Eisenhüttenstadt (moz) Für knapp 2 Millionen Euro werden in der Zwillingsschachtschleuse in Eisenhüttenstadt derzeit die ersten gut 80 Jahre alten Gusseisen-Armaturen ausgewechselt. Für die Experten vor Ort sind die tonnenschweren Schieber echte historische Schätze.
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Neue Technik von oben: Die blauen Stahlarmaturen werden zu Schiebern zusammengesetzt, die die zwei Schleusenkammern verbinden.
„Das ist schon etwas Besonderes. So etwas erlebt man nur einmal im Leben.“ Werner Grywotz, Diplom-Ingenieur der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, kann seine Augen gar nicht mehr von der rostigen Guss-Armatur lassen, die der 700-Tonnen-Kran gerade aus dem Schleusenuntergrund ans Tageslicht befördert. Selbst die Arbeiter vor Ort zücken da ihre Kameras. Immerhin ist dieses Teil, das zu einem sogenannten Ring-Kolben-Schieber gehört, bereits 82 Jahre alt, und damit fast schon ein Dinosaurier. „Die normale Lebensdauer eines Maschinenbauteils liegt bei etwa 50 Jahren. Aber die hier haben bis zuletzt funktioniert“, betont Grywotz. „Jetzt sind sie allerdings total verschlissen, müssen ausgewechselt werden.“ Ansonsten wäre Schluss mit dem Schleusenbetrieb, sagt er.
Seitdem die Zwillingsschachtschleuse, die 1924 bis 1929 im Rahmen von Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg als Prototyp für französische Schleusen erbaut wurde, in Betrieb ist, ermöglichen sogenannte Schieber einen Wasseraustausch zwischen der Nord- und Süd-Kammer. „Durch die Verbindungsschieber wird Wasser gespart“, betont Ulrich Gerwin, Leiter der Fürstenwalder Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin, deren Zuständigkeitsbereich bis zur Zwillingsschachtschleuse reicht. 22 000 Kubikmeter Wasser braucht man für eine Schleusung. Während eine Pumpe etwa 50 Prozent davon aus der Oder holt und in die benötigte Kammer spült, kommt die andere Hälfte aus der gerade ungenutzten Schleusenkammer. Etwa 11 000 Kubikmeter Wasser rauschen dann durch drei Schieber. Ein Schleusenvorgang, bei dem im „Wasserfahrstuhl“ ein Höhenunterschied von etwa 13 Metern überwunden wird, dauert im Sparbetrieb etwa 25 Minuten.
In dieser Woche sind die Schieber aufgrund der Instandsetzungsmaßnahme außer Betrieb, dafür muss die Pumpe volle Leistung bringen. „Aber der Schleusenbetrieb läuft ohne Probleme weiter“, versichert Grywotz. Staugefahr von Schiffen herrscht zudem nicht. Bei Wolfgang Zwar vom Coswiger Tief- und Rohrleitungsbau hingegen stapeln sich die alten Gusseisen-Teile aus dem Schleuseninneren. „Ich schleife die ab“, sagt er und schiebt seine Atemmaske nach oben. Rost- und Muschelablagerungen – all das entfernt er. Die Einzelteile sollen wieder zusammengesetzt werden. Zwei der Schieber bleiben nämlich als Museumsstücke auf dem Betriebsgelände der Schleuse, erklärt Diplom-Ingenieur Grywotz. So etwas kommt nicht in den Schrott. Das ist Schleusengeschichte.
Die neuen blauen Schieber, die vom Kran eingesetzt werden, sind rein äußerlich wesentlich kleiner als die Vorgänger. Aber sie bringen die gleiche Leistung. „Das sind Sonderanfertigungen aus Magdeburg. So etwas bekommt man nicht von der Stange“, sagt Grywotz und schiebt hinterher, dass die Schieber der Zwillingsschachtschleuse wohl weltweit einmalig seien. Künftig wird der Wasserfluss aber durch ein Ventil, nicht mehr durch Walzen geregelt. Der technische Fortschritt macht’s möglich.
Insgesamt kostet die vom Bund getragene Maßnahme knapp 2 Millionen Euro. Mit den Armaturen, die derzeit versenkt werden, ist jedoch erst die Hälfte geschafft. Weitere Schieber kommen im Juli.
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