Wellmitz . Derzeit wird aufgrund eines Volksbegehrens viel über den Sinn und Unsinn neuer Braunkohletagebaue in der Lausitz diskutiert. Auch in Wellmitz, Ratzdorf und Umgebung hat das Thema eine ganz besondere Bedeutung. Denn diese Dörfer sind auf Braunkohle gebaut. Und nicht nur das, in der so genannten TU-Clausthal-Studie des Wirtschaftsministeriums werden mögliche Tagebau-Flächen ausgezeichnet - auch Wellmitz spielt dort eine Rolle, weiß Falk Hermenau, Initiator des Volksbegehrens Keine Neuen Tagebaue. "Es wurde dort als Priorität A genannt." Das bedeutet, wo jetzt noch über die Zwangsumsiedlung von Orten wie Kerkwitz, Grabko und Atterwasch geredet wird, weil Vattenfall neue Braunkohle braucht, könnte irgendwann auch der Name Wellmitz auftauchen.
Nicht zuletzt deshalb hat die evangelische Kirchengemeinde Wellmitz-Ratzdorf vor kurzem eine Informationsveranstaltung zu Tagebauen durchgeführt. "Wenn man als Seelsorger sein Ohr an der Gemeinde hat, dann werden solche Themen regelrecht angespült", sagt Pfarrer Uwe Weise, der selbst schon an dem Volksbegehren teilgenommen hat. Natürlich würden viele Bewohner das Problem kennen - schließlich wurde schon zu DDR-Zeiten vom "Kohlebecken Wellmitz" geredet. Henzendorf, Ratzdorf, Bahro, Streichwitz und Wellmitz seien beispielsweise Orte gewesen, die bereits damals als mögliche Tagebauflächen vorgesehen waren. "Von den 70er Jahren an galt das gesamte Areal als Schutzgebiet. Da durften keine großen Investitionen getätigt werden, weil immer damit gerechnet wurde, dass der Kohleabbau beginnt", erklärt Uwe Weise. Nach der politischen Wende sei dieses Verbot dann aufgehoben worden. Das Thema Tagebaue hatte sich damit erledigt - scheinbar. "Von da an haben viele Menschen mächtig viel Geld in ihre Grundstücke investiert." Es wurde neu gebaut. Familien siedelten sich an. Doch jetzt werden alle von der Vergangenheit eingeholt, weil Vattenfall weitere Tagebauflächen erschließt. Und ein Ende ist nicht absehbar. Keiner weiß derzeit, ob Wellmitz verschont bleibt. Natürlich sei bei den Bewohnern Angst vorhanden. "Aber viele verdrängen das alles noch", betont Pfarrer Uwe Weise.
Roland Lehmann kann die Angst nicht mehr verdrängen. Er lebt damit - und zwar in Kerkwitz. "Wenn Vattenfall seine Pläne umsetzt, wenn das Volksbegehren misslingt, wird unser Ort bald vom Erdboden verschwinden", sagt er. "Aber es geht ja nicht nur um die einzelnen Schicksale. Durch die Tagebaue wird ja auch die Landschaft zerschunden. Das müssen Sie sich mal vor Ort ansehen."
Hans-Georg Köhler, Amtsdirektor von Neuzelle, liegt das Thema ebenfalls sehr am Herzen: "Die Tagebaue sind nicht weit weg. Das spielt sich schon jetzt vor unserer Haustür ab." Und vielleicht sei man eines Tages sogar ganz direkt davon betroffen. "Möglich ist das durchaus", glaubt Köhler. "Stellen Sie sich mal vor, was das für diese Region bedeuten würde - auch was den Tourismus angeht."
Doch offensichtlich denken nicht viele wie er - zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man sich die Teilnahme am Volksbegehren gegen die neuen Tagebaue in der Lausitz ansieht. "Die Resonanz ist bei uns im Amt bis dato nicht sehr groß", sagt Hans-Georg Köhler. "In den letzten zwei Monaten haben etwa 150 Menschen unterschrieben." Insgesamt müssen in ganz Brandenburg bis 9. Februar aber 80 000 Stimmen zusammenkommen, damit die Landesregierung die Pläne von Vattenfall noch einmal unter die Lupe nimmt. "Wir werden unsere Meldestelle an einem Sonnabend jedenfalls zusätzlich öffnen", betont Hans-Georg Köhler. "Am 31. Januar können dann auch die Bürger ihre Unterschrift abgeben, die es aufgrund ihrer Arbeit nicht schaffen, wochentags ins Amt zu kommen", so der Amtsdirektor.
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