Fürstenwalde (moz) Kleine Teilchen, große Zukunft: Der NanoTruck macht seit Montag Station auf dem Gelände des OSZ Palmnicken. Die millionenschwere Initiative des Forschungsministeriums soll Schüler für eine spannende Technolgie begeistern, die immer stärker unseren Alltag bestimmt – aber auch unkalkulierbare Risiken in sich birgt.
Verblüffendes Experiment: Die beiden Schüler Maximilian Maiwald und Phillip Levermann (rechts) bauen eine Solarzelle. Wissenschaftlerin Katharina Müller vom NanoTruck hilft und erklärt die technologischen Zusammenhänge
Vorsichtig hält Robert Metzger zwei mit einer Büroklammer zusammengeheftete kleine Glasplatten in der Hand. Die eine ist mit nanometerkleinen Titandioxid-Partikeln beschichtet und mit Hibiskusblütentee eingefärbt. Auf die andere hat der Elftklässler mit einem Bleistift Graphit angebracht. Jetzt tropft er eine Elektrolyt-Lösung auf die Schnittkante der beiden Platten. Anschließend befestigt er an die Enden einen Spannungsmesser und hält die Konstruktion in die Sonne. Es klappt. Das Gerät zeigt 436 Minivolt – Robert Metzger hat soeben eine organische Solarzelle, Grätzelzelle genannt, gebaut.
Nicht nur in der Solartechnik macht sich die Industrie heute die Nanotechnologie zu Nutze. Mikroelektronik und Halbleitertechnik, Medizin, Pharmazie, Automobilindustrie – es gibt unzählige Branchen, die profitieren. Die Nanotechnologie beschäftigt sich dabei mit Strukturen, die kleiner als 100 Nanometer sind, was ungefähr dem milliardsten Teil eines Meters entspricht. Moderne Verfahren machen diese Strukturen sicht-, veränder- und nutzbar.
Der NanoTruck, der noch bis heute Nachmittag am Oberstufenzentrum Palmnicken Station macht, informiert über die Chancen und Möglichkeiten der Nanotechnologie. Die mobile Ausstellungs- und Erlebniswelt ist dabei in einem LKW untergebracht, der es ausgefahren auf eine Breite von 7,50 Metern und eine Höhe von 6,20 Metern bringt. Finanziert wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium.
„Naturwissenschaft ist nichts, was ausschließlich im stillen Kämmerlein geschieht. Das wollen wir den Jugendlichen vermitteln“, erklärt Dr. Marco Kollecker. Er begleitet als einer von drei Wissenschaftlern das Projekt und ist schon viel rumgekommen. „Der Truck ist praktisch alle zwei Tage an einem anderen Ort“, sagt Kollecker. Jährlich kommen rund 220 Einsatztage zusammen. Zuletzt war der NanoTruck in Potsdam, nach dem Aufenthalt in Fürstenwalde geht es nach Warschau.
Uwe Straubhaar, der Abteilungsleiter Metall- und Elektrotechnik in Palmnicken, hat den Truck an die Schule geholt. „Im Bereich Elektrotechnik wird es in den kommenden Jahren in Deutschland einen riesigen Bedarf an Fachkräften geben“, sagt Straubhaar. Deshalb müsse man am OSZ auch verstärkt bei den Schülern für technische Berufe werben. Der NanoTruck sei eine gute Möglichkeit, das Interesse der Jugendlichen für neue Technologien zu wecken.
Doch die Nano-Technologie birgt auch Gefahren. Niemand weiß, ob Nanopartikel nicht sogar Krebs auslösen können, zum Beispiel als Zusatz in Sonnenschutzcremes. Die begleitende Risikoforschung steht hierbei erst am Anfang. Auch darüber informierte der NanoTruck.
Robert Metzger jedenfalls fand den kleinen Ausflug in den Nanokosmos spannend. „Das war echt interessant und sehr anschaulich erklärt“, so der 17-Jährige. Elektrotechniker will er deswegen trotzdem nicht werden. „Ich mach‘ lieber was mit Musik.“
Der NanoTruck öffnet seine Türen heute (Dienstag), zwischen 13.30 und 14.30 Uhr, auch für die interessierte Öffentlichkeit. Der Eintritt ist frei.
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