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Ellen Werner 04.07.2011 08:22 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Hunde lösen Denker ab

Eberswalde (moz) Sie vermisst den Dialog mit Paul Wunderlich, sagt seine Frau Karin Székessy. Nach dem Tod des weltberühmten Künstlers vor fast dreizehn Monaten erzählen nun seine Bilder und ihre Fotografien mit- und übereinander. Hunde lösen die Dichter, Denker und Potentaten nach zweijähriger Anwesenheit im Paul-Wunderlich-Haus ab.

  © MOZ/Thomas Burckhardt

Karin Székessy ist mit Hund gekommen, natürlich. Es ist Pluto, „der Hund, wegen dem ich in die Alster hüpfen musste, um ihn zu retten – im Januar“.

Gestern reiste die Fotografin in den Sommer Südfrankreichs, wo sie die Jahreszeit früher mit dem 83-jährig verstorbenen Paul Wunderlich verbrachte. Doch am Samstagabend folgte sie gern noch der Einladung nach Eberswalde. Ihr gefällt es, sagt sie auf der Vernissage, dass die neue Ausstellung so fröhlich geworden ist.

Tatsächlich scheint es, als wäre dem Sitzungssaal im Kreishaus eine Last genommen. Wer sich an sie gewöhnt hatte, fand vielleicht, dass die „Dichter, Denker und Potentaten“, die dort zwei Jahre lang Konferenzen, Festivals und politischen Debatten beiwohnten, zuweilen zu streng blickten. Die großartigen Farben von Wunderlichs Pastellen und der beiläufige, heitere Blick Székessys auf die geheimen Verbindungen zwischen Mensch und Hund, sichtbar gemacht auf Schwarz-Weiß-Fotografien, bringen dem Raum Leichtigkeit zurück. „Es ist ein sehr sommerliches Thema“, sagt Frank Göritz vom Freundeskreis Paul-Wunderlich-Stiftung.

Die Idee dazu hat Vorläufer. Bei einer Kinderführung vor zwei Jahren sollten die Kinder Tiere in den Wunderlich-Bildern des Hauses entdecken. „Und schon einmal, unter dem Titel ,Korrespondenzen’, haben wir beide Künstler in den Dialog gesetzt“, erinnert Göritz. Karin Székessy hat kürzlich zudem in Hamburg, wo sie lebt, ihre Fotografien von Menschen und Hunden aus vier Jahrzehnten in einer Ausstellung vereint. Dass sie bei all ihren Arbeiten immer auch den Auslöser drückte, wenn die Tiere auftauchten, „hat sich ergeben, am Rande“, sagt sie.

Sie hat sich noch mehr in die Arbeit gestürzt, seit Paul Wunderlichs Tod am 6. Juni 2010. „Dass ich keinen Dialog mehr mit ihm halten kann, ist traurig.“ Auf rund 90 Werken setzen sich ihre Korrespondenzen nun aber in Eberswalde fort. Im Sitzungssaal hängen Repros und ein Teil der Fotografien, an den Außenwänden des runden Raumes viele weitere Arbeiten beider Künstler. Gleich vorm Eingang zum Sitzungssaal empfängt die „Familie mit Tieren“ (1981) Besucher. Daneben wacht Bella. Der Bullterrier war im Leben sehr anhänglich, sagt Székessy. Sie selbst konnte sich von der Bronzeplastik für die Zeit der Ausstellung nur mühsam trennen. „Sie steht sonst direkt in meinem Zimmer.“

Die „liebevolle Selbstverständlichkeit“ der Tiere in Székessys und Wunderlichs Leben spiegelt sich in den Werken, sagt Welfhard Kraiker. Der Professor für Kommunikationsdesign aus Hamburg, verkehrte als Freund mit der Familie und lernte einige Hunde persönlich kennen. „Das waren weiß Gott abenteuerliche Geschöpfe“, sagt er. Für die Tierpersönlichkeiten, die sie auf den Bildern und Fotografien wurden, schärfte der Laudator am Sonntag wortreich den Blick – „eine kleine Liebeserklärung an Karin Székessy und Paul Wunderlich und die Arbeit dieser beiden wunderbaren Menschen“.

Die Begebenheit mit Pluto an der Alster liegt vier Jahre zurück. Während die Bulldogge die Fotografin jetzt nach Frankreich begleitet, bleiben andere Hunde in Bildern und Geschichten in Eberswalde. „Anton, Jupiter & Paul“ heißt wie die Ausstellung ein auch lesenswerter Katalog.

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