. und Monika Schmidt
Bürgermeister Friedhelm Boginski ließ in den letzten Wochen nichts unversucht. Am 17. Dezember schrieb er noch einmal einen Brief an alle Fraktionsvorsitzenden des Kreistages, um für einen Zuschuss in Höhe von rund 500 000 Euro für den Eberswalder Zoo zu bitten.
Die Angelegenheit sei von "immenser Bedeutung" schrieb Boginski, denn die Stadt Eberswalde rechne spätestens im Jahr 2011 mit einem strukturellen Defizit in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund sei die Zukunft des Zoos gefährdet, wenn dieser nicht Unterstützung seitens des Kreises erfahre. "Sie dürfen versichert sein, dass ich mich nicht an Sie wenden würde, wenn Eberswalde das Problem allein lösen könnte", so der Bürgermeister. Am entsprechenden Willen der Stadt mangele es jedenfalls nicht, versicherte er.
Doch die Vorsitzenden der drei großen Fraktionen im Kreistag, Linke, SPD und CDU, zeigten sich von dem Boginski-Brief wenig beeindruckt. Auf einer gemeinsamen Beratung gestern in Marienwerder wurden sie sich schnell einig. "Nach wie vor fehlt das Konzept", stellte Margitta Mächtig (Linke) fest. Es gebe kein Papier, dass die Einnahmen und Ausgaben des Zoos dokumentiere, kritisierten sie und ihre Amtskollegen von SPD und CDU, Petra Bierwirth und Danko Jur.
Die Versicherung von Bürgermeister Friedhelm Boginski, der beantragte Zusschuss solle "nicht einer Erweiterung des Zoos dienen - eine solche ist schon mangels Finanzierbarkeit nicht beabsichtigt - sondern lediglich den Status Quo sichern, also den Erhalt des Zoos in seiner jetzigen Qualität", reicht den drei Fraktionsvorsitzenden "bei weitem nicht aus, um eine solch hohe Summe aus dem Kreishaushalt zur Verfügung zu stellen". "Wir wissen immer noch nicht, wofür die 500 000 Euro verwandt werden sollen", bemängeln sie und verkünden fest entschlossen: "Wenn kein Konzept vorgelegt wird, gibt es von unseren Fraktionen im Kreistag keine Fürsprache für den Zuschuss an den Zoo".
Sichtlich betroffen zeigte sich gestern Zoo-Chef Bernd Hensch von der Entscheidung der drei Fraktionschefs. "Ich verstehe das nicht. Ich bin doch erst für den 5. Januar in die Fraktionssitzungen von CDU und Linken und am 9. Januar bei der SPD eingeladen", wunderte er sich. "Und dazu habe ich schon alle Unterlagen parat. Natürlich haben wir ein Konzept, sonst wären wir doch nicht bester Zoo Deutschlands geworden", so Hensch. "Ich kann über jedes noch so kleine Detail Auskunft geben, über jedes", versicherte er und hofft, dass er im Januar das Ruder in den Fraktionen noch einmal herum reißen kann.
Eberswaldes Bürgermeister Boginski war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, weil er sich im Urlaub befindet. Doch unverdrossen hat er in den letzten Wochen immer wieder begründet, wofür Stadt und Zoo die finanzielle Unterstützung brauchen.
So gehören zu den Hauptausgabeposten im Zoo nach wie vor die Personalkosten. Die schlagen vor allem nach den Tariferhöhungen mit rund 1,3 Millionen Euro kräftig zu Buche. Eine Reduzierung der Beschäftigten sei nicht mehr möglich, argumentieren Bürgermeister und Zoo-Chef. Mit 32,5 Personalstellen habe der Eberswalder Zoo etwa ein Drittel weniger Mitarbeiter als vergleichbare Einrichtungen in anderen Städten. Mehr Geld, braucht der Zoo auch, um sich umwelttechnisch für die Zukunft zu rüsten. Vorrang dabei sollen energiesparende Maßnahmen haben.
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