Dr. Dietmar Barkusky . Die Landwirtschaft durchlebt derzeit schwere Zeiten. Vor allem in der Tierproduktion leiden die Bauern unter dem drastischen Preisverfall. Das wurde aus dem Bericht und der Diskussion zur Situation der Landwirtschaft in der Kreistagssitzung am Mittwochabend deutlich.
Derzeit gibt es in Märkisch-Oderland 449 landwirtschaftliche Unternehmen. 224 davon sind bäuerliche Familienbetriebe. Hinzu kommen 55 Gartenbauunternehmen, elf Fischereibetriebe, zwei eingetragene Vereine, vier Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) sowie neun sonstige Gesellschaften. Für alle ist die Situation derzeit äußerst angespannt. "Auf den Feldern wächst eine Ernte heran, die derzeit keiner braucht", brachte es Henrik Wendorff, Vorsitzender der Fraktion Bauernverband, auf den Punkt. Milch- und Fleischerzeuger wissen zu Beginn des Jahres nicht, wie viel sie letztlich für ihre Arbeit bekommen. "Bauern wollen Lebensmittel produzieren", so Wendorff, der auch Vorsitzender des Kreisbauernverbandes ist. "Aber der Bauer muss auch von seiner Arbeit leben können. Derzeit gibt es schlichtweg ein Überangebot."
Wendorff sprach auch das Thema Gentechnik an. Es war in den Ausschüssen mehrfach diskutiert worden. Die Passagen im Bericht wurden zweimal verändert, letztlich auch nach dem Verbot für den Anbau von BT-Mais der Sorte MON 810. Der Landwirt, der einen Öko-Betrieb leitet, wollte das Thema damit nicht abgehakt wissen.
Märkisch-Oderland war in den letzten Jahren der größte Anbauer von gentechnisch veränderten Pflanzen bundesweit - bisher ausschließlich von Mais. 2008 waren 1084 ha gemeldet, aber letztlich nur 645 mit MON 810 bestellt worden. Landesweit wurden 1720 ha gemeldet. Die 839 angemeldeten Hektar in MOL für 2009 sind erst einmal vom Tisch.
Als Öko-Landwirt sei die grüne Gentechnik kein Thema für ihn, so Wendorff. Als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes müsse er sich aber sehr wohl der Problematik stellen. Es gehe letztlich um Wettbewerbsvorteile und um ein Miteinander aller Bauern. Er plädierte dafür, das Mediationsverfahren, das eigentlich unter Regie des Kreises schon beginnen sollte, wegen des Verbots aber auf Eis gelegt wurde, zu starten. Gentechnik beeinflusse in vielfacher Form unseren Alltag, so Wendorff. Er erinnerte an die Baumwollprodukte oder Futtermittel. Zugleich erinnerte er daran, dass jetzt in Märkisch-Oderland der Erprobungsanbau für eine Kartoffelsorte freigegeben wurde.
Für den Bericht gab es insgesamt viel Lob für Landwirtschaftsamtsleiter Jan Paepke und seine Mitstreiter. Dr. Karin Lindner (Bauernverband) verwies als Vorsitzende des Fachausschusses auf den im Bericht ersichtlichen weiteren Rückgang der Hackfrüchte. 2007 wurden sie noch auf 2495 ha angebaut, im vergangenen Jahr nur noch auf 1870 ha. Das habe auch Auswirkungen auf die Fruchtfolge.
appellierte an alle politischen Gremien, sich für die Revidierung der Entscheidung zur Schließung der Versuchsstation Manschnow einzusetzen. Man könne Agrarberatung nicht der Agrarindustrie überlassen. Jan Paepke hatte zum neuesten Stand informiert, dass jetzt die Golzower Landwirtschafts GmbH ohne wissenschaftliche Begleitung Bohnen- und Spinatanbauversuche startet.Ebenso das auch in Golzow sitzende Landesinstitut. Am 26. Mai soll eine Arbeitsgemeinschaft Feldversuch gegründet werden. Das sei auch ein Verdienst von Wolfgang Heinze (Linke), der als Landtagsabgeordneter das Thema Versuchsstation in Potsdam immer wieder auf die Tagesordnung gebracht habe. Den Verweis von Burkhard Paetzold (Fraktionschef Grüne B90/Pro Zukunft), dass es einen steigenden Markt für Öko-Produkte gibt und hier größere Anstrengungen lohnen, wollte Henrik Wendorff nicht ohne weiteres stehen lassen. Der Öko-Anbau mache derzeit 4,6 Prozent im Kreis aus. Zwar gebe es in der Tat in den Supermärkten eine stärkere Nachfrage nach Ökoprodukten, doch davon würden die Landwirte der Region nicht profitieren. Viele Produkte kämen aus dem Ausland.
Als nach wie vor ungelöstes Problem benennt der Bericht den Vertragsnaturschutz. Im Vertrauen auf die bisher übliche Praxis des Landes hatten vor allem Schäfer hohe Leistungen 2008 erbracht, dafür aber bisher keinen Cent erhalten. Märkisch-Oderland hat den höchsten Schafbestand im Land. Ein Schreiben des Landrates brachte bisher kein Ergebnis. Im Land werde auf die neu zu erarbeitende Verwaltungsvorschrift verwiesen. Es bleibe abzuwarten, wie und ob der Konflikt gelöst wird.
Ein dickes Lob gab es für die Verwaltung für den traditionellen Bericht zur Landwirtschaft. Solch ein enger Schulterschluss zwischen Behörden und ... mehr
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