Freitag, 10. Februar 2012

Frankfurt
sonnig
-11°C/-8°C

26.02.2009 16:47 Uhr

details/dg/0/

"Es brennt in den Kitas"

Potsdam . Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) hält eine rasche Umsetzung von Forderungen einiger Kita-Initiativen nicht für möglich. Diese streiten für bessere Betreuungsschlüssel sowie mehr Zeit für Kita-Leiterinnen. Das Land befürchtet Mehrkosten von 200 bis 300 Millionen Euro.

  Zu viele Kinder auf eine Erzieherin: Auch in der Kindertagesstõtte "Kreatives Freizeitzentrum" in Bernau (Barnim) sorgt der vom Land festgelegte Betreuungsschl³ssel f³r ─rger. Im Moment gilt statistisch 1:7. Foto: MOZ/Britta Gallrein ©

Ute Günzel ist am Donnerstag nicht in "ihre" Kita "Eden" in Oranienburg (Oberhavel) gefahren, sondern in den Landtag nach Potsdam. Für sie und ihre Kolleginnen ist das ein Kraftakt, denn von den zehn Erzieherinnen sind ohnehin schon vier ausgefallen. Mit Überstunden und der Hilfe einer Großmutter wird die Lücke notdürftig geschlossen, denn Ute Günzel gehört zu den Initiatoren der Kita-Initiative Brandenburg.

Im Landtag werben die Regierungsfraktionen am Vormittag für ihre Gratwanderung zwischen Wünschenswertem und Machbarem. Dabei macht Bildungsminister Holger Rupprecht unmissverständlich klar: Die Forderungen der Kita-Initiativen würden Mehrkosten in Höhe von 200 bis 300 Millionen Euro verursachen - unbezahlbar.

Rupprecht zählt in der Aktuellen Stunde - wie auch die Redner der Fraktionen von SPD und CDU - auf, was alles schon getan wurde und was sich das Land die Betreuung der Kinder kosten lässt, derzeit immerhin fast 150 Millionen Euro. Die Kitas nennt er eine "Erfolgsgeschichte". Gewiss, die Qualität müsse gesteigert werden, räumen alle ein, aber mit Augenmaß. Der Minister verweist auch auf die Ankündigung seiner SPD, nach der Landtagswahl im September den Betreuungsschlüssel für Krippenkinder mit gut 17 Millionen Euro zu verbessern - nämlich von statistisch Eins zu Sieben auf Eins zu Sechs.

Günzel ringt sich ein müdes Lächeln ab. "Es wäre traumhaft, wenn wir auf die rechnerischen Betreuungsschlüssel kämen." In der Praxis sei eine Erzieherin oft für zwei- oder dreimal so viele Kinder zuständig.

Im Plenum macht sich unterdessen die oppositionelle Linksfraktion für die Forderungen der Eltern und Erzieherinnen stark. Die Bildungsexpertin Gerrit Große trägt die Forderungen vor: Die Personalschlüssel sollen erhöht werden, für die unter Dreijährigen auf Eins zu Fünf, für die Drei- bis Sechsjährigen auf 1:8, für Hortkinder auf 1:18. Zudem sollen die Erzieherinnen mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung bekommen, die Kita-Leiterinnen mehr Zeit für ihre Leitungsaufgaben. Für all das müsse es einen Stufenplan geben.

"Wir können uns nicht alles leisten, was wir uns wünschen", sagt Rupprecht achselzuckend. Auch auf seinem Zettel stünden etwa bessere Arbeitsbedingungen für die Kita-Leiterinnen ganz oben. Und Große wirbt als erste Maßnahme für die schnelle Aufstockung des Betreuungsschlüssels für Krippenkinder. Das Geld sei da, ebenso wie die Erzieherinnen, die ja oft nur Teilzeit arbeiten würden.

Rund 5000 Briefe, in denen die Ziele der Kita-Initiative unterstützt werden, seien bereits in der Staatskanzlei eingegangen, sagt Günzel. Dazu seien bereits einige hundert Wunschzettel "zum zügigen Abarbeiten an die Landtagsabgeordneten" angekommen, auf denen die Forderungen stehen.

Ute Günzel hat die Initiative zusammen mit der Mutter Alexandra Lange gegründet. Sie seien von den hohen Kosten ihrer Initiative nicht beeindruckt, versichern sie. Frustriert von den Widerständen seien sie auch nicht. Eher überrascht von dem Zuspruch. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) persönlich habe ihnen anvertraut, dass das Thema ohne die Initiative jetzt nicht solches politisches Gewicht hätte. Und er habe für die Pläne der SPD geworben. "Leute, die nicht so tief im Kita-Bereich drinstecken, könnten sich davon vielleicht beeindrucken lassen", sagt Günzel.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Lesezeichen setzen

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

14.11.2008 17:48 Thema

Eltern fordern mehr Kita-Erzieher

Berlin/Brandenburg In Brandenburg haben zwei neue Initiativen ihre Kampagnen für mehr Erzieher in Kindertagesstätten gestartet. Am Freitag überreichte die Gruppe " Jetzt... mehr

27.12.2008 10:34 Thema

Kitas bekommen nicht mehr Geld für Personal

Berlin/Brandenburg Trotz wachsender Kritik von Eltern und Erzieherinnen sieht Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) kaum Chancen für schnelle Qualitätsverbesserungen... mehr

29.01.2009 18:55 Thema

Mehr Zeit, mehr Bildung

Seelow " Mehr Zeit, mehr Zuwendung, mehr Bildung, mehr Erzieher für unsere Kinder ". Das fordert eine Initiative seit mehreren Monaten von der Landesregierung.... mehr




Regionalnavigator

Angermünde Bad Freienwalde Beeskow Bernau Eberswalde Eisenhüttenstadt Erkner Frankfurt (Oder) Fürstenwalde Schwedt/Oder Seelow Strausberg

Ort, PLZ oder Redaktion

Regional

© 2010 moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG
...