Addis Abeba/Nairobi (DPA) Die Vereinten Nationen sprechen von der derzeit schlimmsten humanitären Katastrophe der Welt. Insgesamt sind zehn Millionen Menschen am Horn von Afrika von Dürre und Hungersnot bedroht, darunter zwei Millionen Kinder.
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Somalische Flüchtlinge im Dolo Ado Camp in Äthiopien in Afrika. Wegen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren am Horn von Afrika strömen immer mehr somalische Flüchtlinge nach Kenia und Äthiopien. (WFP/Judith Schuler)
Die Lage für die von der Dürre betroffenen Flüchtlinge am Horn von Afrika wird immer dramatischer. „Die Todesrate in den Camps ist schockierend“, erklärte ein Mitarbeiter der amerikanischen Agentur für Internationale Entwicklung (USAID) am Dienstag bei einem Besuch im äthiopischen Flüchtlingslager Dolo Ado. Viele Menschen, darunter zahlreiche Kinder, sind tagelang zu Fuß unterwegs und völlig ausgehungert, wenn sie die Zentren erreichen. Für eine erste Linderung der Hungerkatastrophe sind nach Einschätzung des UN-Welternährungsprogramms (WFP) rund 500 Millionen US-Dollar bis Ende des Jahres nötig.
Die Zahl der täglich ankommenden Flüchtlinge aus Somalia sei mittlerweile auf 1700 gestiegen und die drei äthiopischen Zentren beherbergten jetzt bereits 114 000 Menschen, sagte WFP-Sprecherin Judith Schuler. Die Regierung in Addis Abeba erklärte, allein in Äthiopien seien bis Ende diesen Jahres 4,5 Millionen Menschen auf Nahrungshilfe angewiesen.
Unterdessen haben die Vereinten Nationen die kenianische Regierung dringend dazu aufgerufen, ein weiteres Flüchtlingscamp im Norden des Landes zu eröffnen. Der Chef des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR), Antonio Guterres, sagte, er habe diesbezüglich „konstruktive“ Gespräche mit dem kenianischen Minister für Provinzverwaltung und Innere Sicherheit, George Saitoti, geführt.
Jedoch sei ein für den heutigen Montag geplantes Treffen mit Präsident Mwai Kibaki ohne nähere Begründung abgesagt worden, berichtete der britische Sender BBC. Nairobi hat es bisher abgelehnt, ein weiteres Lager in der Nähe des völlig überfüllten Dadaab-Camps zu eröffnen. Die Regierung fürchtet, dass sich die Hunderttausenden Flüchtlinge - die vor allem aus dem Bürgerkriegsland Somalia in die Nachbarländer strömen - dauerhaft in Kenia niederlassen könnten.
Dadaab ist mit fast 400 000 Menschen das derzeit größte Flüchtlingslager der Welt. Angesichts der Not dort, spendet Deutschland eine Million Euro. Das teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit Kenias Staatspräsident Mwai Kibaki in Nairobi mit.
Bei der Ankunft in den Camps müssen die Flüchtlinge, die meist in ihrer Heimat das gesamte Vieh und jede Lebensgrundlage verloren haben, zunächst ihre Fingerabdrücke abgeben. So soll sichergestellt werden, dass keine Terroristen in die Lager kommen, sagte ein BBC-Korrespondent. Dann erhielten sie Schlafmatten, Töpfe und eine geringe Menge Lebensmittel für rund 15 Tage. Die Kinder würden vorsorglich geimpft.
Es gebe bei weitem nicht genug Zelte, so dass viele bei Tag und Nacht den heißen und staubigen Winden in der Region ausgesetzt seien. Ein weiteres Problem sei, dass nun immer mehr alte Menschen und Flüchtlinge mit körperlichen Handicaps die Camps erreichten, die auf spezielle Hilfen der humanitären Organisationen angewiesen seien.
Die Hilfsorganisation Care rief am Dienstag weltweit zu Spenden auf. Care plant nach eigenen Angaben, insgesamt 1,8 Millionen Menschen in Äthiopien, Somalia und Kenia mit Nahrung, Wasser und Hilfsgütern zu unterstützen.
Die Vereinten Nationen schätzen, dass bald zehn Millionen Menschen in der Region unter der Hungersnot leiden werden, darunter allein zwei Millionen Kinder. Die Dürrekatastrophe gilt als die schlimmste seit 60 Jahren.
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