausgebaut werden, kündigte die TMB an. Das wird die Wanderer aus ganz Deutschland freuen, wenn sie im kommenden Jahr zum 112. Deutschen Wandertag in den Fläming kommen. „Wir rechnen für die Tage vom 20. bis 25. Juni nächsten Jahres mit 35 000 bis 50 000 Teilnehmern“, erzählte der Projektmanager Traugott Heinemann-Grüder. Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fläming sprach von etwa 1000 Veranstaltungen, die in der Region geplant werden: davon ein Drittel Wanderungen durch den hügeligen Fläming.
Bereits jetzt bereiten sich etwa 500 Akteuren auf das Großereignis in den beiden Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming vor. „Unser Ziel ist es, im Fläming ein wandertouristisches Standbein aufzubauen“, erzählte Heinemann-Grüder. „Wandern hat in Brandenburg etwa seit 15 Jahren eine Dynamik entfaltet, auch wenn der Organisationsgrad nicht so hoch ist wie etwa in Sachsen oder Thüringen.“ In Brandenburg sind nach Angaben des Sportministeriums ungefähr 1600 Wandersportler in Vereinen organisiert.
Zurzeit machen die TMB und ihre Partner mit der Kampagne „Safari Marke Brandenburg“ auf die naturtouristischen Angebote im Land aufmerksam. „Wir wollen die Naturräume und ihre Erlebbarkeit noch bekannter machen“, erläuterte Kunkel. So gebe es Wandern mit Tieren wie Lamas, Esel, Pferde und Huskies sowie Exkursionen zur Naturbeobachtung, aber auch Gesundheitsangebote wie Yoga-Walking oder Barfußwandern. Brandenburg hat offiziell ein 1300 Kilometer langes Wanderwegenetz, doch Wandern kann man eigentlich überall.
Gefragt sind auch Touren am Wasser, durch Naturschutzgebiete wie im Spreewald und Kombinationen mit anderen Themen. Als attraktiv gilt zum Beispiel „Der Doppelte Boitzenburger“, eine Route mit zwei Strecken durch den Naturpark Uckermärkische Seen, der Schlaubetal-Wanderweg, der 66-Seen-Wanderweg rund um Berlin, der Burgenwanderweg sowie der Internationale Kunstwanderweg im Fläming. Jüngere Leute interessieren sich stärker für das Trekking, während Ältere Nordic Walking bevorzugen.
„Das Land hat viel Geld in die touristische Entwicklung gesteckt“, bemerkte der Sprecher des Agrarministeriums Jens-Uwe Schade. So wurde der historische Jacobsweg im Osten Brandenburgs mit 126 200 Euro Fördermitteln der EU und des Landes wieder hergerichtet. Er beginnt in Frankfurt (Oder) und führt durch 28 Ortschaften. Jetzt machen sich auch viele Pilgerer von Brandenburg aus auf den Weg zum Grab des Heiligen Jakobus im spanischen Santiago de Compostella.
Auch die Schüler erkunden bei Wandertagen die Natur. „Über Dauer und Inhalte von Wandertagen entscheiden die Schulen selbstständig“, sagte Ministeriumssprecherin Antje Grabley. Wandern als gesunde Betätigung allein werde vom Ministerium nicht gefördert, aber das Wandern im Sportverein könne vom Landessportbund unterstützt werden.
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