Beeskow . "Wie gut sind unsere Kindergärten?" Mit dieser Frage hat sich die zweite Kita-Fachtagungin Beeskow beschäftigt. Oder-Spree ist hinsichtlich der pädagogischen Qualität Vorreiter im Land. Ein Fünftel der Einrichtungen haben bereits das Kindergarten-Gütesiegel.
Die Kita "Regenbogen" in G÷rzig hat das G³tesiegel ³berreicht bekommen: Kita-Leiterin Monika Baranowski, Corinna Fr÷mmer und Silvia Grasme (v.l.) gestalten eine Wandzeitung wõhrend der Tagung im Beeskower Spreepark. Foto: GMD/K.-H. Arendsee
Sie heißen "Storchennest", "Regenbogen", "Abenteuerland" - Kitas haben sich gut klingende Namen gegeben. Auf Schautafeln im Spreepark präsentierten sich mehrere Einrichtungen, man sieht Kinder an Computern, beim Malen, Turnen oder Musizieren. Das Leben in der Kita wurden auf Fotos dokumentiert.
Viele Einrichtungen können jetzt noch etwa anderes vorweisen: das deutsche Kindergarten-Gütesiegel, eine Art TÜV für die pädagogische Arbeit. Es prangt bereits neben 27 Kita-Eingangstüren in Oder-Spree.
"In Brandenburg hat der Kreis die Spitzenstellung eingenommen. Ein Fünftel der Kitas im Landkreis haben das Gütesiegel erreicht", sagt Prof. Wolfgang Tietze, Leiter des Pädquis, einem Institut der Freien Universität (FU) Berlin. Im Kreis Oder-Spree werde die Qualitätsentwicklung an Kitas auch politisch unterstützt, die Akzeptanz sei bei Gemeinden und Trägern hoch, so Tietze, Professor für Kleinkindpädagogik an der FU. Ein bis anderthalb Jahre sind notwendig, bis Kitas den Prozess abgeschlossen hat und unter die Lupe genommen werden. "Am Ende steht eine grundlegende Veränderung des Systems, eine veränderte Praxis im Umgang mit den Kindern."
Wöchentlich finden in diesem Zeitraum Kurse für die Erzieherinnen statt. Neben einer guten Konzeption steht auch die Ausbildung des Personals, die räumliche Ausstattung, die Vielzahl der Aktivitäten sowie die Beteiligung der Eltern im Blickpunkt, so der Fachmann. Abschließend wird die Qualität in vier Bereichen überprüft: Externe Gutachter beobachten vor Ort die Arbeit, die Konzeption wird analysiert, das Personal interviewt. Zudem werden Eltern anonym befragt. Reicht die Punktzahl nicht, gibt es keinen "TÜV".
13 Einrichtungen haben das Gütesiegel bei der Veranstaltung in Beeskow neu erhalten. Ausruhen können sich die Erzieherinnen nicht, denn jedes Jahr wird die Arbeit aufs Neue geprüft. "Das Siegel ist wichtig für die Wahl der Eltern. Qualität lässt sich dadurch ablesen. Denn schöne Möbel in einer Kita sagen nichts über die pädagogische Arbeit", so Ralf Kohlberger, Mitarbeiter im Referat Kindertagesbetreuung im Landesministerium. Auch für die Erzieherinnen habe es den Vorteil: "Sie können selbstbewusst ihre Arbeit vertreten, damit hatten viele vorher noch ihre Probleme", sagt er.
"Es ist ein Aushängeschild, aber auch eine Verpflichtung", sagt Petra Schulz, Leiterin der Kita "Villa Kunterbunt" in Treppeln. Die Arbeit habe eine höhere Qualität erreicht, darauf würden Eltern bei ihrer Wahl auch zunehmend achten.
Qualität spielt zudem in der neuen Kita-Bedarfsplanung des Kreises eine große Rolle. Man habe ein Leitbild entwickelt, das jetzt zur Diskussion gestellt würde, so die Jugendamtsleiterin Ulrike Rothe. Darin sollten Kitas eine familienergänzende Aufgabe wahrnehmen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch flexible Betreuungszeiten sicherstellen. "Die Angebote sollten sich an die Lebenswelten der Familien anpassen." Nicht mehr nur die Fassaden zählen.
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