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Bernhard Schwiete 14.06.2011 19:09 Uhr

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Erholung für Problem-Kinder

Rauen (moz) Das Hin und Her um die Nutzung von Gut Johannesberg bei Rauen (Oder-Spree) geht in eine neue Runde. Nachdem Pläne für ein Wohnheim für minderjährige Straftäter auf Ablehnung gestoßen waren, soll nun ein Erholungsheim entstehen – ebenfalls für Jugendliche aus Problemfamilien.

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Verschlossenes Tor: Das Gut Johannesberg bei Rauen steht derzeit leer

© dpa

Vor zweieinhalb Wochen schien es, als sei die Zusammenarbeit zwischen dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) aus Berlin und den Besitzern des Guts Johannesberg geplatzt, bevor sie so richtig beginnen konnte. Das EJF wollte auf dem Anwesen ein Heim errichten für Kinder und Jugendliche aus Berlin, die teilweise bereits straffällig geworden sind. Bei den Gemeindevertretern von Rauen stieß das Vorhaben auf Bedenken. Sie bangten um die Sicherheit im Ort und lehnten das Ansinnen nach emotional geführter Debatte mit knapper Mehrheit ab. Dass das möglich war, liegt am Flächennutzungsplan der Gemeinde, der für Gut Johannesberg Gastronomie und Erholung vorsieht, nicht aber Wohnen.

Genau jene „Erholung“ scheint auf dem am Rande von Obstbaumplantagen zwischen Rauen und Fürstenwalde gelegenen und derzeit leerstehenden Gut bald wieder stattzufinden – denn das EJF hat neue Pläne aus der Schublade gezogen. Während die Besitzerin des Guts, die Rauener Gemeindevertreterin Rosemarie Arenstedt, noch davon sprach, es gebe keine neue Entwicklung, traf beim ehrenamtlichen Bürgermeister Sven Sprunghofer gestern ein Brief vom EJF ein. Darin ist die Rede von Jugendlichen mit „palästinensisch-libanesischem Hintergrund“ aus Berlin-Neukölln, die „am Rande der Gesellschaft leben“ und „von Straffälligkeit bedroht“ sind.

Sie sollen das Gut künftig als Erholungsheim nutzen. „Ich hätte damit kein Problem“, sagte der Bürgermeister, der die vorangegangenen Pläne abgelehnt hatte. Doch weil kein Flächennutzungsplan geändert werden müsste, muss die Gemeindevertretung ohnehin nicht mehr gefragt werden.

Der EJF-Vorstandsvorsitzende Siegfried Dreusicke bestätigte gestern das Vorhaben. Das Erholungsheim sei für „Unterschichtenkinder“ zwischen 14 und 18 Jahren gedacht. Bis zu 40 Plätze sollten bis zum nächsten Frühjahr entstehen. Dass unter den Gästen in Rauen auch Straftäter sein könnten, wollte er nicht ausschließen. „Wir lassen uns vorher kein Führungszeugnis vorlegen“, sagte er. Er erwähnte auch, warum das EJF trotz der ersten Absage der Rauener Gemeindevertreter an dem Objekt festhält. Man habe bereits zuvor mit den Eigentümern des Gutes einen 40 Jahre laufenden Vertrag über eine Erbbaupacht abgeschlossen.

Die Besitzer des Anwesens, Rosemarie Arenstedt und deren Schwager Johannes Stelter, hatten das baufällige Gut im Jahr 2007 für 210 000 Euro erworben, nachdem es zunächst über einen Strohmann an die rechtsextreme NPD gegangen war, die dort ein Schulungszentrum errichten wollte. Sie nutzten aus, dass der NPD-Strohmann, eine Firma aus Schweden, noch nicht im Grundbuch eingetragen war, als dessen wahre Absichten bekannt wurden.

Dass die neuen Eigentümer in Kontakt mit dem EJF kamen, hat auch mit dieser Geschichte zu tun. Wie Rosemarie Arenstedt sagte, hatte sie im Zuge des Rechtsstreits mit den Rechtsextremen auch Kontakt zur Leiterin des brandenburgischen Verfassungsschutzes, Winfriede Schreiber. Diese habe ihr Unterstützung bei der Suche nach einem Mieter für Gut Johannesberg zugesagt. Für das EJF als Vermittler tätig ist Ex-Innenminister Rainer Speer (SPD).

Kuriosität am Rande ist, dass die Sorge der Rauener um ihre Sicherheit offenbar durch ein Versehen Speers befeuert wurde. Wie EJF-Projektleiterin Sigrid Jordan-Nimsch vor der Gemeindevertretung berichtete, sollte Speer beim Bauordnungsamt des Kreises Oder-Spree in Beeskow ein Konzept für das Wohnheim einreichen – und bekam als Muster das Konzept für eine bestehende EJF-Einrichtung in Frostenwalde (Uckermark), in der auch jugendliche Intensivtäter aus Berlin leben. Dass das in Rauen angeblich nie geplant war, wollte dort kaum noch jemand glauben – denn Speer hatte das Konzept aus der Uckermark laut Sigrid Jordan-Nimsch versehentlich unbearbeitet eingereicht. Erst später sei ein überarbeitetes Papier nachgeliefert worden.

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