Letschin/Neutrebbin .
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Rund 150 Bürger folgten am Dienstagabend dem Angebot der Gemeindeverwaltung, sich über die Pläne von Vattenfall für einen CO2-Speicher bei Neutrebbin zu informieren. Teile der Gemarkung Letschin liegen im Erkundungsgebiet. Die Grundbedenken vieler Bürger konnten auch hier nicht ausgeräumt werden.
Eine Frage wird den Vertretern von Vattenfall und seinen Partnern überall gestellt und kam auch in Letschin: Warum investiert das Unternehmen nicht in neue Lösungen statt alte nur in gesetzeskonforme Bahnen zu lenken. Mit der Speicherung von Kohlendioxid will das Energieunternehmen Vattenfall die Braunkohleverstromung als einen Teil der Energiegewinnung sichern. Daraus machte Projektleiter Dr. Thomas Lautsch in Letschin keinen Hehl. Als Reaktion auf den Klimawandel haben EU, Bund und Land ihre Energieziele formuliert. Bis 2020 soll der Ausstoß von CO2 halbiert und bis 2050 gänzlich verschwunden sein.
Bisher gebe es keine Technologie, um Braunkohle ohne CO2-Ausstoß zu verstromen, so Lautsch. Angesichts des Energiebedarfs bleibe die Kohleverstromung auf lange Sicht eine wichtige Säule (Anteil 25 Prozent). Parallel würde sehr wohl an alternativen Energien gearbeitet. Vattenfall investiere auch in Windkraft, Geothermie oder Photovoltaik.
Thomas Lautsch bestätigte, dass mit der geplanten CCS-Technologie - CO2 abscheiden, transportieren und in Erdspeicher pressen - der Wirkungsgrad reduziert wird und zwar um sieben Prozent. Man werde jedoch nicht mehr Kohle abbaggern. Vielmehr werde der Energieverbrauch allein durch die steigenden Preise deutlich sinken.
Der Abend machte einen Aspekt deutlich, der bisher weniger im Blickpunkt stand. Vattenfall will in Jänschwalde ein Demonstrationskraftwerk mit einer Leistung von 300 Megawatt bauen. Nur für dieses Kraftwerk wird ein Speicher gesucht. Das kann Beeskow oder Neutrebbin sein. Mit einer Inbetriebnahme wird 2015 gerechnet. Das Ganze ist ein Test. Läuft der erfolgreich, werden weitere große Kraftwerke auf CCS-Basis entstehen bzw. umgerüstet. In Schleswig-Holstein treibt RWE ein ähnliches Projekt voran. Bei Erfolg werden die Energieerzeuger und auch andere CO2-Produzenten der Industrie unterirdische Speicher suchen. Denn künftig drohen saftige Strafen für jede Tonne CO2, die nach der fixierten Frist in die Atmosphäre gestoßen wird.
Ob es in Neutrebbin zur CO2-Einlagerung kommt, soll die Erkundung bringen. Sie dauert etwa zwei Jahre. Ralf Broschinksy von der Verbundgas Netz AG erläuterte die Umsetzung. Fahrzeuge werden den gesamten Boden abtasten. Die Schallwellen senden Signale, die dann analysiert werden und alle nötigen Auskünfte über die Beschaffenheit des unter dem Oderbruch liegenden Buntsandsteingebirges liefern. "Es fahren aber keine Rüttelmaschinen", so Broschinsky. "Die Erschütterungen sind kaum spürbar." Bürger erinnerten an die Zeit der Melioration. Spuren sind bis heute an Gebäuden sichtbar. Das wird dabei nicht geschehen", versicherte Thomas Lautsch. Besorgte Nachfragen gab es auch zum Trinkwasserschutz. Was, wenn sich das Salzwasser, das durch das CO2 in 1400 Meter Tiefe aus den Poren des Buntsandsteins gedrückt wird, mit dem Trinkwasser vermischt? Die beiden Männer verwiesen auf das ganze System von Kontroll- und Sicherheitsanlagen sowohl am Speicher als auch entlang der möglichen Pipeline. Würde die Pipeline ein Leck haben, so könnte CO2 nur kurzzeitig austreten, da sofort Sicherheitsventile schließen. Es würde binnen Sekunden abkühlen und zu Trockeneis erstarren.
Dirk Ilgenstein, Bürgermeister von Vierlinden, verwies auf das einstimmige Veto seiner Gemeinde. Die Frage des Restrisikos sei nicht geklärt. Die Region müsse erhebliche Eingriffe dulden. "Das Image schadet uns", so Ilgenstein. Eine Bürgerin wollte wissen, welchen Vorteil die Region haben würde.
Einen direkten wohl eher nicht, wurde eingeräumt. Es gehe aber um die Stromsicherung für alle. Das Argument, dass der Tourismus beeinträchtigt wird und die Region einen Imageschaden nehmen würden, teilten die Vertreter nicht. Es sei nicht bekannt, dass in der Nähe von Gasspeichern - es gibt 43 in Deutschland - der Tourismus leide oder Grundstückswerte sinken.
Zum Thema Sicherheit verwies Broschinsky auf das Vorbild Natur. In Gestein eingelagerte sichere Gasspeicherstätten gebe es seit Millionen Jahren. Das Gestein in dieser Tiefe sei so verfestigt, dass es durch die Einspeisung von CO2 nicht lockerer, sondern weiter zementiert wird. Es würde auch keine Gefahr bei Hochwasser bedeuten. Kontrollanlagen an Speichern in Flussnähe wurden andernorts schon überflutet. In solchen Fällen schließen sofort Sicherheitsventile. Es gebe keine Auswirkungen auf den Speicher selbst. Ein explosionsartiges Entweichen des eingepressten Gases sei unmöglich, da es nicht in Hohlräume, sondern in Poren gepresst wird. Insgesamt verlief die Diskussion in Letschin außerordentlich sachlich. Angeboten wurde, weitere Fragen auch schriftlich zu formulieren. Vattenfall steht für Gespräche bereit.
Nächste Info-Veranstaltung 25. Mai, 19 Uhr, Bürgerhaus Neuhardenberg; ständige Hotline 08001243683, E-Mail klimaschutz@vattenfall.de
Am Freitag gründet sich in Neutrebbin die Bürgerinitiative "Stoppt die CO2-Bombe". Gefahren und Risiken einer Speicherung von CO2 seien derzeit nicht ausreichend erforscht, so die Initiatoren. Die Verpressung von CO2 sei nicht der Beitrag, der nötig ist, um die Energiepolitik umzugestalten. Man wolle die Gesteinsschichten vielmehr für Geothermie statt für die Speicherung erhalten. Treff für die Gründung ist am Freitag um 19 Uhr in der Turnhalle der Oberschule Neutrebbin.
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