Letschin . " Mehr Zeit, mehr Zuwendung, mehr Bildung, mehr Erzieher für unsere Kinder". Das fordert eine Initiative seit mehreren Monaten von der Landesregierung. Die Kita "Sonnenschein" beteiligt sich an dieser Aktion. Über 200 Unterschriften haben die Erzieherinnen bereits gesammelt - und es sollen noch mehr werden.
"Wir sind dabei", sagt Heinke Schnabel, Leiterin der Kita "Sonnenschein" in Letschin. "Nur wenn wir uns gemeinsam stark machen, können wir auch etwas erreichen", ist sie überzeugt. Die Einrichtung unterstützt - wie bereits Neuhardenberg - die Kita-initiative Brandenburg. Diese fordert seit mehreren Monaten von der Landesregierung mehr Erzieher in den Einrichtungen für Kleinkinder einzusetzen.
Denn der bisherige Betreuungsschlüssel für eine qualitativ gute Betreuung reicht in vielen Kitas schon lange nicht mehr aus, sagen die Initiatoren. Diese Erfahrung muss auch Heinke Schnabel tagtäglich machen. "Theoretisch müssten sich unsere Erzieherinnen um sieben Krippenkinder und 13 größere Kinder kümmern", sagt sie. Soweit die gesetzliche Regelung. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die Gruppen sind viel größer. In der Kita "Sonnenschein" betreut eine Erzieherin bis zu acht Krippenkinder und 15 größere - Urlaub, Fortbildungen oder Krankheit nicht mitgerechnet. Dann kämen nämlich noch mehr Kinder auf eine Erzieherin.
Besonders im Hinblick auf die Bildungsarbeit, die die Landesregierung von Kindereinrichtungen verlangt, hat die Kitaleiterin für die derzeitige Situation wenig Verständnis. "Laut des neuen Kita-Gesetzes gehört zu den neuen Aufgaben eines Erziehers unter anderem, den Sprachstand der Kinder festzustellen und Sprachförderung falls nötig. Den Kindern soll elementare Bildung als Vorbereitung auf die Grundschule vermittelt werden. Wir erfüllen diese Aufgaben sehr gerne. Alle unsere Erzieherinnen stehen hinter dem Konzept und opfern sich dafür auf. Insgesamt sind aber auch die Anforderungen an die Erzieherinnen gestiegen. Und das bei einem unveränderten Personalschlüssel. Denn leider hat das Ministerium nicht berücksichtigt, dass nur durch Ausschöpfung aller Ressourcen dieses Konzept tatsächlich realisiert werden kann. Aber unsere Zeitressourcen sind schon lange ausgeschöpft", erklärt Heinke Schnabel. Für die Kitaleiterin steht fest, dass, wer Qualität fordert, auch die Mittel zur Verfügung stellen muss. Deshalb setzt sie sich dafür ein, dass der Personalschlüssel angehoben wird, Erzieherinnen Vor- und Nachbereitungszeiten nicht mehr in der Freizeit erledigen müssen und Kita-Leitern der doppelte Schlüssel als bisher angerechnet wird.
Auch Peter Strohbach, stellvertretender Vorsitzender des Elternvereins der Kita "Frechdachse" in Seelow, hält die derzeitige Praxis in den Kita-Einrichtungen für unzureichend. "Erzieher leisten alles was in ihrer Kraft steht", sagt er. "Schließlich soll die Betreuung nicht nur eine Aufbewahrung sein, sondern eine hochwertige, sinnvolle Arbeit mit den Kindern." Deshalb fordert auch er, dass Erzieher die zeitliche Möglichkeit erhalten sollen, Bildung zu vermitteln. Aus diesem Grund verdiene die Kita-Initiative seine Zustimmung, so Strohbach.
Im Rahmen der brandenburgweiten Kinderinitiative, sammelt die Letschiner Kita seit Dezember Unterschriften. Mehr als 200 Leute haben sich bereits in die Liste eingetragen. Und es sollen noch mehr wer. Dazu liegen die Unterschriftenlisten auch weiterhin an der Kita am Schwarzen Weg aus, in der Sparkasse und Gemeindeverwaltung. "Jede Stimme zählt", betont Heinke Schnabel. "Nur so können wir etwas erreichen."
Am 13. November stellten Ute Günzel und Alexandra Lange aus Oranienburg die Homepage ihrer Kita-Initiative (www.kitainitiative-brandenburg.de) ins Netz. Ein Brief, der den Betreuungsnotstand beschreibt, lässt sich dort ausdrucken. "In keinem anderen Land der Bundesrepublik Deutschland muss eine Erzieherin für so viele Kinder sorgen wie in Brandenburg", heißt es darin. Durch Fehlzeiten sei eine Erzieherin häufig mit 20 bis 30 Kindern allein. Adressat der Briefe ist Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).
Mehr als 1000 dieser Briefe, mit denen mehr Erzieherinnen gefordert werden, sind bereits in der Staatskanzlei eingegangen. Brandenburg ist zwar bundesweit Spitze, was das Angebot an Krippen- und Kita-Plätzen angeht. "Beim Betreuungsschlüssel aber ist das Land Schlusslicht. In den Krippen muss sich selbst nach der offiziellen Zählweise eine Erzieherin um mehr als sieben Kleinkinder bis zu drei Jahren kümmern", steht weiter in dem Brief. "In Berlin sind es sechs, in Rheinland-Pfalz oft nur vier noch zu windelnde Kinder. Bei den Größeren bis sechs Jahre ist ein Pädagoge für 13 Kinder verantwortlich (Berlin: 10)."
Die Initiative organisiert seit ihrem Bestehen verschiedene Aktionen. So soll ab März eine Wunschzettel-Box von Landkreis zu Landkreis gereicht werden, um die Wünsche von Kindern, Eltern, Erziehern und Gästen zum Thema Kita/Hort zu sammeln.
Weitere Infos: www.kita- initiative-brandenburg.de
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