. Nur vier Minuten und 39 Sekunden hat es gedauert, dann hatten Sebastian Erdmann, Nick Boywitz, Eike Lenz und Vichy Wollenberg die Holzbrücke zusammengebaut. "Und sie hält, ohne Leim und ohne Schrauben, ich bin schon drüber gelaufen", hat Nick erfolgreich getestet. Die geniale Konstruktion aus einfachen längeren und kürzeren Latten stammt von keinem geringen als Leonardo da Vinci (1452-1519), dem italienischen Maler, Bildhauer, Architekten und Philosophen. Allerdings braucht man zum Aufbau der Brücke eine ruhige Hand und logisches Denken, so die vier 13-Klässler. Sie haben sich die Konstruktion nur konzentriert am Modell angesehen - und dann gings los.
Die Leonardo-da-Vinci-Brücke war nur eine Aufgabe, die die Schüler beim gestrigen Projekttag zu lösen hatten. An mehreren Stationen, so zum Beispiel an der "Straße der Sucht", "Shampoo selbst gemacht" oder "Polizei" konnten die Schüler sich ausprobieren, lernen und Erfahrungen sammeln. Am Stand der Polizei erfuhren sie zum Beispiel, dass mit einem auf die Stirn gelegten Teststreifen anhand der Schweißabsonderung festgestellt werden kann, ob der Fahrer clean ist. An der "Gefühlswaage" konnten sie erfahren: Hunger erzeugt schlechte Laune.
Dass Hungern nicht die richtige Methode ist, um bei Figur zu bleiben, lernen die Schüler nicht nur an diesem Projekttag, sondern auch in der Lehrküche im Fach Wirtschaft/Arbeit/Technik (WTA). Denn die Gesamtschule teilt den allgemeinen gesellschaftlichen Trend: Auf der einen Seite sind viele Kinder zu dick, auf der anderen Seite zu dünn. Deshalb wird Bulimie (Ess-Brechsucht) auch hier thematisiert.
"Eine Umfrage, die wir kürzlich zum Thema gesundes Leben und gesunde Ernährung gemacht haben", zeigte zum Teil erschreckende Ergebnisse, bekennt Schulleiterin Dr. Steffi Missal. Als "Gesunde Schule" werde sich die Einrichtung weiter unentwegt mit dem Thema befassen. Das Projekt Comenius stelle eine weitere Herausforderung auf diesem Gebiet dar.
Dass es an anderen europäischen Schulen ähnliche Probleme gibt, machte Solveig Laupsa aus Förde in West-Norwegen, deutlich. 170 Sechs- bis 16-Jährige lernten hier, und gerade die Älteren lebten nicht so gesund wie sie sollten. Obwohl Alkohol sehr teuer sei, gebe es Jugendliche, die trinken, berichtet Solveig Laupsa. Damit Schüler sich mehr bewegten, habe die Regierung ein Programm zur Sportförderung beschlossen. Die Norwegerin war angetan von den Bedingungen an der Beeskower Schule. "Ich habe einen sehr guten Eindruck, die Schüler sind höflich und offen", lobte sie bei einem Rundgang durch die "Schulküche". Hier lehrt Britta Henke die Schüler, aus welchen Bestandteilen sich Lebensmittel zusammensetzen und wie man aus ihnen ein schmackhaftes Essen zubereiten kann. "Es geht nicht nur um gesunde Ernährung, sondern auch darum, den Wert von Lebensmitteln zu erkennen." Wer nicht nur Fastfood esse, sondern sich Zeit für die Zubereitung nehme, lebe bewusster und gesünder, findet die WTA-Lehrerin. Essen sollte man aber auch ohne schlechtes Gewissen genießen können - zum Beispiel das leckere Schokoladenfondue mit Obst, von dem gestern probiert werden konnte.
Liane Herrmann, die die Fäden für das Comenia-Projekt in Händen hält, findet es wichtig, dass Schüler über Ländergrenzen von- und miteinander lernen. Im April besucht sie mit Schülern die Partnerschule in Norwegen.
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