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Klares Nein zu CO2-Speicher

Neutrebbin . Geht es nach dem Willen der Neutrebbiner sowie zahlreicher Bürger umliegender Gemeinden, wird es im Oderbruch keinen Kohlendioxid-Speicher geben. In der ersten Informationsveranstaltung sahen sich die Vertreter von Vattenfall einer breiten Ablehnungsfront gegenüber.

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Die Bürger vor Ort fühlen sich überrumpelt. Der Vorwurf, zu spät und viel zu spärlich über das Vorhaben informiert worden zu sein, zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend. Prof. Detlev Dähnert von Vattenfall beteuerte zwar immer wieder, dass man mit dieser Informationsveranstaltung erst am Anfang des Miteinanders stehe. Er bot weitere Gespräche - auch in kleineren Runden - ebenso an wie Exkursionen ins Herz der Energieerzeugung in der Lausitz. Dennoch sitzt das Misstrauen der Bewohner der Region tief. Es konnte an diesem Abend nicht im Ansatz ausgeräumt werden. Das wurde in jedem Diskussionsbeitrag deutlich. Daniel Schwefel informierte, dass sich eine Bürgerinitiative gegründet habe, die alle Hebel in Bewegung setzen will, um schon die Erkundung zu verhindern. Die geplante Technik sei nicht ausgereift. Klar sei, dass mit solch einer Verpressung noch mehr Kohle verbrannt werden muss. Was Dähnert bestätigte. Der Wirkungsgrad beim Verbrennen von Braunkohle liege derzeit bei 43 Prozent.

Für Empörung sorgte die Ankündigung von Bürgermeister Siegfried Link, dass die Gemeindevertretung bis 8. Mai ein Votum zum Erkundungsverfahren abgeben soll. Das sei nicht zu leisten, betonten mehrere Redner. Karsten Birkholz, Amtsdirektor von Barnim-Oderbruch, sicherte zu, dass man eine Verschiebung dieses Votums anstreben wird. Gefordert wird es vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Cottbus. Birkholz machte zugleich deutlich, dass weder das Amt noch der Kreis Genehmigungsbehörde seien. Die Entscheidung, ob erkundet und später möglicherweise gespeichert wird, werde von übergeordneten Behörden getroffen. Für seinen Teil nehme er aus der Veranstaltung mit, dass Neutrebbin die Erkundung nicht wünscht. Offen blieb die Frage einiger Bürger, welchen Einfluss ihr Veto zu den Plänen überhaupt hat. Auch über den ersten Schritt auf dem Weg eines möglichen CO2-Speichers, nämlich die Erkundung, wurde letztlich kaum gesprochen. Die Bürgermeisterin von Bliesdorf, Eva-Maria Andresen, brachte das Thema fast zum Schluss zur Sprache. Es werde viel Bewegung in der Region sein. Darauf müsse die Region vorbereitet werden.

Erkundet werden soll mit speziellen Lastkraftwagen. Sie senden Schallwellen in das tiefe Erdreich. Geplant sind zudem mehrere Bohrungen. Die Erkundung werde jedoch nicht spürbar, versicherten die Firmenvertreter. Sie beteuerten zudem, dass es keinen Speicher gibt, wenn die Schichten nicht geschlossen sind und ein Freisetzen des CO2 ausgeschlossen wird. Vattenfallprojektleiter Dr. Thomas Lautsch versuchte, den Bürgern die Angst vor möglichen Katastrophen zu nehmen. Ein Bürger aus Neufeld wollte z.B. wissen, wer dafür haftet, wenn in seinem Garten Geysire wie in Irland aus dem Boden sprudeln. "Das ist unmöglich", so Lautsch. Das CO2 werde nicht in Hohlräume gepresst, sondern in feinste Sandsteinporen. "Ein eruptives Entweichen ist ausgeschlossen", versicherte er. Generell hafte im übrigen der Bauherr für alle Schäden.

