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BVG-Warnstreik in Berlin überrascht viele Fahrgäste

Berlin . Der nur sieben Stunden zuvor angekündigte Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr hat am Freitag die Hauptstadt zeitweise fast zum Erliegen gebracht. Tausende Beschäftigte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) legten nach Angaben der Gewerkschaft ver.di von Mitternacht an ihre Arbeit nieder. Das traf viele Berufstätige und Schüler am Morgen unerwartet. Vor allem die Menschen im Ostteil der Stadt waren deutlich länger als sonst unterwegs, da neben den Bussen und U-Bahnen auch die Straßenbahnen nicht fuhren. Der um Mitternacht begonnene Streik soll bis Samstagnachmittag 15.00 Uhr dauern.

  Wie in der U-Bahn von Tokio: Dicht gedrõngt standen am Freitagmorgen die Fahrgõste am S-Bahnhof Ostkreuz auf dem Bahnsteig und warteten darauf, in den nõchsten Zug einzusteigen. Bis Samstag, 15 Uhr, fahren in Berlin nur Z³ge und S-Bahnen. Foto: dpa ©

Der Berliner Fahrgastverband kritisierte die Aktion als "überfallartigen Blitzstreik". "Die Gewerkschaften haben mit ihrer kurzfristig gestarteten Aktion das Gebot der Verhältnismäßigkeit grob verletzt", sagte der Verbandsvorsitzende Christfried Tschepe der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die zur Deutschen Bahn gehörenden S- Bahnen waren nicht von dem Ausstand betroffen.

Auf dem Weg zur Arbeit standen am Morgen stadtweit zahlreiche, offenbar uninformierte Fahrgäste ratlos an Straßenbahn- und Busstationen. Im Ostteil der Hauptstadt machte sich besonders bemerkbar, dass die nur dort verkehrenden Straßenbahnen ausfielen. Überall kamen Schüler zu spät zur Vergabe ihrer Zeugnisse. Ärger löste auch aus, dass der Streik auch das Callcenter der BVG betraf. Verunsicherte Kunden bekamen keine Auskunft. Viele stiegen auf die S- und Regionalbahnen sowie Autos und Fahrräder um. Dadurch kam es gerade während des Berufsverkehrs zu Staus auf den Stadtautobahnen und im Innenstadtbereich.

Die Gewerkschaft will mit dem Streik ihrer Forderung nach Gehaltserhöhungen von acht bis zwölf Prozent für alle rund 11 500 BVG-Mitarbeiter Nachdruck verleihen. Ein Angebot der Arbeitgeber hatte die Tarifkommission von ver.di als "schlichte Provokation" zurückgewiesen. Diese hatten eine Einmalzahlung von 200 Euro und Einkommenserhöhungen von sechs Prozent bis Ende 2010 vorgeschlagen - aber nur für 1150 Beschäftigte, sie seit 2005 eingestellt wurden.

BVG-Chef Andreas Sturmowski kritisierte den Streik scharf. "Wir haben ein Angebot auf den Tisch gelegt - und ein Angebot heißt eigentlich, dass man darüber redet", sagte er nach Angaben einer Sprecherin. Ein vorgezogener Streik sei nicht verhältnismäßig. "Den Tarifkonflikt auf dem Rücken der Fahrgäste auszutragen, noch dazu am Tag der Zeugnisvergabe, wird als sehr überzogen wahrgenommen."

Dem Berliner Radiosender 91.4 sagte Sturmowski, dass für die rund 10 000 vor 2005 eingestellten Mitarbeiter für 13 Jahre eine Beschäftigungssicherung gelte. Er hoffe, dass Vernunft in den Streit einkehre.

Ver.di-Landeschefin Susanne Stumpenhusen empörte sich über das Argument der Arbeitgeber, die BVG-Beschäftigten seien überbezahlt. Das habe die Mitarbeiter auf die Palme gebracht. Mit dem Warnstreik solle Druck in den Tarifverhandlungen ausgeübt werden, sagte sie im rbb-Inforadio. Ver.di hoffe "stündlich" auf ein neues Angebot.

Die S-Bahn versuchte, die Folgen den Warnstreiks zu mildern. Bis zum Ende der Arbeitsniederlegungen werde der gesamte Fuhrpark eingesetzt, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Das seien mehr als 600 S-Bahnen. Auf den meisten Strecken sollen in dieser Zeit auch die längeren Züge mit sechs oder acht Wagen rollen. Schon am Freitag seien die Züge deutlich voller als üblich gewesen. In Berlin fahren mit Bus, Tram und U-Bahn zusammen jeden Tag fast so viele Menschen wie mit der S-Bahn (rund drei Millionen).

Zum Flughafen Tegel, der keinen S-Bahn-Anschluss hat, fuhren ersatzweise Busse der Bahn-Tochterfirma BEX. Das soll auch am Samstag so sein - die Busse verkehren dann wie sonst der TXL-Flughafenbus vom Alexanderplatz über Hauptbahnhof und Turmstraße nach Tegel. Zum Flughafen Schönefeld fiel die Verbindung über die U7 und einen Bus aus, Passagiere mussten auch dort auf die S-Bahn umsteigen.

Von dem Warnstreik profitierten die Taxifahrer. Bernd Dörendahl, erster Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes, sagte, rund zwei Drittel der stadtweit 6800 Wagen seien unterwegs. Sonst sei es nur die Hälfte.

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