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Zwölf Tote durch Orkantief "Emma"

Hamburg . Mindestens Zwölf Tote und Millionenschäden: Kurz aber heftig hat das Orkantief "Emma" über Deutschland und anderen europäischen Ländern gewütet. Das Unwetter deckte Häuser ab, riss Bauzäune und Verkehrsschilder heraus, machte Straßen unpassierbar und führte zu Stromausfällen sowie Behinderungen im Reiseverkehr. In Bayern knickte eine Kirchturmspitze ab, an der Nordsee liefen Sturmfluten auf. In Süddeutschland gab es am Samstag, dem meteorologischem Frühlingsanfang, heftige Hagelschauer, Schnee, Gewitter und Überschwemmungen. Viele Menschen wurden verletzt.

  Nur noch ein Tr³mmerhaufen: Dieses Gebõude in Bayern hielt dem Orkantief Emma nicht stand. Das Unwetter richtete Schõden in Millionenh÷he an. Foto: ddp ©

Am Sonntag beruhigte sich die Lage, und die Aufräumarbeiten gingen weiter. Die Münchener Rück konnte die Höhe der Versicherungsschäden noch nicht schätzen. Polizei und Feuerwehren sprachen von Millionenschäden. Nach Angaben der Deutschen Bahn hat "Emma" deutlich weniger angerichtet als der Orkan "Kyrill" im Januar 2007. "Der Sturm war in Dauer und Intensität nicht vergleichbar", sagte ein Sprecher am Sonntag. Nach Behinderungen am Samstag laufe der Zugverkehr fast wieder normal. Im Fernverkehr gebe es mit Ausnahme der Strecke Nürnberg - Augsburg keine markanten Verspätungen mehr.

Vielerorts erreichte "Emma" am Samstag Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde. Den Rekordwert registrierte der Wetterdienst Meteomedia mit 222 km/h auf dem 1838 Meter hohen Wendelstein in den Bayerischen Alpen. Örtlich stürzten gewaltige Regenmengen nieder. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden zwischen Freitagmorgen und Samstagmorgen in Beerfelden im Odenwald 63,6 Liter pro Quadratmeter registriert, auf dem Großen Arber im Bayerischen Wald fielen 63 Liter.

Das Geschehen sei teilweise "dramatisch" gewesen, berichtete Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia. Doch "Emma" habe nicht so großflächig gewütet wie "Kyrill". Der Orkan hatte vor einem Jahr mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. 47 Menschen starben, 11 davon in Deutschland. Nach Einschätzung von Versicherern hatte "Kyrill" einen Schaden von mehr als drei Milliarden Euro angerichtet.

"Wir haben großes Glück gehabt, dass der Sturm auf einen Samstagmorgen fiel", sagte DWD-Meteorologe Helmut Malewski. An einem normalen Arbeitstag wären mehr Menschen unterwegs gewesen. Am Sonntag blieb es noch stürmisch, Unwetterwarnungen gab der DWD aber nur noch für einzelne Höhenlagen heraus.

In Deutschland starben mindestens vier Menschen durch umgestürzte Bäume oder Unfälle infolge des Unwetters. Je zwei Tote gab es in Tschechien und Polen, vier in Österreich. Darunter waren nach Angaben der österreichischen Polizei zwei deutsche Urlauber. Bei Wissen im Westerwald (Rheinland-Pfalz) wurde ein 58 Jahre alter Mann in einem Auto von einer Fichte erschlagen. Bei Oberpfaffenhofen (Bayern) erfasste eine Böe einen Motorrollerfahrer und drückte ihn in den Gegenverkehr. In Sachsen kam eine 68-jährige Beifahrerin bei einem Autounfall in der Nähe von Freiberg ums Leben. In der Nähe von Bissingen (Baden-Württemberg) starb ein 19-jähriger Autofahrer, als er trotz eines starken Graupelschauers auf eisglatter Fahrbahn überholte und mit einem Transporter zusammenstieß.

In Tirol starb nach Angaben der Nachrichtenagentur APA ein 77 Jahre alter deutscher Tourist, als ein Baum auf sein Auto krachte. Ebenfalls in Tirol kam auf einem Campingplatz ein 69-Jähriger aus dem Raum Friedrichshafen ums Leben. Eine Windböe hatte den Urlauber und seine Frau unter dem eigenen Wohnwagen begraben. Die Frau kam ins Krankenhaus. In St. Pölten starb eine Frau, als ein Baum ihr Cabrio zerschmetterte. Im Bundesland Salzburg wurde ein Urlauber in einem Taxi von einem herabstürzenden Felsbrocken erschlagen.

In Tschechien forderte "Emma" zwei Menschenleben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur CTK wurde ein Mann auf einem Friedhof von einem herabfallenden Metallstück getötet. Ein elfjähriges Mädchen wurde von einem umstürzenden Baum begraben. Vier südböhmische Landkreise riefen zeitweise den Notstand aus, berichtete Radio Prag. Am Sonntagmorgen waren in Ostböhmen noch etwa 100 000 Menschen ohne Strom.

In Polen starb ein 42-jähriger Mann, als ein entwurzelter Baum sein Auto zerdrückte, meldete am Sonntag die Nachrichten-Agentur PAP. Ein 28-Jähriger kam ums Leben, weil sich das Dachteil eines vor ihm fahrenden Lasters im Sturm löste und auf sein Auto geweht wurde.

Auch einige Sportveranstaltungen wurden vom Winde verweht. Das für Samstag angesetzte Fußball-Bundesliga-Spiel Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart fiel ebenso aus wie die alpinen Skirennen in Zwiesel imBayerischen Wald und Weltcup-Wettbewerbe der Skispringer und Nordischen Kombinierer im finnischen Lahti.

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