. Vor fünf Jahren waren sie diesseits und jenseits der Oder erstmals zu sehen: Deutsch-polnische Polizeistreifen. Doch während damals die "Ausflüge" Frankfurter Polizisten in Slubice (und umgekehrt) noch unbewaffnet und an einer Hand abzuzählen waren, wurden 2008 an 135 Tagen gemeinsame Streifen von insgesamt 613 Stunden organisiert. Im doppelten Einsatz sind zwei Frankfurter Revierpolizisten und eine Fahrradstreife. Das Trio spricht Polnisch. Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Slubice, die Deutsch lernen, patrouillieren sie in Uniform und mit der Waffe im Halfter auch durch die Straßen der Nachbarstadt.
"Die Papiere, bitte!" Tomasz Schelazowski, Streifenpolizist aus Slubice, kommt auf dem kleinen Basar seiner Heimatstadt gleich zur Sache. Er mag es nicht, wenn Landsleute, die schon vormittags nach Schnaps riechen, deutsche Besucher anbetteln. "Denen fehlt Anstand und Stolz", sagt der 37-jährige Polizist knapp. Das Ehepaar aus Seelow - mit zwei Taschen voller Gemüse bepackt - fühlt sich nicht belästigt. Doch Schelazowski hat längst Name und Anschrift des Bettlers notiert. "Er soll den Basar meiden", übersetzt Jörg Müller die scharfen Worte des Slubicer Kollegen. Müller ist Repo aus Frankfurt, Revierpolizist. Er und Heidrun Haufe sowie Fahrradstreife Krzysztof Krwaczyk sprechen Polnisch. "Die drei setzen wir zur gemeinsamen Streife ein", bestätigt Siegfried Genschmar, Polizeihauptkommissar und Koordinator aller 13 Repos in der Stadt. Er fügt an: "Im zurückliegenden Jahr wurden an 135 Tagen gemeinsame Streifen von insgesamt 613 Stunden durchgeführt." Ein Anfang.
Als Frankfurts Polizei vor fünf Jahren begann, die ersten Streifen mit den Kollegen aus Slubice zu organisieren, fehlten nicht nur die Erfahrungen. Es herrschte auf beiden Seiten auch Misstrauen. "Schließlich ist kaum ein Verhältnis zweier europäischer Länder historisch so problembeladen wie das zwischen Deutschland und Polen. Zudem können wenige Grenzen solch ein Wohlstandsgefälle aufweisen wie die deutsch-polnische. Und schließlich kann die Grenzregion als Ganzes auf keine gemeinsame Geschichte, Sprache und regionale Identität zurückgreifen", meint Alexandra Schwell, Autorin des Buches "Europa an der Oder". Sie promovierte 2007 an der Viadrina.
"Durch unseren Einsatz im Doppelpack können wir viele Vorurteile abbauen - bei den Deutschen. Bei den Polen", weiß Jörg Müller. Der 49-Jährige geht seit fünf Jahren mit Tomasz Schelazowski auf Tour. "Von Jahr zu Jahr immer öfter." Manchen Dieb habe man schon geschnappt. Aber viel wichtiger sei die Prävention. "Und die spürbar bessere Kommunikation mit dem Nachbarn", ergänzt Siegfried Genschmar. Gemeinsam habe man elektronische Übermittlungsmasken zu Straftaten wie Kfz- oder Ladendiebstahl erarbeitet. "Der Slubicer Kollege ermittelt schon mal hier in Frankfurt gegen Polen, wenn sie zum Beispiel in einen Unfall verwickelt waren - und umgekehrt." So werden auch bürokratische Grenzen überwunden.
Was Tomasz Schelazowski heute noch wundert: Viele Deutsche machen sich mit polnischem Verkehrsrecht überhaupt nicht vertraut. "0,5 Promille auf dem Fahrrad sind in Polen eine Straftat - in Deutschland erst bei 1,6 Promille. Wer bei uns im Auto ohne Licht fährt, bezahlt 100 Zloty Strafe. Und als Fußgänger darf man nicht schräg über die Strafe laufen. Das macht 50 Zloty." Überhaupt: Fußgänger. Viele Frankfurter glauben heute noch, vor dem Zebrastreifen würde jeder polnische Autofahrer brav halten. Fußgänger haben dort aber nicht "Vorfahrt". Dieser gefährliche Irrtum brachte schon manchen deutschen Touristen in die polnische Ambulanz.
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