Ludwigshafen . Kunst, soweit das Auge reicht: Werke internationaler Größen wie Kandinsky und Picasso neben schlichten Landschaftsporträts, die auch bei Hempels überm Sofa ihren Platz haben könnten. Das städtische Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen wagt zu seiner Wiedereröffnung an diesem Freitag ein Experiment, das es so noch nicht oft gegeben hat: Die komplette Sammlung wurde aus den Depots geholt, das sind 9236 erfasste Werke. In der Ausstellung "alles" wird bis 26. April ein großer Teil zu sehen sein - dicht gedrängt an den Wänden des Museums aufgehängt, ohne Ordnung und Beschriftung. "Das ist eigentlich ein Gesamtkunstwerk", sagt der neue Museumsdirektor Reinhard Spieler.
Kunst, soweit das Auge reicht: Das stõdtische Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen hat die komplette Sammlung aus den Depots geholt und zeigt sie in einer Ausstellung. Foto: dpa
Was steckt dahinter? Spieler hat Ende 2007 in dem Museum den Chefposten angetreten. Das Museum ist inzwischen 30 Jahre alt, es baute auf eine Schenkung des Kölner Kaufmanns Wilhelm Hack (1899- 1985) auf, der seine Kunstsammlung der Stadt Ludwigshafen überließ. Im Laufe der Jahrzehnte kamen immer mehr Kunstwerke dazu. Dem Museum indes haftete in den vergangenen Jahren der Ruf an, etwas langweilig geworden zu sein.
"Wer sind wir eigentlich? Was ist unsere Identität?" - das seien Fragen, die ihm nach seinem Start in Ludwigshafen gekommen seien, erzählt Spieler. Er beschloss, eine "kompromisslose Bilanz" zu ziehen. Also wurden die Depots geöffnet und fast alles - wie es gerade kam - wurde nacheinander an den Wänden des Museums aufgehängt. Zwischen den einzelnen Rahmen sind oft nur ein, zwei Zentimeter Platz, abstrakte Kunst hängt neben Porträts. Es ergibt sich ein beeindruckendes, aber auch etwas verstörendes Bild.
Hinweise auf Titel und Künstler der gezeigten Werke sucht man in der Ausstellung vergebens, für die Besucher ist es also auch ein bisschen Rätselraten. "Wir wollten jetzt erstmal weg von den Namen", sagt Spieler. Auch er könne nicht jedes Werk, das hier gezeigt werde, zuordnen. Neben großer Kunst sei auch manche "irritierende Arbeit" dabei, meint er mit Blick auf die Qualität.
Die große Ausstellung bot sich auch aus einem anderen Grund an. Das Museum wurde 17 Monate lang komplett modernisiert - Wände wurden herausgerissen, das Gebäude wurde gedämmt, es gibt eine neue Klima- und eine Beleuchtungsanlage. Der Schwerpunkt wurde aufs Energiesparen gelegt: Rund fünf Millionen Euro hat die Modernisierung gekostet, künftig sollen bis zu 60 Prozent der Energiekosten eingespart werden. Das Museum war in dieser Zeit geschlossen, die Sammlung wurde ausgelagert - und kam anschließend direkt an die Wände.
Der Ausstellungstitel "alles" übertreibt allerdings ein kleines bisschen. "fast alles" wäre wohl korrekter. Zu den mehr als 9000 Werken zählen alleine rund 6000 Grafiken - um diese alle zu präsentieren, hatte das Museum bei weitem nicht genug Rahmen und Platz. Der allergrößte Teil der Grafiken bleibt deshalb in Schränken verstaut.
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