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Berliner Narren plagen Nachwuchssorgen

Berlin . Unter dem Motto "Hier tanzt der Bär" werden an diesem Sonntag beim 8. Berliner Karnevalszug rund 3000 Jecken durch die City West ziehen. Insgesamt nehmen rund 60 Festwagen sowie fast 40 Fußgruppen und 18 Prinzenpaare aus der Region teil. Doch die Vereine plagen Nachwuchssorgen.

  Ungewohntes Bild: Die Tradition des Berliner Karnevalsumzugs ist noch jung. Zum achten Mal werden die Jecken in diesem Jahr an der Gedõchtniskirche vorbei zum Wittenbergplatz ziehen. Foto: ddp ©

Die Veranstalter rechnen wieder mit Hunderttausenden Zuschauern. Sie werden das Prinzenpaar mit "Berlin Hei-Jo" und "Ole ole ole, Karneval an der Spree" bejubeln. Doch was den eigenen Nachwuchs angeht, haben es die Karnevalsvereine in Berlin zur Zeit schwer. Aktive Garden gibt es nur in wenigen Vereinen, und auch diese sind oft nur durch persönliche Kontakte zustande gekommen.

Trotz stetig steigender Besucherzahlen beim Berliner Karnevalsumzug ist das Interesse am bunten Treiben in den Vereinen offenbar gering. "Um Werbung zu machen, haben wir am Karnevalssonntag schon mal Schokolade mit einer Kontaktadresse drauf verteilt - 2500 Stück. Und ganze zwei Mädchen sind gekommen", erzählt Ralf Stiller, Präsident der Prinzengarde der Stadt Berlin. "Das ist frustrierend." Bei der Prinzengarde tanzen zur Zeit nur neun Jugendliche. "Die jungen Mädchen gehen oft weg, wenn sie ihren ersten Freund kennenlernen. Der sagt ihnen dann, dass er Karneval nicht toll findet."

Die Stadtgarde Rot-Gold hat ein ähnliches Problem. Ihr stellvertretender Vorsitzender Detlef Martin glaubt, dass der Karneval in Berlin noch nicht berühmt genug ist. "Außerdem haben die Jugendlichen leider oft andere Interessen." Nur 16 der 100 Mitglieder des Vereins sind in der Altersgruppe zwischen 6 und 14 Jahren. "Danach gibt es eine große Lücke bis Anfang 40", sagt Martin.

Dabei haben sich die Vereine gut entwickelt. Während nach dem Krieg nur 13 Vereine in Berlin organisiert waren, sind es aktuell 24. Für sie ist die diesjährige Session aber besonders schwierig. Rosenmontag ist schon am 4. Februar - so früh wie seit 1913 nicht mehr. Grund dafür ist das frühe Ostern, denn Rosenmontag liegt immer 47 Tage vor Ostersonntag. Die Zeit zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch - zwischen Beginn und Ende der Karnevals-Session - ist also knapp. Tanzveranstaltungen und Maskenbälle liegen dicht an dicht, zwischendurch müssen die Garden auch noch mindestens zwei Mal pro Woche trainieren. "Manche Vereine haben aber schon gar keine Garde mehr", sagt Ralf Stiller.

Das Problem seien die vielen Freizeitmöglichkeiten in Berlin. "Die machen heutzutage lieber Jazzdance oder Hip-Hop. Karneval ist uncool bei den Jugendlichen." Eine Ausnahme ist da offenbar der Berliner Carneval Verein. 30 Mädchen im Alter zwischen 6 und 25 Jahren tanzen hier in der Garde. Mehr als 90 Mitglieder hat der Zusammenschluss. "Wir sind hier eine große Gemeinschaft und man fühlt sich wohl", sagt Präsident Reinhard Muß. Für die Vereine ist zudem schwierig, dass die Traditionen in der Hauptstadt nicht so stark sind wie zum Beispiel in der Karnevalshochburg Rheinland.

Während die rheinländische 260 000 Einwohner-Stadt Aachen mehr als 50 Karnevalsvereine hat, gibt es in Berlin gerade mal die Hälfte - bei 13 Mal mehr Einwohnern. Bei den Zuschauern kommt der Berliner Karnevalszug trotz Nachwuchssorgen in den Vereinen immer besser an. Denn die Zuschauerzahl beim großen Umzug in Berlin steigt. "Im Jahr 2000 hatten wir nur 180 000 Zuschauer", berichtet Reinhard Muß stolz. "Und letztes Jahr kamen 1,2 Millionen. Da sieht man doch, dass das Interesse gegeben ist."

Start ist um 11.11 Uhr am Steinplatz. Von dort ziehen die Narren über die Kurfürsten- und Tauentzienstraße zum Wittenbergplatz. Dort wendet der fast sechs Kilometer lange Zug und endet in der Joachimstaler Straße. Die Karnevalsparty im Anschluss an den Umzug findet in diesem Jahr im Eventcenter Q-Dorf statt.

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