Berlin . Erstmals seit Jahren sind nach den Mai-Krawallen in Berlin Haftbefehle wegen Mordversuchs gegen mehrere Randalierer erlassen worden. Vier Tatverdächtige sollen Brandsätze gegen Polizisten im Stadtteil Kreuzberg geschleudert haben und sitzen in Untersuchungshaft, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Michael Grunwald am Sonntag. Insgesamt wurden 44 Haftbefehle gegen Störer erlassen. Zu den weiteren Vorwürfen gehören schwerer Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung.
Von den 44 Verdächtigen wurden 27 gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt, 17 sitzen in Untersuchungshaft. Bei den seit Jahren schwersten Krawallen am Abend des 1. Mai rund um das Kottbusser Tor waren über Stunden Steine und Flaschen gegen Polizisten geschleudert worden. Zwei Beamte wurden mit einer brennbaren Flüssigkeit begossen. Sie konnten gerettet werden. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Polizeipräsident Dieter Glietsch hatten von einer neuer Qualität der Gewalt, insbesondere auch gegen Polizisten gesprochen. 273 Beamte waren verletzt worden, fast dreimal so viele wie im vergangenen Jahr.
Unterdessen nahm Körting eine umstrittene Äußerung zurück. Er hatte enthemmtes Vorgehen der Randalierer mit Sexualdelikten verglichen - sei "die Frau erst mal ausgezogen und vergewaltigt, dann falle es anderen leichter, auch mitzumachen". Der Vergleich sei schief. "Ich möchte ihn so nicht aufrechterhalten", sagte der SPD- Politiker am Sonntag nach Angaben seiner Sprecherin. Die CSU hatte den Rücktritt des SPD-Politikers gefordert. Körting betonte laut Sprecherin, er bleibe bei seiner "moralischen Verurteilung der Steinewerfer, die er mit dem Vergleich zum Ausdruck bringen wollte."
Es habe in der Nacht des 1. Mai rund 2500 Randalierer gegeben, sagte Körting. Deren Gewaltbereitschaft deutlich höher gewesen sei als früher. 289 von ihnen wurden festgenommen - im Vorjahr waren es mit 139 weniger als die Hälfte. Die Polizei sucht jetzt weiter nach Straftätern. Derzeit werde das Videomaterial der Polizei vom 1. Mai gesichtet, sagte ein Sprecher am Sonntag.
Die Debatte um das Einsatzkonzept der Berliner Polizei hielt an. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft im Beamtenbund, Rainer Wendt, sagte in einem Interview, die Taktik der Zurückhaltung durch die Polizei habe sich nicht bewährt. "Wir können froh sein, dass es keine Toten gegeben hat." Die Polizei in der Hauptstadt verfolgt seit einigen Jahren ein Konzept der Deeskalation. Dazu gehört, dass keine Wasserwerfer eingesetzt werden wie in Hamburg.
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