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Hypo Real Estate streicht Hälfte der Jobs

München . Der krisengeschüttelte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate will sein Überleben mit einem radikalen Konzernumbau sichern und mehr als die Hälfte seiner Arbeitsplätze streichen. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren rund 1000 der derzeit 1800 Stellen weltweit wegfallen, berichtete das Unternehmen am Samstag in München. Die Einschnitte seien als Bestandteil der Restrukturierung notwendig, sagte Konzernchef Axel Wieandt, der nach der Notrettung des Konzerns im Oktober an die Firmenspitze geholt worden war. "Es gibt dazu keine Alternative." Zwei Drittel des Stellenabbaus entfällt auf das Ausland.

Nach der Razzia der Staatsanwaltschaft München trennt sich die Bank außerdem von mehreren noch amtierenden beziehungsweise ehemaligen Vorstandsmitgliedern. Betroffen sind Finanzvorstand Markus Fell und sein Vorstandskollege Frank Lamby. Außerdem würden die Dienstverhältnisse des früheren Konzernchefs Georg Funke und von Ex- Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen mit sofortiger Wirkung beendet. Beide hatten angesichts der Krise der Bank bereits ihre Vorstandsposten geräumt. Zu den Hintergründen der Personalien äußerte sich Wieandt nicht. Die Staatsanwaltschaft München hatte vor einigen Tagen wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen und falsche Darstellungen nach dem Aktiengesetz die Bank durchsuchen lassen.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) sind in Ermittlungsunterlagen schwere Vorwürfe gegen Fell laut geworden. So habe er als Finanzvorstand noch am 25. September bei einer Bankenkonferenz in München die Lage bei der irischen Tochter Depfa als stabil bezeichnet, obwohl er zuvor zusammen mit Funke wegen der Refinanzierungsprobleme der Bank bereits bei der Deutschen Bank vorgesprochen habe.

Ende September stand die Hypo Real Estate wegen der Probleme der Depfa kurz vor dem Kollaps und musste von Banken und Bund mit 50 Milliarden Euro gerettet werden. Diese Summe reicht allerdings langfristig nicht aus. Derzeit verhandelt der Konzern nach eigenen Angaben mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) über weitere Unterstützungsmaßnahmen.

Im Gegenzug für die staatliche Unterstützung musste die Hypo Real Estate ein neues Geschäftsmodell ausarbeiten, um ihre Zukunft zu sichern. Wieandt kündigte an, dass sich der Konzern künftig vor allem auf Deutschland und Europa konzentrieren und von anderen Teilen des Geschäfts trennen wird. "Wir sind zuversichtlich, dass wir mit diesem Restrukturierungsprogramm auf dem richtigen Weg sind", sagte er. Mit Hilfe des Umbaus will die Bank die jährlichen Kosten bis 2011 um rund 200 Millionen Euro senken und bis 2013 um rund 250 Millionen Euro.

Unter anderem will die Bank die nicht zum künftigen Geschäftsmodell passenden Kapitalmarkt- und Handelsgeschäfte einstellen. Außerdem zieht sie den Verkauf von nichtstrategischen Aktivitäten in Betracht. Der bisher eher lose Unternehmensverbund soll stärker integriert werden. Dafür plant der Immobilienfinanzierer die Verschmelzung der Hypo Real Estate Bank International sowie der DEPFA Deutsche Pfandbriefbank AG auf die Hypo Real Estate Bank AG.

Für die Restrukturierungen veranschlagt die Bank Einmalbelastungen in Höhe von insgesamt 400 Millionen Euro. Rund zwei Drittel davon würden voraussichtlich in den Abschluss des vierten Quartals 2008 eingestellt, hieß es. Wegen der weiteren Verschlechterung des Marktumfeldes stellt sich die Hypo Real Estate auf einen Jahresverlust ein. "Die Bedingungen an den internationalen Kredit- und Immobilienmärkten haben sich im laufenden Quartal weiter eingetrübt", erklärte die Bank. Im dritten Quartal hatte der Konzern einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro gemacht.

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