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Lehrer auf der Walz

Strausberg . Unruhige Zeiten an den Schulen Brandenburgs und auch der Region: Lehrer im Beamtenverhältnis, die nicht freiwillig auf einen Teil ihrer bezahlten Stunden verzichten, werden versetzt. Nur in Ausnahmefällen passen sie dort mit ihrer Qualifikation und fachlichen Ausrichtung hin. Noch während dieser Personalkosten-Senkungsmaßnahme bringt das Bildungsministerium ein Modellvorhaben zur Personalkostenbudgetierung auf den Tisch, das der Pädagogenverband des Landes und sein hiesiger Kreisverband als erneute Belastung für die dünne Personaldecke kritisieren.

"Teilzeit schützt vor Versetzung" heißt das Prinzip, nach dem noch lange nach Schuljahresbeginn Lehrer in den Schulen ihre Schreibtische räumen und auf Wanderschaft gehen müssen. Denn wer nicht freiwillig die Reduzierung seiner Wochenunterrichtsstundenzahl und damit seines Einkommens unterschrieb, wird versetzt. Es gibt Lehrer, die dagegen erfolgreich vorm Verwaltungsgericht klagen, die kommen dann an die Schulen zurück. Geht das Staatliche Schulamt in die nächste Instanz und findet einen verständnisvollen Richter, packen die Lehrer dann wahrscheinlich wieder ihre Siebensachen. So durchaus schon geschehen auch in Strausberg. In der ersten Welle dieser Sparmaßnahme waren 70 Planstellen im Schulamtsbezirk Frankfurt (Oder) vakant, tatsächlich versetzt hat man dann etwa 40 Lehrer aus Ostbrandenburg.

Die Folgen sind Unterrichtsausfälle und definitiv an der falschen Stelle eingesetzte Lehrer. Denn es sei durchaus Praxis, dass Grundschüler von Lehrern unterrichtet würden, die vor kurzem noch Metalltechnik am Oberstufenzentrum lehrten sagt Dagmar Graefe, Leiterin der Abteilung Personalvertretungen im Brandenburgischen Pädagogenverband, im Gespräch mit der MOZ: "Es geht den Schulämtern ausschließlich um den Abbau des künstlich geschaffenen Personalüberhangs und nicht um den fachlich und pädagogisch sinnvollen Einsatz der Kollegen. Nur in Ausnahmefällen ist die Versetzung tatsächlich bedarfsgerecht."

Die Unruhe in den Schulen und der Lehrerschaft über die Zwangsteilzeit hat sich noch nicht gelegt, da erregt ein neues Modellvorhaben des Bildungsministeriums den Unmut: Personalkostenbudgetierung zur Reduzierung des Unterrichtsausfalls, abgekürzt PeRU. Auf den ersten Blick scheint sich ein jahrelang gehegter Wunsch vieler Schulleiter zu erfüllen: Mehr Verantwortung über Personalkosten, um Lehrerstunden gegebenenfalls extern bedarfsgerecht einkaufen zu können. Doch Stefan Ptok, Leiter der Abteilung Bildungspolitik im Brandenburgischen Pädagogenverband (alle diese Funktionen in dem Berufsverband sind ehrenamtlich/d. Red.), hat genauer hingeschaut: "Das ist eine unglaubliche Geschichte", empört er sich, "Voraussetzung ist, dass der Schulamtsbezirk keinen Personalüberhang hat. Dann soll nach diesem Prinzip die dreiprozentige Vertretungsreserve, die den Schulen bisher in Form von Lehrerplanstellen zugestanden wurde, kapitalisiert - gewissermaßen in virtuelle Personalkosten umgewandelt - werden. Damit sollen sich die Schulleiter dann Honorarkräfte für Teilungs- oder Wahlunterricht von außen engagieren." Unterm Strich heißt das: Weniger Planstellen, also weniger Lehrer, an den Schulen. "Und für Schulleiter im Oderbruch dürfte es schwer werden, Honorarlehrer für wenige Stunden regelmäßig an ihre Schule zu holen", nennt der Vorsitzende des Pädagogen-Kreisverbandes Märkisch-Oderland Gunter Gerth einen wesentlichen Einwand.

Das Bildungsministerium stellt zufrieden fest: "Da das Personalkostenbudget sich aus der im selben Umfang nicht benötigten Vollzeitstellen-Zuweisung für die Vertretungsreserve refinanziert, ist das Modellvorhaben kostenneutral."

Gewerkschafter des Pädagogenverbandes haben Ende Oktober einen offenen Brief zur Bildungsmisere im Land an alle politischen Verantwortungsträger verabschiedet. "Auf Grund fehlender Lehrkräfte müssen in einigen Regionen Fächer ganz oder teilweise aus der Stundentafel gestrichen und Klassen zusammengelegt werden", heißt es darin, "die Vertretungsreserve löst die Probleme nicht einmal ansatzweise, insbesondere wenn damit Pflichtunterricht abgedeckt werden muss." Die Lehrergewerkschaft sieht keinesfalls den Geburtenrückgang als Ursache, Lehrerplanstellen einzusparen und das als neues Modell noch zu verschärfen: "Finanzieller Druck und Unfähigkeit", lautet das Urteil von Stefan Ptok.

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