Britz-Chorin . Im Barnim bahnt sich ein neuer Konflikt um den Erhalt einer historischer Alleen an. Zwischen Britz und Golzow sollen 30 Linden gefällt werden. Der Grund: Sie sind vom gemeinen Spaltblättling befallen. Der für die Standsicherheit der Bäume gefährliche Pilz könnte durch Baumschnittarbeiten übertragen worden sein. Festgestellt wurden die Schäden bei einer Baumschau im Juni. Gutachter haben den Pilzbefall bestätigt. Die Fällgenehmigung ist noch nicht ausgestellt worden, aber die Bäume sind schon gekennzeichnet. Für die Grüne Liga erhebt Andreas Steiner die Stimme dagegen.
Gefõhrdete Allee: Zwischen Britz und Golzow sollen 30 Linden gefõllt werden. Sie sind vom gemeinen Spaltblõttling befallen und laut einem Gutachten in ihrer Standfestigkeit bedroht. Das Kreuz erinnert an einen t÷dlichen Unfall aus 2005.
Es ist der Baum mit der Nummer 9, der für einige Menschen eine besondere Bedeutung besitzt. Ein Holzkreuz weist darauf hin. An dieser Stelle ereignete sich am 21.April 2005 ein tödlicher Unfall, der Gerd das Leben nahm, wie die Inschrift mitteilt.
Dreieinhalb Jahre später ist dieser Baum einer von 30, die den Weg alles Irdischen gehen sollen. Wenngleich die Fällgenehmigung noch nicht vorliegt, steht sie doch unmittelbar bevor. "Pilzfachleute des Landesamtes für Verbraucherschutz haben den Pilz bestimmt und vorgeschlagen, befallenes Holz herauszuschneiden. Bei 30 Bäumen ist das nicht mehr möglich, sie müssen gefällt werden", bestätigt Jürgen Jankowiak, Leiter des Bauordnungsamtes, zu dem das Sachgebiet Naturschutz gehört. Die radikale Lösung stößt jedoch auf Widerstand. "Das Beispiel Danewitzer Allee hat doch gezeigt, dass es auch anders geht. Das Horrorszenario der Fällung konnte dort abgewendet werden", sagt Andreas Steiner im Namen der Grünen Liga. Er wundert sich, dass "30 Bäume plötzlich innerhalb eines halben Jahres erkrankt sein sollen. Dies erscheint mir sehr abenteuerlich", so seine Meinung.
Jankowiak führt hingegen die Verkehrssicherungspflicht an, die der Baulastträger, der Landesbetrieb Straßenwesen, wahrzunehmen habe. Außerdem bemängelt er, dass die Kritik der Grünen Liga "wieder einmal" erst angebracht wird, nachdem die Baumschau längst beendet ist. "Die anerkannten Naturschutzverbände waren eingeladen, auch die Grüne Liga. Aber sie glänzte einmal mehr durch Abwesenheit", ärgert sich der Amtsleiter. Zumal der jetzt formulierte Widerspruch keine rechtliche Wirkung entfaltet. "Aufgrund des Fehlens hat die Grüne Liga de jure keine rechtliche Möglichkeit mehr, einen Widerspruch einzubringen. Vielmehr ist es so, dass im Zuge des Bürokratieabbaus das Verfahren vereinfacht wurde. Das Protokoll der Baumschau enthält Festlegungen, die dann umgesetzt werden." Im konkreten Fall ist jedoch Benehmen mit dem Biosphärenreservat herzustellen. Leiterin Constanze Knape kennt den Fall bereits, sie sieht aber keine Möglichkeit, die Fällung zu verhindern. "Uns liegt das Gutachten vor, wir haben jetzt nicht die Möglichkeit, ein Gegengutachten in Auftrag zu geben. Also werden wir wohl akzeptieren und der Fällung zustimmen, denn wir können jetzt nichts das Gegenteil beweisen", deutete sie gestern an. Zumal der für Baumschauen zuständige Mitarbeiter des Kreises, Peter Blankenburg, als guter Fachmann gilt. Zugleich betont sie aber auch die Bedeutung historischer Alleen für den Barnim und das Land Brandenburg. "Wir müssen ja zur Kenntnis nehmen, dass extra ein Runderlass des Bau- und des Landwirtschaftsministerium nötig war, um die Bedeutung der Alleen nachdrücklich zu unterstreichen. Tatsächlich wird ihr Wert oftmals nicht ausreichend gewürdigt. Es dauert eben 80 bis 100 Jahre, bis eine nachgepflanzte Allee wieder diesen Charakter besitzt."
Steiner beklagt derweil die Mentalität des Kreises, das Argument Verkehrssicherungspflicht als "Totschlagargument" ins Feld zu führen und "auf Teufel komm raus" abzuholzen. Andere Kreise seien weniger rigoros. So habe der Baumschutzstammtisch "noch immer kein Vertrauen in die Arbeit des Landkreises gewonnen. Die Fachleute der Baumschauen sind gut ausgebildet, doch unserem Erachten nach fehlen die Achtung vor dem Wert alter Bäume und der damit verbundene Wille, diese zu erhalten", kritisiert er.
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