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Schützender Pieks im Barnim verbreitet

Landkreis Barnim . Zahlreiche Fälle von Masern im Norden und Westen Deutschlands haben gezeigt, wie wichtig Impfungen sind, vor allem für Kinder. Im Barnim sei der Impfstatus gut, attestiert die Barnimer Amtsärztin Beate Schmidt-Grimm. Probleme gibt es aber. Zum Beispiel, weil zahlreiche Impfstoffe nur noch als Kombi-Produkte zur Verfügung stehen.

  Gut ger³stet: Tamara Helm aus der Kaisergarten Apotheke mit Impfstoffen f³r Kinder. Die gibt es derzeit nur noch als Kombiprõparate und nicht mehr einzeln. Foto: Ernst-G³nther Ehlert ©

Von 1500 Erstklässlern, die im vergangenen Jahr zur Einschulungsuntersuchung kamen, hatten 1350 ihren Impfausweis dabei. "Von denen waren 90 Prozent gegen Diphtherie, Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln und Hepatitis B geimpft. Das ist eine gute Rate. Damit haben wir einen guten Gruppenschutz. Wenige Ungeimpfte fallen damit nicht mehr so stark ins Gewicht", sagt Beate Schmidt-Grimm.

Auch der Bernauer Kinderarzt Ralph Gall hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Eltern bereit sind, ihre Kinder impfen zu lassen. "Bei den kleinen Kindern denken die Eltern daran, leider vergessen einige die spätere Auffrischung", so die Erfahrung des Mediziners. "Das hat sich dadurch gebessert, dass die Eltern jetzt einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung eingeladen werden. Da impfen wir dann bei Bedarf gleich mit." Bei Jugendlichen werde es dann wieder schwerer, die Auffrischungstermine einzuhalten.

Über Sinn und Unsinn von Impfungen wird im Barnim im Gegensatz zu anderen Teilen Deutschlands offenbar wenig gestritten. "Es passiert nur ganz selten, dass Eltern nicht alle Impfungen wollen", weiß Ralph Gall. Er hält im Übrigen alle für sinnvoll, auch die umstrittene Hepatitis B-Impfung.

Diese Form der Hepatitis wird vor allem durch Geschlechtsverkehr übertragen. Eine Impfung sei sinnvoll, wenn Jugendliche erste sexuelle Kontakte haben. Wissenschaftliche Studien haben aber ergeben, dass bei Kindern, die als Babys gegen Hepatitis B geimpft werden, im Alter von 16 Jahren kaum noch Schutzwirkung vorhanden ist. Eine routinemäßige Auffrischung für Teenager wird von der Impfkommission nicht empfohlen.

Ralph Gall hält die Impfung für sehr wichtig. "Hepatitis B kann auch durch Blut übertragen werden. Gerade in Kindereinrichtungen kann es zu Kontakt kommen. Kinder sind besonders empfänglich für Hepatitis B", meint der Arzt. Man solle das auf jeden Fall impfen lassen.

"95 Prozent der Eltern lassen alles impfen, die übrigen fünf Prozent reflektieren das Thema", hat die Bernauer Kinderärztin Ursula Schlenther erfahren, die ein Nachdenken vor allem über den Zeitpunkt der Behandlung für wichtig hält und Eltern gern über Zusammenhänge aufklärt. "Viele Eltern, die impfen lassen, wissen kaum etwas über die Krankheiten und Übertragungswege."

Problematisch sei, dass es in den Praxen keine einzelnen Impfstoffe, sondern nur Kombinationspräparate gibt. "Wenn in einer Klasse ein Fall von Keuchhusten auftritt, konnte ich früher den Rest der Klasse dagegen impfen", sagt Beate Schmidt-Grimm. "Heute geht das nicht, weil es den einzelnen Impfstoff nicht mehr gibt. Ich muss antibiotisch behandeln, was man eigentlich lieber vermeiden will", erklärt sie das Problem.

Warum es die Stoffe nur noch als Kombination gibt? "Da müssen Sie die Pharmaindustrie fragen", so die Auskunft der Ärztin, die impfkritischen Eltern nicht ablehnend gegenüber steht, "solange die wissen, was sie wollen und es nicht aus Prinzip ablehnen".

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