Paris . Nicolas Sarkozy im Umfragetief: Gut fünf Wochen vor den Kommunalwahlen in Frankreich setzt ein massiver Vertrauensverlust in der Bevölkerung den französischen Präsidenten unter Druck. Einer Umfrage des Instituts TNS-Sofres zufolge haben nur noch 41 Prozent der Franzosen Vertrauen in ihren Staatschef. Vor einem Monat waren es noch 49 Prozent. 55 Prozent haben "kein Vertrauen", wie es in der vorab veröffentlichten Studie heißt, die an diesem Samstag im "Figaro Magazine" erscheinen soll. In einer Umfrage des Instituts CSA gaben nur noch 48 Prozent der Befragten an, Sarkozy fülle "das Amt gut aus". Vor zwei Monaten waren dies noch 66 Prozent.
"Die Franzosen fühlen sich beim Thema Kaufkraft betrogen", sagte Brice Teinturier von TNS-Sofres der Zeitung "Libération". Beschleunigt hätten den Abwärtstrend die "Zurschaustellung des Privatlebens" sowie der lange Besuch des exzentrischen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Dezember.
An erster Stelle sorgen sich die Menschen der TNS-Sofres-Umfrage zufolge um Preissteigerungen, gefolgt von Arbeitslosigkeit und Kaufkraftverlust. Fast neun von zehn Franzosen halten die Regierung für "ineffizient". Sarkozys Beliebtheitswerte sinken bereits seit einiger Zeit. In einer kürzlich für die Zeitung "La Croix" erstellten Umfrage hatte eine Mehrheit der Franzosen kritisiert, die Berichterstattung über den Staatschef und seine Freundin Carla Bruni nehme "zu viel Platz" ein.
Die Regierung, der am 9. und 16. März ein neuer Test bevorsteht, wenn in Städten und Gemeinden neue Volksvertreter gewählt werden, wies die Aussagekraft der Umfragen zurück. "Der Präsident ist da, um Reformen umzusetzen, nicht um beliebt zu sein", sagte ein Sprecher des Präsidialamtes. "Wir sind mitten in der Reformphase, da richten wir uns nicht nach den Umfragen." Bei der Kaufkraft gebe es schon Fortschritte. Die Arbeitslosigkeit sei auf 7,9 Prozent gesunken, etwa die Hälfte aller Firmen arbeite mit Überstunden.
Der ehemalige Premierminister und konservative Senator Jean- Pierre Raffarin forderte die Regierung auf, ihr Handeln in der Öffentlichkeit klarer darzustellen. "Wir müssen jetzt alle unsere Kräfte sammeln", sagte er dem Radiosender France Info. Es gebe bereits Ergebnisse, wie die 2007 gesunkenen Arbeitslosenzahlen, die aber nicht sichtbar genug seien.
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