Viele Bürger haben Sorge, der Wert ihrer Grundstücke sinke und der Mittelstand verliere seine Kreditwürdigkeit. Solch eine Entwicklung sei bisher nirgendwo bekannt, hieß es. Zum Beispiel befinde sich unter Berlin (Grunewald) ein riesiger Erdgasspeicher. Dennoch seien die Grundstückspreise dort nie gefallen.

Thomas Morgenstern aus Zollbrücke forderte einen intelligenteren Umgang mit CO2. Ziel der Speicher sei nicht der Klimaschutz, sondern die Legitimation für Vattenfall, fünf neue Tagebaue zu erschließen und 25 neue Kohlekraftwerke zu bauen. Für wichtiger erachte er, das Kreislaufwirtschaftsprinzip umzusetzen und z.B. auch die Kraft-Wärme-Kopplung zu erhöhen. Man arbeite an vielen Alternativen, von Algenbiomasse über Solarlösungen bis hin zu Windkraft, so Detlev Dähnert. Nötig sei ein Mix, um den Strombedarf zu sichern. Die Kohle werde jedoch fester Bestandteil bleiben.

Viele Fragen blieben an diesem Abend offen bzw. wurden aus Sicht der Bürger nicht in ihrem Sinne beantwortet. Die Vertreter von Vattenfall und ihre Partner ermunterten trotz der zum Teil sehr emotional geführten Diskussion zu weiteren Gesprächen, befürworteten ausdrücklich, dass sich die Menschen vor Ort einbringen. Es überwog die Angst vor einer unbekannten Technologie.

Kostenlose Info Hotline zum Projekt werktags von 9 bis 16 Uhr unter 08001243683

Ziele: Die Verringerung des CO2-Ausstoßes ist ein von der Politik festgeschriebenes Vorhaben. Das heißt, die Industrie muss ihren Kohlendioxid-Ausstoß deutlich reduzieren.

CO2-Ausstoß: Vattenfall will bis 2050 Strom klimaneutral, also ohne CO2-Ausstoß, erzeugen. In der ersten Etappe soll bis 2030 der CO2-Ausstoß halbiert werden. Ein wichtiger Punkt dabei wird die Entwicklung und Nutzung der CCS-Technik (Carbon Capture and Storage). Sie beinhaltet das Abscheiden von CO2 im Kraftwerksprozess. Der Energiekonzern RWE Dea entwickelt diese Technik derzeit ebenfalls, baut ein neues Kraftwerk und wird das anfallende Gas in einer 500 km langen Leitung unterirdisch nach Schleswig-Holstein transportieren, um es dort in so genante Aquiferen einzulagern.

Aquifere: Das sind Salzwasser führende Buntsandsteinschichten in 1200 bis 1600 Meter Tiefe. Ein solches unterirdisches Gesteinsgebirge gibt es im Raum Neutrebbin und bei Beeskow. In einem ersten Schritt geht es um die Erkundung der Gesteinstrukturen im Umkreis von 300 Quadratkilometern. Erkundet wird weit über die geplante Endlagerstätte hinaus.

Zeitplan: Am 23. März hat Vattenfall beim Landesbergbauamt den Antrag auf Genehmigung der Erkundungsarbeiten gestellt. Das Verfahren läuft, u.a. mit der Beteiligung Träger öffentlicher Belange (einschließlich Kommunen). Im Juni soll der zweite Schritt folgen, stellt Vattenfall den Antrag für den Hauptbetriebsplan für die Erkundung. Im Herbst folgt der Antrag für das Sonderbetriebsverfahren. Darin geht es um Details für die Erkundungsstandorte, z.B. der geplanten Bohrungen. 2011 ist das Testprogramm geplant. 2012 bis 2015 würde das Genehmigungsverfahren für die Speicherung selbst laufen, inklusive für den Pipelinebau. Ziel des Energiekonzerns ist es, 2015 den Bau des Demonstrationskraftwerkes in Jänschwalde abzuschließen und mit der Speicherung zu beginnen.

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