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Triebwerksausfall bei Unglücks-Boeing vermutet - Deutscher überlebte

Amsterdam/Istanbul . Als Ursache für den Absturz einer türkischen Passagiermaschine nahe Amsterdam, bei dem neun Menschen starben und 86 verletzt wurden, vermuten Experten einen Ausfall der Triebwerke. An dem Flugzeug sollen bereits in der Woche vor dem Unglück zwei Mal technische Probleme aufgetreten sein. Die konkrete Ursache für den Absturz war am Donnerstag aber noch unklar. Derweil teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit, dass unter den 125 Überlebenden auch ein 48-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen ist. Der Mann hatte großes Glück: Er erlitt nur leichte Verletzungen und musste nicht im Krankenhaus behandelt werden.

  Spurensuche am Tag nach dem Ungl³ck: Die Ermittler haben sich am Donnerstag schon ein wenig der Absturzursache f³r die Boeing der Turkish Airlines bei Amsterdam angenõhert. Foto: dpa ©

An der Passagiermaschine der Turkish Airlines habe es am 18. Februar Probleme mit den Start- und Landeklappen gegeben, die als Auftriebshilfen dienen. Das berichteten türkische Medien am Donnerstag. Nachdem die Piloten auf Probleme hingewiesen hätten, sei an dem Flugzeug gearbeitet worden. Am Montag dieser Woche sollen Piloten zudem einen Start mit der Boeing 737-800 abgebrochen haben, weil ein Warnsystem aufleuchtete. Die Maschine sei danach erneut gewartet worden.

Fachleute setzten am Donnerstag intensiv die Auswertung der vom Stimmenrekorder aufgezeichneten Cockpit-Gespräche sowie des Flugdatenschreibers fort. Beide Geräte wurden inzwischen, wie international üblich, einem Spezialinstitut in Paris übergeben. Zugleich ging die Untersuchung der Wrackteile der Boeing weiter. Bei dem Absturz auf einen Acker nahe des Flughafens Schiphol wurden am Mittwoch auch die beiden Piloten und ein Pilot in der Ausbildung getötet.

Experten des niederländischen Instituts für Luftfahrtsicherheit gehen bislang davon aus, dass die Maschine beim Landeanflug nicht genügend Leistung brachte. Denkbar sei ein Versagen der Triebwerke, aber auch ein "instabiler Landeanflug", hieß es in einer Mitteilung der staatlichen Einrichtung.

Die Piloten waren von dem Absturz offenbar völlig überrascht. Der Kapitän meldete der Flugkontrolle auf dem Airport Schiphol keinerlei Probleme, als er sich kurz vorher die Landeerlaubnis erteilen ließ. Das geht aus den inzwischen teilweise veröffentlichten Aufzeichnungen des Funkverkehrs hervor. Diese Erkenntnisse bestärken Experten in der Vermutung, dass die Boeing durch einen plötzlichen Ausfall der Triebwerke abstürzte. Die Untersuchungen sollen noch mehrere Tage andauern.

Ein Sprecher der Turkish Airlines erklärte in Istanbul, der dritte Pilot im Cockpit habe ein Training erhalten. Olgay Özgür (29) sei aber bereits seit 2004 im Besitz einer Pilotenlizenz gewesen. Zuvor war spekuliert worden, dass er die Maschine geführt haben könnte.

Der Koordinator der Untersuchungen, Pieter van Vollenhoven, äußerte sich nach einer Besichtigung des Wracks der in drei Teile zerbrochenen Maschine "sehr überrascht", dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe. Die Zerstörungen an dem Flugzeug seien enorm. Die drei Piloten im Cockpit seien durch eine beim Aufprall herausbrechende Instrumententafel erschlagen worden. Angaben von Überlebenden würden bestätigen, dass die Maschine bei einem zunächst normal erscheinenden Landeanflug plötzlich in den freien Fall überging.

Augenzeugen am Boden hatten berichtet, das Flugzeug sei im Vergleich zu anderen Maschinen, die auf dem Amsterdamer Airport Schiphol landeten, "erstaunlich tief geflogen". Die Triebwerksgeräusche seien stärker als gewohnt gewesen und plötzlich ausgeblieben, berichteten Anwohner von Gemeinden in Flughafennähe. "Wahrscheinlich ist etwas mit den Antrieben schiefgegangen", sagte der Experte Michel van Tooren von der Technischen Universität Delft. Überlegungen, wonach der Maschine der Treibstoff ausgegangen sein könnte, wurden zunächst nicht bestätigt.

Der Wetterdienst erklärte, dass Wind, Sicht und Temperatur zum Zeitpunkt des Unglücks am Mittwochvormittag unproblematisch gewesen seien. Zur Unterstützung der Untersuchung wurden in Amsterdam Vertreter des US-Flugzeugbauers Boeing sowie türkische Experten erwartet. Die niederländische Königin Beatrix sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende kondolierte - ebenso wie tausende Menschen, die auf einer eigens eingerichteten Website Trauer und Bestürzung bekundeten.

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