Schwedt . Deutsche und polnische Teilnehmer des Nationalparklaufes von Gartz nach Gryfino sind am Sonntag unter Anti-Atomkraft-Transparenten hindurch gelaufen. Zum ersten Mal wurde der Protest der deutschen Grenzregion gegen die Pläne zum Bau eines Atomkraftwerkes in Gryfino öffentlich sichtbar. In Schwedt und Umgebung machen sich immer mehr Menschen Sorgen, was wird, wenn die Pläne umgesetzt werden sollten. Politische Gremien wie Kreistag, Stadtverordnetenversammlung und Amtsausschuss beschäftigen sich mit Resolutionen, immer mehr Bürger unterschreiben Protestlisten.
Erster ÷ffentlicher Protest: Deutsche und polnische Teilnehmer des Nationalparklaufes von Gartz nach Gryfino laufen in Mescherin unter einem Anti-Atomkraft-Transparent hindurch.
"Ein schneller Brüter an der Oder wäre das Ende des Nationalparks", ist Mike Bischoff (SPD) überzeugt. Der Landtagsabgeordnete aus Schwedt hat aus Sorge um die Zukunft der Region, um die Gesundheit der Menschen und die Natur eine Unterschriftensammlung gegen die seit Anfang des Jahres kursierenden polnischen Pläne gestartet, in Gryfino ein Atomkraftwerk zu bauen. 25 Kilometer vor den Toren der Stadt Schwedt. Gut zwei Wochen später haben bereits mehr als 2000 Bürger gegen dieses Vorhaben unterschrieben. Täglich laden sich weitere Vereine, Firmen oder Privatpersonen die Unterschriftslisten von seiner Internetseite www.mike-bischoff.de herunter.
"Wenn dieses Atomkraftwerk kommt, packen wir unsere Koffer", hört man immer öfter von besorgten Schwedtern. Die Ängste der Region werden bereits in Protestbriefen, die der Kreistag verabschiedet hat und die Schwedter SVV vorbereitet, deutlich. Öffentlich sichtbar wurden sie am vergangenen Wochenende, als engagierte Bürger in Mescherin zahlreiche Anti-Atomkraft-Plakate an die Laufstrecke des Nationalparklaufes klebten. Die Teilnehmer der grenzüberschreitenden Sportveranstaltung, darunter auch zahlreiche polnische Läufer, mussten unter einem großen Transparent "Atomkraft? Nein, Danke." hindurch. "Es gibt noch wenige belastbare Fakten über die Planungen", räumt Frank Gotzmann vom Amtsausschuss Gartz ein. Dennoch begrüßt auch er, dass bereits im Vorfeld einer Entscheidung sichtbar wird, was die Region über solche Pläne denkt.
"Wenn die polnische Regierung erst eine Entscheidung gefällt hat, ist es zu spät", begründet auch Mike Bischoff sein Engagement gegen die noch vagen Nachrichten aus dem Nachbarland. Einige Quellen gehen davon aus, dass die Nachricht eine bloße Spekulation sei. Andere zitieren polnische Wissenschaftler, die offen über eine Standortentscheidung bis 2010 sprechen, Gryfino favorisieren und über eine "Chance für einen Zivilisationssprung", eine hervorragende Finanzspritze für die Region, über 1000 Arbeitsplätze und über die Kernenergie als "die günstigste, sauberste und effektivste Art der Energiegewinnung" philosophieren. Fakt ist, das Polens Regierung den Einstieg in die Atomkraft will und mit Frankreich über den Kauf von zwei AKW verhandelt. Fraglich ist, ob Polen das Geld dafür hat und ob Gryfino dann in Betracht kommt. Noch soll Gryfino nur einer von acht möglichen Standorten sein. "Egal wie vage auch die Informationen sind. Bevor wir es nicht schwarz auf weiß haben, dass kein Atomkraftwerk an die Oder gebaut wird, werden wir dagegen unsere Stimme erheben", gibt sich Mike Bischoff kämpferisch.
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