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Knüpfkunst von der Küste - die Tradition der Freester Fischerteppiche

Wolgast . Der 80-jährigen Tradition der Freester Fischerteppiche widmet sich eine neue Ausstellung im Stadtmuseum Wolgast. Gezeigt werden mehr als 20 Originalteppiche aus Fischerstuben am Greifswalder Bodden, wie Museumsleiterin Barbara Rogge am Donnerstag mitteilte. Zu den ältesten Exponaten gehört ein zwei Meter großer, sogenannter Dankes-Teppich, den Fischer aus Freest im Jahre 1929 für den damaligen Greifswalder Landrat Werner Kogge hergestellt hatten. Die Teppiche, in die die Namen der 34 beteiligten Fischer geknüpft wurden, waren kürzlich von Nachkommen des Politikers an das Pommersche Landesmuseums verkauft worden.

  Maritime Motive, in handwerklicher Tradition verarbeitet: Museumsdirektorin Barbara Roggow prõsentiert Exponate aus der Ausstellung historischer Freester Fischerteppiche, die im Museum Wolgast zu sehen sind. Foto: ddp ©

Kogge hatte seinerzeit mit einem Erlass zur Suche nach zusätzlichen Einkunftsmöglichkeiten für die verarmten Fischer in Pommern aufgerufen. Anlass dafür war ein zuvor verordnetes Fangverbot, nachdem die Fischbestände in der südlichen Ostsee drastisch zurückgegangen waren. Die daraus entstehenden Verdienstverluste der Fischer sollten unter anderem durch Spargelzucht, Hühnerfarmen und Korbflechtereien ausgeglichen werden.

Der in Wien geborene Teppich-Designer Rudolf Stundl habe damals von der Krise erfahren, sagte Rogge. In Lubmin habe ihn die Fingerfertigkeit der Boddenfischer überrascht, die ihre Baumwollnetze selbst reparierten und während der fischarmen Zeit auch mürbe Taue, Netze und Segelstücke für den Eigengebrauch zu Teppichen verarbeiteten.

Statt orientalische Teppiche zu fertigen, habe Stundl den Einheimischen die uralte Symbolik ihrer Heimat entlockt und für Teppichmuster in Farbe und Form stilisiert. Anfängliche, von Fischern verwendete und noch etwas unbeholfen wirkende Symbole von Meer, Wellen, Wald, Booten, Kornblumen, Möwen, Anker und natürlich Fischen entwickelte Stundl zu knüpfreifen Entwürfen. In Museen, Dorfkirchen, auf Zäunen, Hauswänden, Tonkrügen und Mustertüchern fand er weitere Motive, die künftig die Volkskunstarbeiten zierten.

Neben besonders prächtigen Teppicharbeiten präsentiert die bislang umfangreichste Ausstellung über die norddeutsche Knüpfkunst auch einen jener Knüpfstühle, die Stundl seinerzeit eigens für die niedrigen Fischerkaten entwickelt hatte. Gezeigt werden ferner mehrere, auch von Kindern erstellte Entwürfe und originale Mustervorlagen, die damals auf Millimeterpapier übertragen wurden.

Vorgestellt wird zudem die Gründungsurkunde der ersten Produktionsgenossenschaft Volkskunst an der Ostsee, die 1953 die Tradition der von Stundl in Greifswald mit mehr als 50 Fischern gegründeten Pommerschen Fischer-Teppich-Heimknüpferei fortsetzte und die Produktion auch auf Wolgast, Lassan, Heringsdorf und Zinnowitz ausdehnte.

Das Gewerbe kam Ende der 1970er Jahre nach dem Ausscheiden Stundls aus dem Unternehmen nahezu völlig zum Erliegen. Stundl starb 1990 im Alter von 93 Jahren. "Die Fischer, die längst nicht mehr zur ärmsten Bevölkerung gehörten, waren nicht mehr auf Zusatzverdienste angewiesen", sagte Roggow. Nach der Wende und dem Einzug von Großmärkten mit Billigware scheiterte der Versuch, die von wenigen Frauen noch betriebene Manufaktur zu erhalten.

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